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Hauptversammlung Fridays for Future: „Wir werden den Siemens-Vorstand nicht entlasten“

Aktivistin Helena Marschall wird auf der Hauptversammlung von Siemens reden und Druck auf den Konzern ausüben. Konzernchef Kaeser gibt sich gelassen.
03.02.2020 - 12:12 Uhr 3 Kommentare
Siemens-HV 2020: FFF-Aktivistin soll auf Hauptversammlung reden Quelle: Imago
Protestplakat

In den vergangenen Wochen demonstrierten Aktivisten vor zahlreichen Siemens-Standorten.

(Foto: Imago)

Düsseldorf, München Nach all den Protesten der vergangenen Wochen war der Auftritt von Siemens-Chef Joe Kaeser beim Hightech Summit Bayern ein Heimspiel. Die Veranstaltung hebe sich wohltuend ab von den Freitags-Veranstaltungen, sagte Kaeser in der Maschinenbau-Fakultät der Technischen Universität. „Es ist gut, wenn man auch einmal über die Zukunft unseres Landes spricht.“

Doch schon bei der Hauptversammlung am Mittwoch wird Kaeser wieder auf die Demonstranten von Fridays for Future treffen. Kaeser will ihnen offenbar ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen. Er kündigte beim Hightech Summit an, er werde bei dem Aktionärstreffen in seiner Rede „etwas großartiges Neues“ rund um den Klimaschutz verkünden, Zentrum der Aktivitäten werde Bayern sein.

Der Hauptversammlung sehe er gelassen entgegen. Doch die Kritiker positionieren sich bereits. Helena Marschall wird als Vertreterin der Klimaorganisation eine Rede vor Aktionären und Vorstand halten und will Siemens an seine „Verantwortung gegenüber mir, meiner Generation, der Weltgemeinschaft und ihren Aktionären und Aktionärinnen“ erinnern.

Im Mittelpunkt des Streits steht der Siemens-Auftrag für eine umstrittene Kohlemine in Australien. „Damit verrät der Vorstand die Werte des Unternehmens und bringt im Alleingang das 1,5 Gradziel in Gefahr“, sagte Marschall im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich werde den Konzern auf der Hauptversammlung erneut daran erinnern, was für verheerende Folgen dies hätte. Solche Verträge müssen aktiv verlassen werden, um uns eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Wir werden den Siemens-Vorstand nicht entlasten.“

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    Der indische Industriekonzern Adani will eines der größten Kohlebergwerke der Welt errichten, das jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern soll. Siemens soll für 18 Millionen Euro die Signaltechnik für den Zug liefern, der die Kohle ans Meer transportiert.

    Der Streit wird fortgesetzt

    In den vergangenen Wochen demonstrierten Aktivisten vor zahlreichen Siemens-Standorten. Kaeser traf sich daraufhin mit Luisa Neubauer, dem Gesicht der deutschen FFF-Bewegung. Kaeser hat zwar den Dialog gesucht, doch der Siemens-Vorstand entschied einstimmig, den Auftrag aus Vertrags- und Kundentreue an dem Projekt zu erfüllen.

    Daher wird der Streit nun auf der Hauptversammlung fortgeführt. „Eine kuriose Prioritätensetzung“, kritisierte Marschall. „Natürlich gibt es Fälle, wo man einen Vertragsausstieg abwägen muss. Aber in diesem Fall kann ich das Vorgehen moralisch absolut nicht nachvollziehen.“ Siemens gehört zu den wenigen Konzernen, die die Signaltechnik liefern können. Die anderen möglichen Firmen hatten ein Mitwirken für sich bereits ausgeschlossen.

    Kaeser selbst war nach eigenen Angaben erst spät über den umstrittenen Auftrag informiert worden. „Wenn ich vorher davon erfahren hätte, wäre ich dagegen gewesen, dass wir uns an der Ausschreibung beteiligen“, sagte er dem Handelsblatt. Der Aktivistin Neubauer bot er sogar einen Aufsichtsposten bei der neuen Siemens Energy an. Sie lehnte ab.

    Ob Kaeser Neubauer wirklich einen Aufsichtsratssitz bei der neuen Siemens Energy AG angeboten hat, ist umstritten. Er hatte nach dem Treffen mit Neubauer von einem Aufsichtsposten gesprochen. Auf eine Nachfrage, ob es um den Aufsichtsrat gehe, sagte Kaeser, das könne sie sich aussuchen. In den folgenden Tagen dementierte Siemens das Thema Aufsichtsrat auch nicht.

    Doch der „Zeit“ sagte Kaeser vergangene Woche: „Tatsächlich war uns immer klar, dass ein Aufsichtsratsmandat nicht gehen würde. Dort wäre die Unabhängigkeit qua Funktion verloren.“ Die Konfusion sei wegen seiner Antwort auf die Nachfrage des Journalisten entstanden.

    Marschall beobachtet seit Wochen eine „Zick-Zack-PR-Strategie“, will sich davon nach eigenen Worten aber nicht blenden lassen. „Ich werde noch einmal hervorheben, dass es am Ende um die tatsächlichen Handlungen eines Unternehmens geht und nicht die Versprechungen für die Zukunft.“

    Entscheidung über Nachfolge im Sommer

    Sie hofft, mit ihrer Rede vor den Aktionären eine „sehr mächtige Gruppe an Menschen“ wachrütteln zu können. Denn die seien in der Lage, den Druck auf Siemens weiter zu erhöhen. Auf der Hauptversammlung wird es nicht nur Kritik von Marshall geben. Vor den Toren der Olympiahalle werden Proteste erwartet. Zudem gibt es Gegenanträge von Kleinaktionären, die Kaeser die Entlastung verweigern wollen.

    Auch der Aufsichtsrat beobachtet das Reputations- und Krisenmanagement Kaesers teilweise skeptisch. „Kaeser hat dem Thema viel Aufmerksamkeit verschafft“, sagte ein Kontrolleur dem Handelsblatt. Nun müsse er mit der Kritik bei der Hauptversammlung leben. Einzelne Investoren forderten vor diesem Hintergrund, rasch Kaesers Nachfolge zu regeln. Der Vertrag des Siemens-Chefs läuft noch bis zur Hauptversammlung Anfang 2021.

    Der Aufsichtsrat will im Sommer über die Nachfolge entscheiden – es wird erwartet, dass Vize Roland Busch zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wird. Offiziell ist aber noch nichts entschieden. Bis die Jobfrage entschieden ist, will Kaeser den Dialog mit den Klimaaktivisten fortsetzen.

    „Mein Ziel ist es, mit den Umweltorganisationen den Dialog zu suchen, zu helfen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zusammen Lösungen zu erarbeiten“, sagte er dem Handelsblatt. Eine Eskalation des Generationenkonflikts müsse vermieden werden. „Es geht viel besser zusammen.“ Grundsätzlich finde er den Einsatz gegen die Klimakrise richtig.

    Trotz dieser Angebote fühlt sich Aktivistin Marschall nicht wirklich ernst genommen. „Aber das ist auch nicht mein großes Ziel“, erklärt sie. „Womit ich nicht klarkomme, ist, dass wissenschaftliche Fakten und die Klimakrise nicht ernstgenommen werden.“ Und das, obwohl Siemens vor fünf Jahren als erster großer Industriekonzern angekündigte, bis 2030 klimaneutral sein zu wollen.

    Marschall befürchtet, dass auch die Aktionäre getäuscht werden. „Wenn Siemens die ganze Zeit rumgeht und sich als Klimavorreiter präsentiert, dann ist das natürlich ein Eindruck, aufgrund dessen die Aktionäre handeln und vielleicht sogar eine Aktie kaufe.“ Zumindest ihnen möchte sie auf der Hauptversammlung noch einmal die Augen öffnen.

    Mehr: Im Sommer will der Siemens-Aufsichtsrat über die Nachfolge entscheiden. Dann könnte auch schnell der Wechsel zu Vize Roland Busch erfolgen.

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    3 Kommentare zu "Hauptversammlung: Fridays for Future: „Wir werden den Siemens-Vorstand nicht entlasten“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr Engelbert Lüning
      In China und Indien ist die Pro-Kopf-CO2-Emissionen niedriger als in Deutschland. Also sollten wir doch erstmal vor unserer eigenen Haustüre kehren, bevor wir mit dem Finger auf Andere zeigen.
      Der tatsächliche Bezug zur Wirklichkeit fehlt denen, die immer noch den anthropogenen Treibhauseffekt leugnen oder verharmlosen.

    • Genauso sehe ich das auch - sicherlich ist es wichtig, dass wir Rahmen unserer Möglichkeiten umsteuern - aber bitte alles in einem vernünftigen Rahmen! Es kommen sicherlich noch die Zeiten, wo wir Kohlkestrom aus Polen beziehen werden, da wir unsere eigene Energieerzeugung kaputt gefahren haben.

    • Leider fehlt diesen FFF-Personen der tatsächliche Bezug zur Wirklichkeit,
      Man kann diese Personen nicht ernst nehmen, wenn sie nicht erkennen wollen (oder können) dass das CO 2 Problem nur gemeinsam weltweit lösbar ist.
      Schickt diese Krawallmacher doch nach Cina oder Indien, dort können sie dann protestieren.

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