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IndustriekonzernStahl, Wasserstoff, Weften: Thyssen-Krupp forciert Verkäufe

Vorstandschefin Martina Merz kündigt für das laufende Geschäftsjahr einen Milliardengewinn an. Parallel läuft die Abspaltung weiterer Firmenbereiche.Martin Murphy 18.11.2021 - 15:57 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Vorstandschefin von Thyssen-Krupp treibt den Konzernumbau weiter voran.

Foto: imago images/Revierfoto

Berlin. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp will sich Anfang 2022 neu aufstellen. In den ersten Monaten des neuen Jahres will die Traditionsfirma aus Essen Entscheidungen über die Zukunft wesentlicher Geschäftseinheiten stellen, wie Vorstandschefin Martina Merz am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz sagte. Konkret geht es um den Bau von Marineschiffen und Wasserstoffanlagen sowie dem Teil, der für viele Menschen das eigentliche Herz des Ruhrkonzerns ist: die Stahlsparte.

Seit der Verschmelzung von Thyssen und Krupp hat die Gesellschaft immer wieder eine Trennung von Thyssen-Krupp Steel vorbereitet, entsprechende Pläne aber verworfen. Mal passte das Marktumfeld nicht, mal kamen Zweifel an möglichen Fusionspartnern auf, oder intern kippte die Stimmung gegen eine Ablösung des Stahlgeschäfts. Der Vorstand um Merz will nun das Projekt durchdrücken, auch weil dem Unternehmen keine Alternative bleibt.

Für das im Oktober angelaufene Geschäftsjahr stellte Merz am Donnerstag zwar dank der hohen Nachfrage nach Stahl einen Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro in Aussicht und überraschte damit die Analysten positiv. Schließlich wäre dies der höchste Überschuss seit dem Geschäftsjahr 2007/08.

Doch das Stahlgeschäft schwankt über die Jahre immer wieder stark. Sollte die Nachfrage abreißen, würde auch Merz Bilanz in sich zusammenfallen. Die Schwankungen hatte der Konzern in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen – eines der Kernprobleme bei Thyssen-Krupp.

Im Frühjahr will der Konzern erklären, wie es konkret mit der Stahlsparte weitergehen wird. Anvisiert ist laut Finanzchef Klaus Keysberg eine Notierung an der Börse, bei der die Altaktionäre des Gesamtkonzerns am neuen Unternehmen beteiligt werden.

Die Stahlsparte legte zu – ob und wie lange sie noch im Konzern bleibt, ist offen.

Foto: dpa

Ein Verkauf ist wenig wahrscheinlich, da Investoren die hohen Kosten für die Umstellung der Hütten auf eine klimaneutrale Stahlproduktion fürchten. Bisher hat Thyssen-Krupp keine Strategie, um das Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen.

Wasserstoff-Börsengang geplant

Im Frühjahr will Thyssen-Krupp auch über die Zukunft des Joint Ventures Uhde Chlorine Engineers (UCE) entscheiden. „Wir streben einen Börsengang an“, sagte Merz. Das Technologieunternehmen ist auf den Bau von Elektrolyseanlagen spezialisiert, etwa zur Wasserstoffgewinnung mithilfe erneuerbarer Energien. In jedem Falle will Thyssen-Krupp eine Mehrheit am Geschäft behalten. Den Wert von UCE, an dem der Konzern zwei Drittel der Anteile hält, taxierten Experten auf rund fünf Milliarden Euro.

Für die Werftensparte Thyssen-Krupp Marine Systems hat der Konzern bisher keinen konkreten Weg ausgearbeitet. Personalvorstand Oliver Burkhard, der für TKMS zuständig ist, betonte indes, dass mit allen Akteuren in Europa über eine Konsolidierung gesprochen werde. Jeder sehe die Notwendigkeit für einen solchen Schritt, sagte er. Verhandlungen gebe es indes nicht.

Mit den geplanten Abspaltungen schreibt der Vorstand um Merz einen noch von ihren Vorgängern eingeleiteten Umbau fort. Thyssen-Krupp hat eine Reihe von Firmenteilen verkauft und ist damit Stück für Stück geschrumpft, hat sich aber Geld besorgt oder von Altlasten befreit, um eine Pleite zu vermeiden. Dabei sticht vor allem die Veräußerung der Aufzugsparte hervor, deren Gewinn indes durch die Wirtschaftseinbußen infolge der Coronakrise aufgezehrt wurden.

2021/22 soll der operative Gewinn unter anderem dank besserer Zahlen der Stahlsparte auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro in etwa verdoppelt werden. Unsicherheiten gebe es allerdings bei der weiteren Entwicklung der Lieferengpässe bei Halbleitern und anderen Vorprodukten. Dies werde zeitweise zu Belastungen führen, erklärte Finanzvorstand Keysberg.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der bereinigte operative Gewinn (Ebit) bei knapp 800 Millionen Euro nach einem Minus von fast 1,8 Milliarden Euro im coronabedingt schwachen Vorjahr. Unterm Strich stand ein Minus von 19 Millionen Euro – nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Eine Dividende soll es auch diesmal nicht geben. Der Umsatz wuchs um 18 Prozent auf 34 Milliarden Euro.

„Nach gut zwei Jahren intensiver Transformation können wir heute sagen: Die Trendwende ist erkennbar, es geht in die richtige Richtung bei Thyssen-Krupp“, sagte Merz.

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Der eingeleitete Abbau von Arbeitsplätzen läuft laut Personalchef Burkhard nach Plan. „Von den angekündigten mehr als 12.000 Stellen bis zum Geschäftsjahr 2023/24 hat Thyssen-Krupp in den vergangenen zwei Geschäftsjahren rund 7800 Stellen sozialverträglich abgebaut“, sagte er. Viele Mitarbeitende hätten in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden können. Burkhard versprach, das Unternehmen werde auch weiterhin „verantwortungsvoll und anständig“ mit der Belegschaft umgehen.

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