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Joachim KreuzburgSartorius-Vorstandschef gibt Posten im kommenden Jahr auf

Nach über 20 Jahren wird Joachim Kreuzburg seinen Vertrag als Vorstandschef nicht mehr verlängern. Noch gibt es keinen Nachfolger.Maike Telgheder 02.07.2024 - 14:01 Uhr aktualisiert
Joachim Kreuzburg ist noch bis November 2025 bei Sartorius. Foto: imago images/Hubert Jelinek

Frankfurt. Der Dax-Konzern Sartorius muss sich einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchen: Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg wird sich im Herbst nächsten Jahres aus dem Vorstand des Labor- und Pharmazulieferers zurückziehen. Kreuzburg werde seinen Vertrag, der noch bis November 2025 läuft, nicht verlängern, teilte der Göttinger Dax-Konzern am Dienstag mit.

Kreuzburg will keinen neuen Chefposten in einem anderen Unternehmen antreten. Die Suche nach einem Nachfolger solle in Kürze starten, heißt es von Sartorius.

Kreuzburg ist mit mehr als 21 Dienstjahren der am längsten amtierende Vorstandschef im Dax: Nach seinem Eintritt in die Sartorius AG im Jahr 1999 wurde der damals 37-Jährige 2022 in den Vorstand berufen, dessen Führung er wenige Monate später übernahm.

Sartorius-Chef Kreuzburg will keine neue Chefrolle mehr

„Nach dieser langen Zeit als Vorstandsvorsitzender möchte ich mich beruflich und privat neuen Themen und Projekten widmen; eine Rolle als CEO eines anderen Unternehmens werde ich nicht annehmen“, schreibt Kreuzburg in einem Brief an die Mitarbeitenden, der dem Handelsblatt vorliegt. Er habe die Entscheidung nach langem und gründlichem Abwägen auch gemeinsam mit seiner Familie getroffen, heißt es in dem Brief weiter. „Es mag Sie überraschen, dass ich meinen Abschied so frühzeitig ankündige. Mir ist es aber wichtig, Sartorius zu ermöglichen, die Weichen für die Nachfolge ohne Zeitdruck zu stellen.“

Pharmazulieferer

Sartorius kämpft mit schwacher Nachfrage – Aktie bricht um bis zu 23 Prozent ein

In seinen zwei Jahrzehnten an der Spitze von Sartorius hat der Diplom-Maschinenbauer und promovierte Wirtschaftswissenschaftler aus dem mittelständischen Laborwaagenhersteller einen global agierenden Konzern geformt, der Pharmafirmen und Labore mit Geräten und Materialien zur Herstellung von biopharmazeutischen Medikamenten beliefert. Vorausschauend hat Kreuzburg das Unternehmen auf den weltweiten Trend zu Biotech-Medikamenten ausgerichtet und mit gezielten Zukäufen das Portfolio kontinuierlich ausgebaut.

Jahrelang wuchs das seit September 2021 im Dax notierte Unternehmen Sartorius mit dieser Strategie dynamisch und profitabel. Während der Coronapandemie profitierte das Unternehmen zusätzlich von der hohen Nachfrage nach Materialien für die Impfstoffproduktion mit Wachstumsraten von zeitweise mehr als 30 Prozent.

Umsatz um das Siebenfache gesteigert

Seitdem allerdings hat Sartorius die Anleger immer wieder mit negativen Nachrichten verschreckt: Weil sich die Kunden auch wegen hoher Lagerbestände mit Bestellungen zurückhielten, musste Sartorius im vergangenen Jahr sogar zweimal seine Gewinnziele zurücknehmen. Nach dem Umsatz- und Gewinneinbruch 2023 sollte es in diesem Jahr wieder aufwärtsgehen. Aber auch im ersten Quartal gingen die Umsätze weiter zurück, was den Aktien des Unternehmens erneut hohe Verluste bescherte.

Von einer Marktkapitalisierung von zeitweise mehr als 40 Milliarden Euro während der Coronapandemie ist Sartorius inzwischen weit entfernt. Dennoch kann sich Kreuzburgs Bilanz sehen lassen: Während seiner Amtszeit stieg der Umsatz von Sartorius um mehr als das Siebenfache auf rund 3,4 Milliarden Euro und der Gewinn um mehr als das 26-Fache auf knapp eine Milliarde Euro.

Die Börsenbewertung stieg um rund das 180-Fache von gut 90 Millionen Euro auf aktuell rund 17 Milliarden Euro. Und die Anzahl der Mitarbeitenden vervierfachte sich auf mehr als 14.000 Beschäftigte.

In seinem Brief an die Belegschaft thematisiert Kreuzburg auch die aktuell herausfordernden Zeiten für das Unternehmen. Er sieht sie allerdings als temporär an und schätzt die Zukunftsaussichten als „unverändert sehr gut“ ein.

„Es ist bei Weitem nicht die erste Herausforderung, die wir zu meistern haben, und noch nie war die Substanz und Positionierung von Sartorius stärker“, schreibt Kreuzburg in dem Brief an die Mitarbeiter. Wie in den letzten 21 Jahren werde er sich auch in den kommenden gut 16 Monaten voll auf Sartorius konzentrieren, so Kreuzburg weiter.

Es ist bei Weitem nicht die erste Herausforderung, die wir zu meistern haben.
Joachim Kreuzburg
Sartorius-Chef

Der Aufsichtsrat des Unternehmens äußerte großes Bedauern über die Entscheidung Kreuzburgs. Der Vorsitzende des Gremiums, Lothar Kappich, betonte, dass Sartorius Joachim Kreuzburg außerordentlich viel zu verdanken habe. „Mit seiner dynamischen unternehmerischen Persönlichkeit hat er das Unternehmen zu einem international führenden und ausgesprochen profitablen Life-Science-Konzern geformt, das Technologie- und Produktportfolio enorm erweitert und ein herausragendes Team aufgebaut.“

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Der Aufsichtsrat werde nun in Ruhe und mit Sorgfalt einen Nachfolgeprozess einleiten. An der Börse lag die Vorzugsaktie am Dienstag im Handelsverlauf rund drei Prozent im Minus.

Für Sartorius hatte Kreuzburg bereits am Jahresanfang neue Mittelfristziele formuliert. Das Unternehmen soll bis 2028 wieder deutlich an Dynamik gewinnen und dabei durchschnittlich um mehr als zehn Prozent pro Jahr wachsen. Dabei helfen wird der Zukauf des französischen Biotech-Unternehmens Polyplus, das die Göttinger im vergangenen Jahr für 2,4 Milliarden Euro erwarben. Der Zukauf – übrigens der bislang größte Deal für Kreuzburg und auch Sartorius – sichert dem Dax-Konzern weiteren Zugang zu einem der Zukunftsfelder der Pharma- und Biotech-Industrie: neuartige Gen- und Zelltherapien.

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