Mutiertes Coronavirus: Wie gut erkennen Schnelltests die Omikron-Variante? Die wichtigsten Antworten
Antigen-Schnelltests können nach Ansicht von Virologen grundsätzlich auch Covid-19-Infektionen, die durch die Omikron-Virusvariante verursacht wurden, ermitteln. Es gibt aber Qualitätsunterschiede.
Foto: dpaFrankfurt. Die erstmals in Südafrika sequenzierte Coronavirus-Variante namens Omikron könnte wegen der Vielzahl ihrer Mutationen am sogenannten Spike-Protein die Wirksamkeit der bislang zugelassenen Sars-CoV-2-Impfstoffe einschränken. Das befürchten Fachleute. Darüber hinaus stellt sich eine zweite Frage: Erkennen die derzeit verfügbaren Corona-Schnelltests die Omikron-Variante überhaupt zuverlässig?
Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Können Schnelltests die Infektion mit der Omikron-Variante nachweisen?
Aktuell verfügbare Antigen-Schnelltests können eine Infektion zwar nachweisen, aber nicht explizit, ob es sich dabei auch um Omikron-Variante handelt. Dazu ist derzeit noch eine sogenannte Genomsequenzierung des Virus notwendig. Befürchtungen, dass durch Omikron verursachte Corona-Infektionen wegen der Mutationen des Virus überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden können, haben sich bisher allerdings nicht bestätigt.
Die derzeit überwiegend eingesetzten Antigen-Schnelltests zeigen auch bei Omikron ein positives Ergebnis an. Das veranschaulichte Virologin Sandra Ciesek Anfang der Woche in einem Tweet. Danach wurden mit den Tests der Hersteller Roche, Siemens und Flowflex sowohl ein Nasen- als auch ein Rachenabstrich durchgeführt. Laut Ciesek seien die Tests alle positiv gewesen.
Die Omikron-Variante B.1.1.529 weist vor allem zahlreiche Mutationen am sogenannten Spike-Protein auf. Mithilfe dieses Proteins kann das Virus in menschliche Zellen eindringen und sich dort vermehren. Die bestehenden Impfstoffe setzen an diesem Mechanismus an. Antigen-Schnelltests allerdings nicht.
Laut Privatdozent Roman Wölfel, Oberstarzt und Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, identifizieren die meisten Schnelltests das Virus über sein Nukleokapsid-Protein. Die Omikron-Variante weise hier keine Mutationen auf, die eine Beeinträchtigung der Funktion von Antigen-Schnelltests erwarten lassen, so Wölfel.
Die Unternehmen Abbott und Siemens Healthineers teilten mit, dass sie Bewertungen ihrer Antigen-Schnelltests vorgenommen hätten. Die zeigten, dass diese Tests auch durch die Omikron-Variante ausgelöste Infektionen sicher nachweisen konnten. Auch der Schweizer Pharmakonzern Roche äußerte sich entsprechend. Die Nachfragen nach den Tests seien weiterhin auf einem hohen Niveau, heißt es bei Siemens Healthineers. Hauptabnehmer seien weiterhin Bund, Länder und Kommunen und inzwischen auch industrielle Kunden mit großen Produktionen.
In Ergänzung dazu bietet Healthineers seine Schnelltests über einen Webshop an. Der Hersteller Abbott gibt an, dass das Unternehmen eine zuverlässige Belieferung der Apotheken in Deutschland sicherstellen könne. Seit Beginn der Pandemie hat das Unternehmen mehr als eine Milliarde Covid-19-Tests hergestellt.
Woran erkennt man die Qualität eines Schnelltests?
Unabhängig von der Virusvariante gilt bei Antigen-Schnelltests, dass die Nachweisbarkeit von Sars-CoV-2 im Vergleich zu PCR-Tests im Labor immer schlechter ist. Schnelltests, egal ob professionell oder in Eigenregie angewandt, weisen in den Sekreten der Atemwege bestimmte Proteine aus der Virushülle nach, die sogenannten Antigene.
Das gelingt nicht immer zuverlässig, etwa wenn die Probe wenig Viren enthält, wie das zu Beginn oder am Ende einer Infektion der Fall ist. Der Standard-PCR-Labortest sucht nach Erbmaterial des Virus und erkennt auch kleine Mengen. Da auch ein positives Ergebnis im Antigentest falsch sein kann, sollte immer ein PCR-Test folgen, um eine Infektion zuverlässig zu ermitteln.
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte Anfang November eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigte, dass die Sensitivität von Antigen-Schnelltests für den Eigenbedarf insgesamt stark variiert. Dazu untersuchten das PEI und andere Institutionen insgesamt 122 Covid-19-Antigen-Schnelltests.
Dabei fiel jeder fünfte Test durch, weil er nicht die geforderte Sensitivität von mindestens 75 Prozent erreichte: Das heißt, dass der Test in mindestens 75 Prozent der Fälle ein positives Ergebnis anzeigen muss, wenn in der Probe eine bestimmte Virusmenge vorliegt. Eine Liste der untersuchten Tests, die dieses Kriterium erfüllen, findet sich auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Wann ist der Einsatz von Schnelltests sinnvoll?
Antigentests können im Fall von Symptomen nützlich sein, um den Verdacht auf Covid-19 zu klären. Allerdings sind sich Wissenschaftler einig, dass sie bei Menschen, die keine Symptome haben, nicht so gut funktionieren. Menschen mit negativem Testergebnis können also trotzdem infiziert sein. Und da auch ein positives Ergebnis im Antigentest falsch sein kann, sollte in diesem Fall immer ein PCR-Test folgen, um eine Infektion zuverlässig zu ermitteln.
Virologen sind zuversichtlich, dass die Omikron-Variante auch mit den sogenannten PCR-Tests im Labor nachgewiesen werden kann. „Die Genabschnitte des Virus, die für die PCR-Diagnostik verwendet werden, sind bei B.1.1.529 kaum oder gar nicht verändert. Diese neue Variante wird also genauso sicher mit PCR-Tests erkannt werden“, sagt Oberstarzt Wölfel.
Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität, hatte bereits die Ergebnisse erster Labortests veröffentlicht, die zeigen, dass die Omikron-Variante in bestimmten Zielgenen auch mit PCR-Tests nachgewiesen werden kann. Dabei wurden die Testsysteme der Hersteller Roche, Abbott und Genexpert eingesetzt.
„Die in den Laboren etablierten PCR-Systeme ermitteln auch eine vom Omikron-Virus verursachte Corona-Infektion“, bestätigte am Dienstag Michael Müller, erster Vorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM). Die Variante selbst muss allerdings mittels Sequenzierung identifiziert werden. Das passiert nicht regulär bei allen Proben. Die fachärztlichen Labore untersuchen jede Woche eine repräsentative Stichprobe der erstmalig Sars-CoV-2-positiven PCR-Proben mit der Vollgenomsequenzierung nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts. So wurde Omikron auch in Deutschland entdeckt.
„Zusätzlich werden wir auch Proben auf die Omikron-typischen Mutationen untersuchen, wenn ein konkreter Verdacht auf eine Infektion mit der Corona-Variante besteht“, ergänzte Müller. Dies kann insbesondere bei Reiserückkehrern aus den entsprechenden Regionen sowie bei deren Kontaktpersonen der Fall sein.
Insgesamt haben die fachärztlichen Labore ihre PCR-Kapazitäten noch einmal gesteigert – um zwei Prozent auf nun 2,2 Millionen Tests pro Woche. Das ist laut ALM ausreichend, allerdings gibt es je nach Infektionsgeschehen regional Überlastungen. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche 1,84 Millionen Sars-CoV-2-PCR-Tests durchgeführt, so viel wie noch nie in der Pandemie.