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Pascal Soriot Dieser Mann will das Rennen um den Corona-Impfstoff gewinnen

Der Chef von Astra-Zeneca will sich von Rückschlägen im Corona-Impfstoff-Rennen nicht aufhalten lassen. Er hofft auf eine Zulassung zum Jahreswechsel. 
13.09.2020 - 14:47 Uhr Kommentieren
Der Franzose will sich vom jüngsten Rückschlag in der klinischen Studie des Corona-Impfstoffs nicht entmutigen lassen.
Astra-Zeneca-Chef Pascal Soriot

Der Franzose will sich vom jüngsten Rückschlag in der klinischen Studie des Corona-Impfstoffs nicht entmutigen lassen.

London Sein Vorbild als Führungsfigur, hat Pascal Soriot kürzlich gesagt, sei Greta Thunberg. Die junge Klimaaktivistin habe eine klare Mission, für die sie brennt. „Und sie spricht mutig“, erklärte der Vorstandschef des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca in der „Financial Times“.

Seine eigene Mission ist es in diesen Tagen, einen Corona-Impfstoff zu finden. Im globalen Wettkampf, wer als Erster mit einem Gegenmittel auf dem Markt ist, zählt Astra-Zeneca zu den Favoriten.

Vergangene Woche erlebte Soriot dabei einen Rückschlag. Der Konzern musste die fortgeschrittene klinische Studie zum Impfstoff „AZD1222“ für sechs Tage unterbrechen, nachdem eine Probandin in Großbritannien schwer erkrankt war. Am Samstag gab die britische Gesundheitsbehörde Entwarnung: Die Tests können nun weitergehen. Soriot bekräftigte, dass man um den Jahreswechsel herum eine Zulassung erreichen wolle.

Doch er geriet erheblich unter Druck. Für Kritik sorgte vor allem, dass die Nachricht erst drei Tage nach dem Teststopp durch eine Telefonschalte mit Investoren über Umwege an die Öffentlichkeit gelangte. Der Pharma-Manager sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, nicht transparent zu kommunizieren.

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    Es sei normal, dass Studien unterbrochen würden, verteidigte er sich. Der einzige Unterschied sei, dass dieses Mal die ganze Welt zuschaue. Tatsächlich war es bereits das zweite Mal, dass die Studie pausiert werden musste. Und die beteiligten Forscher der Universität Oxford schließen nicht aus, dass es noch weitere Zwischenfälle geben wird. Das sei bei bis zu 50.000 Probanden in vier Ländern zu erwarten.

    Große Hoffnungen

    Auf dem Projekt ruhen große Hoffnungen. Die Forscher in Oxford testen den Impfstoff, Astra-Zeneca übernimmt Produktion und Vertrieb. Die EU, die USA und viele andere Regierungen haben bereits Kaufverträge über Hunderte Millionen Dosen unterzeichnet.

    US-Präsident Donald Trump macht besonderen Druck, er hätte den Impfstoff noch gern vor der Wahl am 3. November. Soriot will sich nicht drängen lassen. Zusammen mit weiteren Pharma-Chefs erklärte er vergangene Woche, dass die Sicherheit des Medikaments oberste Priorität habe.

    Der Zwischenfall mit der Probandin zeigt, wie viel auf dem Spiel steht. Bei der Frau bestand Verdacht auf transverse Myelitis, eine Entzündung im Rückenmark. Wie die Diagnose am Ende lautete, ist nicht bekannt.

    Soriot hat bereits einmal erlebt, welche Folgen schlechte Testergebnisse haben können. 2017 hatte Astra-Zeneca an einem einzigen Tag mehr als zehn Milliarden Pfund an Börsenwert verloren, nachdem eine Krebsstudie nicht die gewünschten Fortschritte zeigte. Damals gab es Rücktrittsgerüchte, er überstand die Krise jedoch.

    Der 61-jährige Franzose hat einen entscheidenden Anteil daran, dass Astra-Zeneca in dem Corona-Wettrennen nun ganz vorn mitspielt. Als er 2012 die Führung übernahm, mangelte es im Unternehmen an Ideen und Inspiration. Die Produktpalette war veraltet, die Firma galt als Übernahmekandidat. Es dauerte nicht lange, und Soriot musste tatsächlich einen Übernahmeversuch des US-Konkurrenten Pfizer abwehren.

    Neuer Schwung

    Der Angriff von außen gab Soriots Restrukturierung den nötigen Schwung. Er stellte die schlechte Angewohnheit seiner Vorgänger ab, Gewinne für Aktienrückkäufe auszugeben, und investierte lieber in die Entwicklung neuer Produkte. Er baute ein neues Forschungslabor im englischen Cambridge und verlegte 2016 auch den Firmensitz von London in das britische Biotech-Mekka.

    Binnen weniger Jahre brachte Astra-Zeneca eine Reihe neuer Krebsmedikamente auf den Markt, die heute zu den Gewinnbringern des Konzerns zählen. Im ersten Halbjahr steigerte die Firma den Umsatz um 14 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar, der Vorsteuergewinn verdoppelte sich auf 1,9 Milliarden Dollar. Die Krebsmittel trugen mehr als 40 Prozent zum Umsatz bei. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, stellte Soriot zufrieden fest.

    Die neue Konzentration auf die Forschung führt dazu, dass Astra-Zeneca auch im Wettbewerb um den Corona-Impfstoff den deutlich größeren britischen Konkurrenten Glaxo-Smithkline hinter sich gelassen hat. Die Aufbruchstimmung spiegelt sich im Aktienkurs: Das Astra-Papier war seit Jahresanfang zwischenzeitlich um 30 Prozent gestiegen. Nach dem jüngsten Corona-Rückschlag notiert es immer noch elf Prozent im Plus.

    Soriot hat den Mitarbeitern das zurückgegeben, was in Management-Seminaren „Purpose“ genannt wird. Bei allem Fokus auf Ergebnisse ist der Manager im persönlichen Umgang nahbar und entwaffnend. Sein Geheimnis? Er nimmt sich selbst nicht allzu ernst.

    Mehr: Warum Astra-Zeneca die klinische Studie zum Impfstoff ausgesetzt hat.

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