Porsche: „Bedenken hinsichtlich unserer Zusammenarbeit“ – Unruhe bei Porsche-Händlern in China
Düsseldorf. Der Sportwagenbauer Porsche hat Ärger mit einigen seiner Händler in China – und reagiert darauf.
Chinesischen Medienberichten zufolge hatten einzelne chinesische Händler von Porsche eine Entschädigung verlangt. Demnach seien die betroffenen Händler gezwungen gewesen, Autos mit Verlust zu verkaufen, um die ambitionierten Verkaufsvorgaben des deutschen Autokonzerns zu erreichen. Porsche verkaufte im vergangenen Jahr knapp 80.000 Fahrzeuge in China, ein Viertel des Gesamtvolumens der Zuffenhausener.
Am Montag veröffentlichte die China-Einheit des Dax-Konzerns ein gemeinsames Statement mit seinen lokalen Händlern. Danach erwägt Porsche, die Vertriebsstrategie an die Marktbedingungen in China anzupassen. Details zu den Anpassungen lassen sich dem Schreiben nicht entnehmen.
Wörtlich heißt es: „In letzter Zeit gab es Bedenken hinsichtlich unserer Zusammenarbeit und der künftigen Entwicklung, und wir verstehen diese Bedenken.“ In Zeiten des Wandels und der Transformation in der Branche sei es für Automobilhersteller „wichtig, aktiv auf die Stimmen der Händler zu hören“. Beide Seiten wollten künftig enger zusammenarbeiten.
Derzeit soll Vertriebsvorstand Detlev von Platen in China sein, um sich ein Bild von der Lage zu machen und mit Händlern zu sprechen, wie aus Konzernkreisen zu hören ist.
In China herrscht ein Preiskampf auf dem Markt für E-Autos
Ein Sprecher bestätigte den Inhalt der gemeinsamen Erklärung, wollte mögliche Händlerkompensationen aber nicht kommentieren. Man nehme „die Anfragen und Forderungen aus dem Handel ernst“, heißt es allgemein. Zusammen mit seinem Händlernetz analysiere der Konzern zurzeit die Situation und definiere „Maßnahmen, die unseren wertorientierten Absatz für die Zukunft absichern“.
In China tobt seit Monaten ein ruinöser Preiskampf um Elektroautos, der etablierte westliche Autokonzerne in dem Land Marktanteile kostet und ihre Gewinne in dem Land unter Druck bringt. Außerdem belasten Diskussionen über höhere Zölle auf teure Autos mit großen Verbrennungsmotoren das Chinageschäft deutscher Premiumhersteller. „Wenn die Maßnahmen umgesetzt würden, würde das Porsche voll treffen“, sagt Beatrix Keim, Direktorin am Duisburger CAR-Center Automotive Research und Expertin für den chinesischen Automarkt.
Porsche hat auf dem größten Automarkt der Welt mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Auslieferungen in China waren 2023 um 15 Prozent zurückgegangen, im ersten Quartal sackte der Absatz sogar um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr ab.
Zahlen des Datendienstleisters Marklines, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen überdies, dass Porsche in dem wichtigen Markt über alle Antriebsstränge hinweg schlechter dasteht als im Vorjahr. Von seinem Elektromodell Taycan verkauften die Zuffenhausener demnach zwischen Januar und April nur knapp 600 Einheiten in China.
Was Porsche zugutekommt: Der Sportwagenbauer ist im Chinageschäft deutlich flexibler als etwa sein Mutterkonzern Volkswagen, weil Porsche dort keine eigenen Werke hat. Das hilft, um Autos in anderen Regionen zu verkaufen. „Dennoch bleibt China als größter Automarkt der Welt und wichtiger Abnehmer von Luxusartikeln für Porsche als Hersteller hochpreisiger Sportwagen essenziell“, sagt Expertin Keim.
Porsche hatte im ersten Quartal 2024 vier Prozent weniger Autos ausgeliefert als noch in den ersten drei Monaten 2023.
Erstpublikation: 28.05.2024, 17:39 Uhr.