Rezession und Energiekrise: „Ich mache jetzt mit jedem Brötchen Verlust“ – Ein Unternehmerland ist am Limit
Angesichts der steigenden Gaspreise und Strompreise schauen viele Unternehmen besorgt in den Winter.
Foto: Handelsblatt- Der ungewisse Blick in den Winter lässt Unternehmen von der Bäckerei bis zur Gießerei gleichermaßen in Sorge. Die Betriebe in Deutschland stehen vor einer schweren Zeit – und gehen dabei ganz unterschiedlich vor.
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Untergang oder Überlebenschance – darüber entscheidet in diesem Spätsommer bisweilen das Datum auf einem Liefervertrag. „Wir haben vergangenen November unseren gesamten in diesem Jahr benötigten Strombedarf am Terminmarkt eingekauft“, erzählt Jens van Haß, Geschäftsführer der Ortrander Eisenhütte im ländlich-kargen Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Sachsen. „Der Preis war zwar zum damaligen Zeitpunkt hoch, beträgt aber nur rund ein Drittel dessen, was heute fällig werden würde.“
2023 allerdings droht das böse Erwachen: „Im Gegensatz zu diesem Jahr haben wir bisher nur 50 Prozent unseres Strombedarfs preislich fixiert“, sagt der langjährige Unternehmensberater, der 2019 als Sanierer in die Eisenhütte kam und als Co-Geschäftsführer blieb.
Die Hütte braucht 45.000 Megawattstunden Energie pro Jahr, vor allem Strom. Sollten die Preise so hoch bleiben wie derzeit, würden sich die Energiekosten im kommenden Jahr auf 18 Millionen Euro verdoppeln – bei rund 60 Millionen Euro Umsatz. Der 59-jährige Geschäftsführer ist sich sicher: Eine solche Preisexplosion könne man nicht an die Kunden weiterreichen, sie sei existenzbedrohend.