Energiepreise: Interview mit GFT-Chef Ulrich Dietz: „Deutschland ist eine Scheißegal-Nation geworden“
Dietz sieht Deutschland als „Scheißegal-Nation“: „Wir finden uns inzwischen mit Zuständen einfach so ab, die nicht tragbar sind.“
Foto: Mercedes-Benz AGHerr Dietz, Sie wirken immer so, als ruhten Sie entspannt in sich selbst. Wie schwer fällt Ihnen das derzeit?
Katastrophen und Unwägbarkeiten kommen in diesen Zeiten so oder so. Ich muss immer nur schauen, welche Katastrophe gerade schlimmer ist in dieser komplexen Welt, und mich dem Problem dann in Ruhe widmen.
Komplexität sind Sie als Gründer eines IT-Dienstleisters doch von Beginn an gewohnt.
Ja, man kann alles als schrecklich empfinden oder auch Chancen im Chaos erkennen. Gerade deshalb ist es ja so wichtig, dass wir in Deutschland aus diesem permanenten Krisenmodus rauskommen. Wir müssen wieder positiv in die Zukunft blicken.
Danach sieht es aber derzeit nicht aus, oder?
Deutschland befindet sich durch den Ukrainekrieg und seine Folgen in einer mentalen Dauerdepression. Das ist schon problematisch, andere Teile der Welt gehen damit anders um. Die GFT ist mit einem erwarteten Umsatz von 730 Millionen Euro im laufenden Jahr in 43 Büros in mehr als 15 Ländern unterwegs. Die Märkte in Asien-Pazifik oder den Amerikas sind viel optimistischer.
Diese Regionen sind auch wirtschaftlich deutlich weniger vom Ukrainekrieg betroffen als wir. Sollte der Westen auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin zugehen, um die Auswirkungen des Kriegs zu mildern?
Nein, auf keinen Fall. Wir müssen der Ukraine helfen, die russische Aggression zurückzudrängen. Putin muss erkennen, dass es so nicht geht.