Rheinmetall: Joint Venture mit Polens größtem Rüstungskonzern
Düsseldorf. Die größten Rüstungskonzerne aus Deutschland und Polen arbeiten nun zusammen. Am Montag unterzeichneten Rheinmetall und die Polska Grupa Zbrojeniowa (PGZ) eine Absichtserklärung über eine strategische Zusammenarbeit im Bereich militärischer Unterstützungsfahrzeuge. Dazu zählen etwa Bergepanzer, Minenräumpanzer sowie Brückenlegefahrzeuge. Die Unternehmen gründen hierfür ein Joint Venture. Ziel sei die Schaffung eines europäischen Zentrums für Unterstützungsfahrzeuge.
Für Rheinmetall ist es die erste strategische Zusammenarbeit mit einem polnischen Rüstungskonzern. Die PGZ ist ein staatliches Rüstungsunternehmen. Sie ist eine von der polnischen Regierung gegründete Holdinggesellschaft, die polnische Staatsunternehmen der Verteidigungsindustrie zusammenführt.
Die Kooperation hilft Rheinmetall dabei, den polnischen Rüstungsmarkt zu erschließen. Während der Dax-Konzern bereits zahlreiche Kooperationen in Osteuropa und im Baltikum im Bereich der Artilleriemunition sowie bei Kampf- und Schützenpanzern schließen konnte, spielte der polnische Rüstungsmarkt bei Rheinmetall bislang kaum eine Rolle.
Dabei hat Polen gemessen am Bruttoinlandsprodukt die höchsten Verteidigungsausgaben in Europa. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei rund 4,2 Prozent. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte zuletzt in Analysten- und Bilanzkonferenzen mehrfach angedeutet, den polnischen Rüstungsmarkt stärker erschließen zu wollen.
Die PGZ kann mithilfe der Zusammenarbeit die Fertigungskapazitäten erhöhen und das Fähigkeitsprofil erweitern. Denn trotz der immensen Rüstungsausgaben ist die polnische Rüstungsindustrie nach wie vor vergleichsweise klein. Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist es der polnischen Regierung nur teilweise gelungen, die Fertigungskapazitäten für Rüstungsgüter bei den staatlichen Unternehmen zu steigern.
PGZ kooperiert mit zahlreichen internationalen Unternehmen
Die polnische Rüstungsindustrie kann aktuell etwa lediglich 30.000 Schuss der Artilleriemunition im Kaliber 155 Millimeter herstellen. 2023 waren es sogar nur 5000 Schuss. Polnische Rüstungsunternehmen wie die PGZ suchen daher verstärkt nach Partnern. Bei der Artilleriemunition hat sich das Unternehmen für Rheinmetalls Konkurrenten BAE Systems entschieden. Bei Kampfpanzern kooperiert PGZ mit dem südkoreanischen Hersteller Hyundai Rotem.
Das polnische Staatsunternehmen lege laut PGZ-Chef Adam Leszkiewicz großen Wert auf die Diversifizierung der internationalen Partner. „Rheinmetall ist ein bewährter Partner und ein wichtiges europäisches Verteidigungsunternehmen. Die Vereinbarung wird den Weg für eine Ausweitung unserer Zusammenarbeit ebnen, um zusätzliche Lösungen einzubeziehen, darunter auch solche, die wir gemeinsam auf externen Märkten anbieten können“, teilt Leszkiewicz mit.
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Panzersparte von Rheinmetall, sieht in der Zusammenarbeit nicht nur die Möglichkeit, die polnischen Produktionskapazitäten zu erweitern. „Wir tragen auch zum Aufbau eines gesamteuropäischen Verteidigungspotenzials, neuer multinationaler Partnerschaften, Redundanz von Fähigkeiten bei“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Erstpublikation: 13.10.2025, 16:04 Uhr.