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RoboterbauerKuka-Chef Till Reuter geht zum Dezember, Finanzvorstand Mohnen übernimmt

Der Vorstandsvorsitzende verlässt überraschend den Roboterbauer. Nach der Übernahme hat sich das Verhältnis zu den Investoren verschlechtert.Axel Höpner 26.11.2018 - 07:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Laut Industriekreisen wäre Reuter grundsätzlich gern geblieben. Er verlasse das Unternehmen „mit Kuka im Herzen“.

Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt

München. Als der chinesische Midea-Konzern mit einer spektakulären Offerte die Robotik-Perle Kuka übernahm, spekulierten manche über die Motive von Till Reuter. Der ehemalige Investmentbanker und Kuka-Chef habe den großen Deal für sich selbst gesucht, unkten sie. Schließlich profitierte er auch persönlich von dem üppigen Gebot – hielt er doch viele Aktien.

Ganz fair war das wohl nicht. Reuter verkaufte nur die Hälfte seiner Anteile und blieb auch nach der Übernahme, die vor gut zwei Jahren vollzogen wurde, engagiert an Bord. „Midea ist für uns ein Riesenbeschleuniger“, schwärmte er im Handelsblatt-Gespräch mit Blick auf den Wachstumsmarkt China. Umso überraschender kam nun die Nachricht vom Abgang des 50-Jährigen. Reuter und der Robotik-Konzern einigten sich auf ein Ende der Vorstandstätigkeit „im Dezember 2018“, wie es hieß. Als Interimslösung an der Spitze wird ab 6. Dezember Finanzvorstand Peter Mohnen übernehmen.

Die Notiz, die Kuka zunächst verschickte, bestand nur aus zwei Sätzen. Aufsichtsratschef Andy Gu und Reuter führten „Gespräche über die vorzeitige Beendigung der Vorstandstätigkeit von Herrn Dr. Reuter“, lautete der entscheidende davon. Weitere Kommentare wollte das Unternehmen nicht abgeben. Der Kuka-Aufsichtsrat wurde indes einberufen. Am Montagmorgen folgte die entsprechende Börsenmitteilung.

Laut Industriekreisen wäre Reuter grundsätzlich gern geblieben. Er verlasse das Unternehmen „mit Kuka im Herzen“, lautet die Einschätzung eines Beobachters. Doch das Vertrauensverhältnis zu den chinesischen Investoren war belastet. Bei den Diskussionen dürfte es auch um die Joint Ventures in China gegangen sein.

Vor wenigen Wochen war bei der Absenkung der Prognose für 2018 etwas kryptisch von „Unwägbarkeiten des chinesischen Automatisierungsmarktes“ die Rede.

Der Einfluss der Chinesen bei Kuka ist groß. Im Aufsichtsrat sitzen bereits Midea-Board-Direktor Gu, Vorstandschef Paul Fang, Personalchefin Françoise Liu sowie der Finanzchef von Goodpack IBC aus Singapur, Alexander Tan. Die Arbeitnehmer beurteilen das Wirken der Chinesen bis heute insgesamt eher wohlwollend. Der Investor sei langfristig orientiert, die Arbeitsplätze wurden bis Ende 2023 garantiert.

Allerdings munkelten sie zuletzt in Augsburg, dass Midea bestehende Strukturen zwar nicht antaste, neue Entwicklungskapazitäten aber eher in China aufgebaut würden. In Industriekreisen hieß es dazu, China sei derzeit nun einmal der spannendste Robotikmarkt. Auch ohne einen chinesischen Großaktionär müsste der Fokus von Kuka dort liegen.

Mit Kuka erreichten die Diskussionen über die Übernahmeoffensive chinesischer Investoren in Deutschland ihren Höhepunkt. Erst mit diesem Präzedenzfall, heißt es in Kreisen der bayerischen Staatsregierung, sei es möglich gewesen, eine Diskussion über eine Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes zu starten.

Inzwischen werden chinesische Übernahmeversuche kritischer gesehen – und auch schon mal gestoppt. Zuletzt scheiterte der Versuch, den Maschinenbauer Leifeld zu kaufen.

Der Abgang Reuters erinnert ein wenig an den Fall Grammer. Das Management des Autozulieferers hatte die Übernahme durch Ningbo Jifeng mit eingefädelt. Doch kaum hatten sich die Chinesen die Grammer-Mehrheit gesichert, machte sich dort die komplette Führung mit einer hohen Abfindung aus dem Staub.

Zur Perle geformt

Zwar ist der Fall mit Reuter nur bedingt vergleichbar – Reuter hatte den Midea-Vorstoß früh begrüßt, blieb aber mehr als zwei Jahre im Amt und wäre grundsätzlich gern noch länger geblieben. Doch müssen sich die Arbeitnehmer in beiden Fällen darauf verlassen, dass die Job- und Standortgarantien auch ohne die Führung eingehalten werden, die sie ausgehandelt hatte. In Industriekreisen wurde betont, dass die Investorenvereinbarung natürlich weiter gelte.

Reuter, der für Morgan Stanley, die Deutsche Bank und Lehman Brothers arbeitete, hatte Kuka erst zu der Perle gemacht, für die die Chinesen mehr als vier Milliarden Euro auf den Tisch legten. Er hatte einst die Führung in der Krise nur kommissarisch übernommen, war Berater des damaligen Großaktionärs Grenzebach. Der Aktienkurs stand damals bei etwa zehn Euro. In der Übernahmephase erreichte er in der Spitze 200 Euro.

Ganz rund lief es zuletzt nicht. Statt mit geplant mehr als 3,5 Milliarden Euro Umsatz rechnet der Konzern 2018 nur noch mit 3,3 Milliarden, was auch an Unsicherheiten in der Autobranche liegt. Das Unternehmen erklärte zudem: „Aus Asien erwartet Kuka ein schwächeres Wachstum als noch zu Jahresbeginn prognostiziert.“

Ausgerechnet der Wachstumsmarkt, den die neuen Partner gemeinsam erobern wollten, schwächelte also. Doch im Krisenmodus war Kuka laut Insidern auch wieder nicht.

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Für Reuter endet eine bewegte Zeit. Am Anfang schlug ihm noch Skepsis entgegen. „Als ich hier 2009 anfing, saß ich am zweiten oder dritten Arbeitstag mit Dutzenden von Bankern zusammen. Aus der Runde kam die Frage: ‚Was will denn der Investmentbanker hier?‘ Das hat mich damals mehr geärgert“, erzählte er einmal.

Doch Reuter zeigte rasch, dass er auch operativ Impulse setzen kann. Als Führungskraft, meint einer aus seinem Umfeld, sei er dabei immer ein anständiger Mensch gewesen.

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