Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stahlindustrie Schweden wollen Teil von Tata Steel kaufen – für Thyssen-Krupp dürfte das zum Problem werden

SSAB will das europäische Herzstück des Tata-Konzerns übernehmen. Das hätte Auswirkungen auf den Bieterprozess für Thyssen-Krupps Stahlsparte.
23.10.2020 - 17:34 Uhr Kommentieren
Um dieses Stahlwerk geht es: SSAB ist nur an dem niederländischen Teil von Tata interessiert, der aus einem integrierten Stahlwerk nahe Amsterdam besteht. Die britischen Aktivitäten würden beim indischen Tata-Konzern verbleiben. Quelle: Reuters
Tata-Stahlwerk in Ijmuiden (Niederlande)

Um dieses Stahlwerk geht es: SSAB ist nur an dem niederländischen Teil von Tata interessiert, der aus einem integrierten Stahlwerk nahe Amsterdam besteht. Die britischen Aktivitäten würden beim indischen Tata-Konzern verbleiben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Düsseldorf Der Bieterwettstreit um die Stahlsparte von Thyssen-Krupp hat eine unerwartete Wendung genommen: Der schwedische SSAB-Konzern hat ernsthaftes Interesse an einer Übernahme der niederländischen Aktivitäten von Tata Steel bekundet, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfahren hat.

Kommt der Deal zustande, dann fallen zwei der zuletzt noch drei Interessenten für das Stahlgeschäft von Thyssen-Krupp weg. Zuvor hatten sich bereits die russische Severstal und Baosteel aus China zurückgezogen, da die Bundesregierung einen Verkauf an Unternehmen aus diesen Ländern blockieren würde.

Die Lage in der europäischen Stahlindustrie ist desolat. Zwar wächst die weltweite Nachfrage nach dem Werkstoff kontinuierlich, in Europa aber sinkt der Absatz. Die meisten Länder benötigen nicht so viel Baustahl wie China oder Indien, da sie ihre Infrastruktur weitgehend aufgerüstet haben. Hinzu kommt, dass immer mehr Auto- und Maschinenhersteller ihre Werke ins außereuropäische Ausland verlagern.

So entstand in den vergangenen Jahren ein enormer Kapazitätsüberhang, der den Wettbewerb unter den Firmen anheizt. Unter dem Strich schreiben alle Hüttenbetreiber im Moment tiefrote Zahlen. Da eine Erholung nicht in Sicht ist, haben die Konzerne Gespräche über eine Konsolidierung aufgenommen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Zentrum der Überlegungen stand dabei bisher Thyssen-Krupp. Vorstandschefin Martina Merz hatte im Frühjahr die Sparte zum Verkauf gestellt. Seitdem verhandelt das Unternehmen intensiv mit Wettbewerbern. Zu den Gesprächspartnern gehört neben SSAB und Tata Steel auch die britische Liberty-Gruppe, die in der vergangenen Woche ein offizielles Angebot für einen Kompletterwerb bei Thyssen-Krupp platziert hat.

    Angesichts des sich anbahnenden Deals zwischen Tata und SSAB könnten nun die beiden übrigen Interessenten ausscheiden. Für SSAB-Chef Martin Lindqvist dürfte die Übernahme Sinn ergeben. Die Schweden sind in ihrer Heimatregion bereits sehr gut aufgestellt, verfügen aber nur über einen limitierten Zugang zu den wichtigen Autoherstellern. Daimler, VW oder BMW zahlen überdurchschnittlich gut für Stahl – und sie nehmen solide größere Mengen ab.

    Auf den ersten Blick wäre zwar ein Einstieg bei Thyssen-Krupp Steel für SSAB ideal gewesen, da der Konzern in Deutschland der Platzhirsch ist. Allerdings produziert Thyssen-Krupp mehr Stahl, als die Werke des Konzerns selbst weiterverarbeiten können. SSAB selbst hat keinen Bedarf. Daher stünde wohl ein größerer Umbau in Duisburg an, wo Thyssen-Krupp europaweit den größten Stahlstandort betreibt.

    Grafik

    Dies dürfte die Wahl von Tata Steel begünstigt haben, hieß es in Branchenkreisen. Die Skandinavier sind indes nur an dem niederländischen Teil von Tata interessiert, der aus einem integrierten Stahlwerk nahe Amsterdam besteht. Die britischen Aktivitäten würden beim indischen Tata-Konzern verbleiben.

    Noch ist offen, ob die Inder auf die Offerte von Lindqvist eingehen werden. In den kommenden Wochen wolle das Management darüber beraten, wie es in der Branche hieß. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Tata den Exit aus dem europäischen Stahlmarkt vollzieht.

    Im Gegensatz zu den indischen Stahlwerken, die wegen des dortigen Baubooms hochprofitabel arbeiten, hat das Unternehmen in Europa nur Geld verloren.

    Da die Inder noch unentschlossen sind, laufen die Gespräche mit Thyssen-Krupp weiter. Sowohl mit Vertretern von SSAB als auch von Tata Steel werde gesprochen, wie es in Unternehmenskreisen von Thyssen-Krupp hieß. Dabei werde vor allem über die Möglichkeiten geredet, wie die jeweiligen Firmen gebündelt werden könnten.

    Liberty und Thyssen-Krupp würden zusammenpassen

    Aus Sicht von Branchenkennern ergeben der von SSAB vorgeschlagene Deal mit Tata und die gleichzeitige Übernahme von Thyssen-Krupp Steel durch Liberty am meisten Sinn. Liberty muss derzeit Stahl zukaufen, um seine Weiterverarbeitungswerke mit dem Material versorgen zu können.

    Der Bedarf liegt bei zwei bis vier Millionen Tonnen pro Jahr, wie es hieß. Die Hütten in Duisburg könnten damit auf einen Schlag deutlich besser ausgelastet und damit rentabler betrieben werden.

    Allerdings sind die Vorbehalte in Deutschland groß. Vertreter der IG Metall fürchten einen Ausverkauf der Stahlsparte. Sie bevorzugen eine Beteiligung des Staates. Ausgeschlossen ist die nicht, da sowohl der Bund als auch das Land Nordrhein-Westfalen im Notfall mit Geld einspringen könnten, wie es in Reihen von Thyssen-Krupp hieß.

    Tata, Liberty und SSAB äußerten sich nicht zu der Konsolidierung. Ein Sprecher des Ruhrkonzerns verwies auf frühere Aussagen, wonach Thyssen-Krupp das Angebot von Liberty prüft und parallel die Gespräche mit potenziellen weiteren Partnern fortsetzt.

    Mehr: Die Optionen für Thyssen-Krupp schwinden.

    Startseite
    Mehr zu: Stahlindustrie - Schweden wollen Teil von Tata Steel kaufen – für Thyssen-Krupp dürfte das zum Problem werden
    0 Kommentare zu "Stahlindustrie : Schweden wollen Teil von Tata Steel kaufen – für Thyssen-Krupp dürfte das zum Problem werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%