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Start-upsDer Mittelstand setzt auf Miet-Roboter

Wegen des Fachkräftemangels erhöht sich der Bedarf an Robotern jetzt auch bei kleineren und mittleren Unternehmen. Dem Anbieter Coboworx gelingt die nächste Finanzierungsrunde. Axel Höpner 05.06.2024 - 14:26 Uhr aktualisiert

München. Bei der Firma Sirl mussten lange Zeit Mitarbeiter die etwa 18 Kilogramm schweren Kartons mit Bierflaschen von Münchener Brauereien umheben und für den Versand ins Ausland palettieren. Mehrere Tonnen am Tag mussten da in jeder Schicht bewegt werden, Mitarbeiter für solche Tätigkeiten sind im Großraum München zunehmend schwer zu finden.

Inzwischen übernehmen diese und andere Aufgaben Roboterzellen von Coboworx – auf einer Fläche von nur sechs Quadratmetern. Bis zu 17 verschiedene Kartonmuster werden in der Anlage genutzt, die Programmierung kann einfach angepasst werden, berichtet Sirl-Logistikexperte Konrad Götz.

Der Bierversender ist keine Ausnahme: Lange hatte die Robotikbranche zwar optimistische Prognosen verkündet, der Durchbruch von Robotern auch bei kleineren und mittleren Unternehmen blieb allerdings lange aus. Doch nun verzeichnen die Anbieter vor allem wegen des Fachkräftemangels eine stark steigende Nachfrage. „Der adressierbare Markt hat ein Multi-Milliarden-Volumen“, sagt Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels. 

Bei kleinen Firmen noch eine Rarität

Denn kleine und mittlere Unternehmen erwirtschafteten zwar 58 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts, sagt Gehrels. „Aber nur sechs Prozent von ihnen haben bereits robotergestützte Automatisierung in ihre Produktionsabläufe eingeführt.“

Das Potenzial haben auch Investoren erkannt, es fließt viel Geld in den Sektor. Coboworx konnte in einer neuen Finanzierungsrunde nach Informationen des Handelsblatts mehr als elf Millionen Euro bei deutschen und internationalen Geldgebern einsammeln.

Das Start-up bietet modulare, einfach zu bedienende Robotik-Lösungen für kleinere Unternehmen an. Die Zellen werden als „As a Service“-Mietmodell vertrieben. Kunden wie Sirl können so erst einmal austesten, ob eine Lösung funktioniert, und müssen keine großen Investitionssummen in die Hand nehmen. 

„In fünf oder zehn Jahren werden die Kunden Produktionskapazitäten kaufen, keine Roboter“, ist Gehrels überzeugt. Eine kleine Zelle koste derzeit ab 1500 Euro Miete im Monat, eine etwas größere Palettierstation beginne bei 2500 Euro. „Das rechnet sich von Tag eins.“

Ohnehin gehe es beim Einsatz eines Roboters oft nicht mehr primär darum, die Kosten zu senken, sagt Susanne Bieller, Generalsekretärin des Robotikverbands IFR. Personal sei oft kaum noch zu finden. Gerade in den USA fehlten oft Arbeitskräfte jeder Art, auch wenn es nur darum gehe, Kisten von A nach B zu heben oder zu tragen. Der IFR hat deshalb den Einsatz von Cobots in ganz neuen Anwendungsbereichen zu einem der Toptrends in diesem Jahr erklärt.

Einfachheit im gesamten Prozess, vom Kauf über die Inbetriebnahme und Nutzung bis hin zur Finanzierung, ist der Schlüssel.
Georg Stockinger, Partner bei SquareOne

Lange Zeit war die Bedienung von kollaborierenden und klassischen Industrierobotern aber komplex, die Integration in die laufenden Prozesse schwierig. Für den Mittelstand brauche man einfache Gesamtlösungen, sagt Georg Stockinger, Partner bei Square One, das bei Coboworx investiert ist. „Einfachheit im gesamten Prozess, vom Kauf über die Inbetriebnahme und Nutzung bis hin zur Finanzierung, ist dabei der Schlüssel.“ 

Sirl installierte die Coboworx-Zelle während eines geplanten zweitägigen Produktionsstillstands. Mit einer App lässt sich der Roboter auf neue Tätigkeiten umstellen. „Die Konfiguration kann der Produktionsleiter am Abend auf dem Sofa erledigen“, sagt Gehrels. Der Vorarbeiter müsse dann mit der Anwendung klarkommen.

Coboworx denke stark in Standards. „Wir wollen eine Art Fischertechnik für die Automatisierung bieten.“ Es geht also um ein Baukastensystem, bei dem standardisierte Teile immer wieder neu zusammengesetzt werden können. 

Noch ist der Markt stark fragmentiert, die Hardware steht im Mittelpunkt. „Viele Anbieter denken an den perfekten Roboter als Komponente“, sagt Gehrels. Doch suche der Mittelständler eine beherrschbare, leicht zu implementierende Automatisierungslösung.

Coboworx-Konkurrent Robco: Investoren steckten Anfang des Jahres 39 Millionen Euro in das Start-up.  Foto: RobCo

In diesem jungen Segment will Coboworx einer der führenden Anbieter  werden. Investoren glauben, dass das klappen kann. Bei der neuen Finanzierungsrunde sind Northstar Family Holdings aus den USA sowie die Bestandsinvestoren Square One und Picus Capital dabei. 

Schon früh weckte das 2019 gegründete Unternehmen bei Investoren Interesse. Die Seed-Finanzierungsrunde hat Alexander Samwers Beteiligungsgesellschaft Picus mit angeführt. Mit dabei waren außerdem Square One und Business-Angels wie Rubin Ritter (Zalando) und Florian Huber (united-domains.de). Coboworx hat bislang eine dreistellige Zahl von Roboterzellen im Feld. Der Umsatz der Firma dürfte sich in diesem Jahr laut Branchenschätzungen auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag verdoppeln.

Auch Konkurrenten finden Geldgeber

Auch Konkurrenten haben den Mittelstand im Visier und setzen auf günstige, modulare Lösungen. So hat zum Beispiel Robco eine Art Lego-Baukasten für Industrieroboter entwickelt. Innerhalb von ein bis zwei Tagen sollen die Roboter betriebsbereit installiert sein und Aufgaben wie das Palettieren oder Pick & Place, also Gegenstände anheben und neu positionieren, übernehmen.

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Auch Robco profitiert davon, dass sich Investoren zunehmend für solche Geschäftsmodelle interessieren. In der bislang größten Finanzierungsrunde steckten der Venture-Capital-Spezialist Lightspeed und weitere internationale Geldgeber Anfang des Jahres 39 Millionen Euro in das Start-up.

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