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TaiwanKonflikt mit Litauen: China setzt Autozulieferer Continental unter Druck

Der Dax-Konzern kann aus seinem Werk in dem baltischen EU-Land nicht mehr nach China exportieren. Auch andere deutsche Zulieferer produzieren dort.Eva Fischer, Roman Tyborski 17.12.2021 - 14:22 Uhr Artikel anhören

Der Dax-Konzern ist laut einem Bericht von der Volksrepublik aufgefordert worden, die Verwendung von in dem EU-Land Litauen hergestellten Bauteilen einzustellen.

Foto: imago images/Schöning

Brüssel, Düsseldorf. Der Konflikt zwischen China und Litauen wegen Taiwan erreicht eine neue Eskalationsstufe. Unternehmen, die in dem baltischen EU-Staat für den chinesischen Markt produzieren, könnten Probleme bekommen, die Güter nach China zu exportieren. Damit geraten auch deutsche Unternehmen in die politische Auseinandersetzung.

Zu spüren bekommt das Continental. Der Dax-Konzern sei von der Volksrepublik aufgefordert worden, keine in Litauen hergestellten Bauteile mehr zu verwenden, hieß es am Freitag in Konzernkreisen. Lieferungen aus der litauischen Fabrik nach China würden nicht mehr erlaubt. Als Erstes hatte die Nachrichtenagentur Reuters darüber berichtet. Der Konzern wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Die Continental-Aktie lag am frühen Nachmittag rund 1,8 Prozent im Minus.

Ausgangspunkt des Konflikts ist Chinas Anspruch auf Taiwan. Die kommunistische Diktatur betrachtet den demokratischen Inselstaat als Teil der Volksrepublik. Die litauische Regierung wiederum hat Taiwan im November ein sogenanntes Verbindungsbüro eröffnen lassen, was de facto einer Botschaft entspricht.

Das chinesische Außenministerium griff Litauen daraufhin für seine Haltung zu Taiwan scharf an. Die diplomatischen Beziehungen zu dem baltischen Staat wurden herabgestuft und die konsularischen Dienste ausgesetzt. Am Donnerstag verließen 20 diplomatische Vertreter Litauens offenbar in einer eiligen Aktion die Volksrepublik. Litauen teilte mit, die Botschaft in China werde vorübergehend aus der Ferne betrieben.

Beliebter Standort für deutsche Zulieferer

Die Region Kaunas in Litauen ist ein beliebter Standort für Autozulieferer. Insgesamt sind dort über 40 Firmen aktiv, darunter Continental oder Hella. Conti hat 2018 den Grundstein für das litauische Werk gelegt. Über fünf Jahre investiert der Zulieferer dort 95 Millionen Euro und will bis zu 1000 Arbeitsplätze schaffen. Gefertigt werden Elektronikbauteile für die Sparte, die sich mit dem vernetzten und automatisierten Fahren beschäftigt. Dazu zählen beispielsweise auch Telematikeinheiten.

Conti zufolge soll das Werk allerdings nicht ausschließlich für den chinesischen Markt produzieren. Daher sei auch nicht mit Produktionseinschränkungen zu rechnen, hieß es in Konzernkreisen. Um weiterhin nach China liefern zu können, würden nun stattdessen die Kapazitäten in andere Werke umgeschichtet.

Die politischen Konflikte verschärfen die für die Zulieferer durch Rohstoff- und Chipengpässe ohnehin angespannte Lage. Letztere Probleme können die Unternehmen selbst lösen. Der Streit mit China hingegen habe einen diplomatischen Ursprung und müsse politisch gelöst werden, heißt es aus Branchenkreisen.

Die Europäische Kommission hat unterdessen Litauen den Rücken gestärkt. „Solche Praktiken sind nicht akzeptabel und müssen rückgängig gemacht werden“, stellte eine Sprecherin am Freitag klar. Man habe bereits China für weitere Informationen kontaktiert und ebenso informell mit der Welthandelsorganisation WTO gesprochen. „Wenn unsere Aufforderungen nicht beachtet werden, werden wir uns offiziell bei der WTO beschweren“, so die Sprecherin weiter. „Chinas Vorgehen könnte seinen Ruf als zuverlässiger Handelspartner gefährden.“

Krisentreffen im Wirtschaftsministerium

Im Berliner Wirtschaftsministerium findet nach Informationen von Reuters zudem kommende Woche ein Treffen statt. Mit Blick auf Continental wächst bei deutschen Unternehmen die Sorge, dass der Konflikt zwischen Litauen und China auch den deutsch-chinesischen Handel beeinträchtigen könnte.

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Das chinesische Außenministerium dementierte, Druck auf multinationale Konzerne ausgeübt zu haben. Chinesische Unternehmen jedoch betrachteten Litauen nicht als vertrauenswürdigen Partner. Durch die Praxis, Taiwan als eigenständiges Land zu betrachten, mische sich das Land in innere Angelegenheiten ein und verletze Chinas Kerninteressen ernsthaft, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums.

Nach Angaben von litauischen Wirtschaftsverbänden blockiert China die Einfuhr von Waren aus dem Land. Der chinesische Zoll führe Litauen nicht mehr in seiner Liste der Ursprungsländer auf, hatte der Präsident des Industrieverbands, Vidmantas Janulevicius, Anfang Dezember beklagt. Daher könnten keine Zollformulare für Ladungen aus Litauen eingereicht werden.

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