1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. Tesla-Gründer Elon Musk: Der Mann für die unmöglichen Ideen

Tesla-Gründer Elon MuskDer Mann für die unmöglichen Ideen

Er mischt den Automarkt auf – und bald auch die Raumfahrt? Tesla-Gründer Elon Musk schickt Raketen ins All. Konkurrenten wie die europäische Arianespace sollten aufpassen: Das Unmögliche reizt den Unternehmer.Axel Postinett 04.12.2013 - 10:04 Uhr Artikel anhören

Elon Musk denkt in großen Dimensionen.

Foto: Imago

San Francisco. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Sternstunde für Elon Musk. Am späten Dienstag um 17.41 Uhr Ostküstenzeit hob die Falcon 9 vom Raumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab, um im nächtlichen Sternenhimmel zu verschwinden. Wenig später über Twitter die erlösende Meldung: Der mitgeführte 3,2 Tonnen schwere Satellit des Luxemburger Betreibers SES ist in seiner geostationären Umlaufbahn geparkt.

„Die erfolgreiche Auslieferung des Satelliten unterstreicht, dass die verbesserte Falcon 9 höchsten Standards der Industrie genügt“, erklärte Musk, Gründer, Vorstandschef und Chefdesigner von Space X. Jetzt ist er seinem Ziel zum Greifen nahe. Er will sich ein großes Stück aus dem Kuchen der kommerziellen Raumfahrt herausschneiden. Seine Gegner sind das europäische Arianespace-Konsortium mit der Ariane 5 und International Launch Service, die vom russischen Baikonur aus ihre Proton-Raketen ins All schießen.

Und sie haben allen Grund, besorgt zu sein. Der 42-jährige gebürtige Südafrikaner bringt seine Projekte mit der beängstigenden Präzision eines Uhrwerks an den Start und beißt sich mit ungeheurer Zähigkeit durch alle Widerstände. 1995 gründete er, nach eigenen Aussagen mit 2000 Dollar auf der Bank, einem Auto und einem Computer, in Palo Alto sein erstes Unternehmen, das er 1999 für über 300 Millionen Dollar verkaufte.

Seine erste Milliarde machte er mit dem Verkauf des von ihm 1998 mitgegründeten Online-Zahlungsdienstes Paypal. Später startete er unter dem mitleidigen Lächeln der Konkurrenz einen Automobilkonzern Kalifornien. Sein Ziel mit Tesla: die Marktführerschaft bei Elektro-Fahrzeugen. Und er hat es erreicht. Tesla stand mehr als einmal vor dem Aus, aber er hat es erreicht.

Musk denkt in großen Dimensionen und ist rastlos, aber kein hemdsärmeliger Draufgänger. „Lieber paranoid als falsch“, twitterte er, nachdem der Raketenstart in der Vorwoche wegen technischer Probleme zweimal abgeblasen worden war. Diesmal durfte es nicht schief gehen.

Der studierte Physiker startete Space Exploration Corporation, kurz Space X, im Jahr 2002, als die Nachbeben des Dotcom-Crashs im Silicon Valley noch zu spüren waren und das Geld der Investoren nicht mehr so locker saß wie zuvor. Doch Dank seiner Verbindungen brachte er die Geldgeber zusammen – er ist Teil der so genannten „Paypal-Mafia“, einer einflussreiche Investorengruppe rund um den früheren Gründerkreis des Start-Ups. Von Hawthorne in Kalifornien aus trieb er dann den Raketenbau voran, bevor er wenige Monate später Tesla gründete.

Musk ist direkt, mit seiner Meinung hält er nicht hinter dem Berg. Als er jüngst von Analysten in einer Telefonkonferenz nach der Konkurrenz durch BMWs Elektroauto i3 gefragt wurde, konnte er es sich nicht verkneifen, in hörbares Gelächter auszubrechen. Als ihr Chef sich sich dann zusammengerissen hatte und mühsam ein paar freundliche Kommentare zum BMW-Stromer herauspresste, war die Heiterkeit auch bei den anderen Anwesenden Tesla-Managern am anderen Ende der Telefonleitung nicht zu überhören.

Die Tesla-Chronik von 2003 bis 2013
Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.
Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.
Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.
Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.
Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.
Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.
Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.
Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern.
Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

Die einen nennen es selbstherrliche Arroganz, die anderen unbändiges Selbstbewusstsein. „Er kann in einem brutalen Maße ehrlich sein, dass du denkst 'Oh mein Gott, das tut weh'“, erzählte seine Schwester Tosca einer Reporterin des Forbes-Magazins. „Dabei will er aber nicht böse sein oder jemanden niedermachen. Und er schätzt auch Offenheit im Gegenzug.“

Für Journalisten ist er eine ständig sprudelnde impulsive Quelle visionärer oder unterhaltsamer Geschichten, er legt sich aber auch mit jedem an. Über Schauspieler George Clooney macht er sich per Twitter lustig (gar keine gute Idee), weil der eine abfällige Bemerkung über seinen Tesla-Roadster macht. Mit der „New York Times“ führte er einen Online-Privatkrieg, nachdem er seinen Tesla S im Test unfair behandelt sah. Die britische Auto-Kultsendung „Top Gear“ handelte sich eine Klage ein, weil sie angeblich eine Szene fingiert habe, in der einem Roadster der Strom ausging. 2013 verlor Tesla die Klage in der Berufung.

Aber egal: viel Feind, viel Ehr'. Eine Eigenschaft, die man dem gut 1,80 Meter großen, sportlichen Mann vom Typ Schwiegermutters Liebling, mit dem allzeit jungenhaften Lächeln, eigentlich gar nicht ansieht. Weggefährten beschreiben es als das im Silicon Valley nicht unübliche Führungsprinzip des „My way or Highway“. Wem es nicht passt, der kann ja gehen.

Vielleicht trug das ja auch dazu bei, dass ihm das Glück privat bislang nicht so hold war wie beruflich. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau 2008, mit der er fünf kleine Söhne hat, folgte eine kurze Ehe mit der britischen Schauspielerin Talulah Riley, bei der schon nach einem Jahr die Scheidungspapiere auf dem Tisch eines Richters in Los Angeles landeten.

Um so mehr Zeit hat Musk, dessen Privatvermögen laut Forbes bei rund 6,8 Milliarden Dollar liegt,  für seine weiteren Träume. Er will eine Verbindung bauen, Hyperloop genannt, bei der die Fahrgäste in einer Art Rohrpost in nur 30 Minuten von San Francisco ins über 500 km entfernte Los Angeles geschossen werden. Es klingt irre. Aber nicht mehr ganz so verrückt, nachdem er seinen ersten Satelliten im All abgesetzt hat. Längst wird er in einem Atemzug mit Unternehmergrößen wie Steve Jobs, Jeff Bezos oder Larry Ellison genannt. Wenn man es jemandem zutraut, dann ihm.

Verwandte Themen
Elon Musk
Tesla
SpaceX
Silicon Valley
PayPal
Larry Ellison

Aufträge über vier Milliarden Dollar sollen bei Space X schon für weitere Starts vorliegen. Und wer weiß, vielleicht geht die Firma bald an die Börse. Das geglückte Manöver am 3. Dezember jedenfalls ist ein Meilenstein für das Unternehmen. Es ist der zweite erfolgreiche Start mit kommerzieller Nutzlast, eine Voraussetzung, um sich für die Auftragsvergabe durch die US-Luftwaffe zu bemühen. Noch einer und er ist da, wo das ganz große Geld winkt.

Bis dahin widmet sich der passionierte Tennisspieler seinen kleinen und großen Hobbys. Erst kürzlich hat er den legendären tauchenden Lotus Esprit aus dem James Bond-Film „Der Spion der mich liebte“ ersteigert. Natürlich kann das Auto nicht wirklich fahren und tauchen. Jedenfalls noch nicht. Mit einem Elektroantrieb von Tesla soll sich das aber ändern. Warum auch nicht? Oder wie Carly Simon es im Titelsong des Films ausdrückte: „Nobody does it better.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt