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Thierry Bolloré

Der designierte Vorstandschef von Jaguar Land Rover soll Großbritanniens größten Autobauer wieder auf die Gewinnspur führen.

(Foto: Armando Babani/EPA-EFE/Shutterstock)

Thierry Bolloré Das sind die Baustellen des neuen Chefs von Jaguar Land Rover

Der scheidende JLR-Chef Ralf Speth hinterlässt seinem Nachfolger einen Sanierungsfall. Thierry Bolloré kann nicht nur die Kosten senken.
31.07.2020 - 16:42 Uhr Kommentieren

London Die Zahlen fielen verheerend aus. In den drei Monaten bis Ende Juni machte Jaguar Land Rover (JLR) einen Vorsteuerverlust von 413 Millionen Pfund. In Großbritannien brach der Absatz um 70 Prozent ein. In China fiel der Rückgang mit 2,5 Prozent nur gering aus, in den USA gab es sogar ein leichtes Plus. Doch unter dem Strich stand weltweit ein Minus von 42 Prozent.

Die Corona-Pandemie hat den größten britischen Autobauer empfindlich getroffen. Ein Werk in England ist immer noch geschlossen, die anderen operieren mit deutlich reduzierter Kapazität. „Die Stärken von Jaguar Land Rover wurden 2020 getestet“, kommentierte Noch-Vorstandschef Ralf Speth am Freitag. „Wir werden diesen Test bestehen und auch in Zukunft erfolgreich sein.“

Der Deutsche hinterlässt seinem designierten Nachfolger Thierry Bolloré einen Sanierungsfall. Ab 10. September muss der frühere Renault-Chef als Vorstandsvorsitzender in der Zentrale im englischen Whitley einiges anders machen.

Bolloré steht vor einer doppelten Herausforderung: Er muss radikal Kosten senken und eine nachhaltige Zukunftsstrategie für beide Marken finden. Speth verschärfte am Freitag das Sparziel schon einmal: Im laufenden Geschäftsjahr bis März 2021 sollen die Kosten nun um sechs statt um fünf Milliarden Pfund gesenkt werden.

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    Das Umfeld macht die Aufgabe nicht leichter: Die Welt steckt in der Corona-Rezession, in Großbritannien kommt am Jahresende der Brexit hinzu. In China könnte der Autobauer obendrein in den eskalierenden politischen Streit zwischen London und Peking um Hongkong gezogen werden.

    Speth hatte den britischen Premiumhersteller seit 2010 auf Masse getrimmt und die Produktion von 300.000 auf zwischenzeitlich 600.000 Fahrzeuge pro Jahr verdoppelt. Mit einer Reihe neuer Jaguar-Modelle wollte der einstige BMW-Manager die deutschen Rivalen Mercedes, BMW und Audi angreifen.

    Seit 2018 geht es bei JLR bergab

    Dann kam der Dieselabschwung, und die alles entscheidende Nachfrage in China brach ein. Seit 2018 geht es bei JLR bergab. Die von großen Dieselschluckern dominierte Modellpalette wirkt zunehmend aus der Zeit gefallen, die Produktionskapazitäten sind aufgebläht. Nur zwei der 14 JLR-Modelle, der „kleine“ Range Rover Evoque und der elektrische Jaguar-SUV i-Pace, konnten ihren Absatz im vergangenen Jahr steigern.

    Die Coronakrise bringt das Unternehmen nun in akute Existenznot. Angeblich verhandelt JLR mit der Regierung über ein Rettungspaket in Milliardenhöhe. Die Firma will dies nicht bestätigen. Die an Staatshilfen geknüpften Umweltauflagen würden den Reformdruck auf den Autobauer noch erhöhen.

    Im abgelaufenen Quartal verzeichnete JLR einen negativen Cashflow von 1,5 Milliarden Pfund. Trotz dieses gewaltigen Abflusses hatte das Unternehmen Ende Juni noch 4,7 Milliarden Pfund an Liquidität zur Verfügung. Speth hofft, dass der Cashflow im aktuellen Quartal wieder positiv ist.

    Doch der Sparzwang bleibt immens. Bolloré könnte zu weiteren Stellenstreichungen gezwungen sein. Seit 2018 wurden bereits 7500 Stellen abgebaut. Bei seinem früheren Arbeitgeber Renault war der Franzose die rechte Hand des Sanierers Carlos Ghosn, bevor er selbst zum Chef aufstieg. Nun kann er zeigen, was er sich bei Ghosn abgeschaut hat.

    In Frankreich gilt der 57-Jährige als ein Mann, der stets im Schatten anderer gestanden hat und noch nicht bewiesen hat, wie viel Substanz er hat. Er war im Oktober 2019 nach nur einem Jahr im Amt plötzlich abgesetzt worden. Er sprach damals von einem „Putsch“. Ein Grund für den Sturz dürfte sein enges Verhältnis zu Ghosn gewesen sein, gegen den wegen des Verdachts der Unterschlagung ermittelt wird.

    Bei JLR muss Bolloré beweisen, dass er eigene Akzente setzen und diese notfalls gegen seinen Vorgänger durchsetzen kann, der im Aufsichtsrat weiter mitreden wird. Kurzfristig kann er die Gewinne maximieren, indem er sich auf die Produktion der profitabelsten Range Rover und Land Rover konzentriert.

    Das ist jedoch keine langfristige Strategie. Bolloré muss ein neues Rezept für die schwächelnde Marke Jaguar finden. Der Umstieg auf alternative Motoren muss forciert werden. Allein stemmen kann JLR das nicht, deshalb arbeitet die Firma mit BMW zusammen. Selbst die deutlich größeren deutschen Premiumanbieter tun sich jedoch schwer damit, den E-Auto-Pionier Tesla einzuholen.

    Über allem schwebt die Frage, wie lange der indische Mutterkonzern Tata sich den Kampf der britischen Tochter noch ansehen wird. Bolloré dürfte wissen, dass er unter Zeitdruck steht.

    Mehr: Thierry Bolloré wird neuer Chef bei Jaguar Land Rover

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