ThyssenKrupp: So soll die Aufsichtsratssitzung gelaufen sein
Berlin, Düsseldorf. Eben noch wollte er nichts sagen, jetzt hört man ihn schreien. Es ist kurz nach 16 Uhr, als Miguel López jegliche Kinderstube vergisst. Der bullige Vorstandschef von Thyssen-Krupp sitzt in seinem Essener Büro und brüllt in die Kamera. So berichteten es mehrere Beteiligte dem Handelsblatt.
Kein Wort habe man verstehen können, sagen Teilnehmer der Aufsichtsratssitzung von Thyssen-Krupp Steel, der Stahlsparte des Ruhrkonzerns, vom 29. August in Duisburg, zu der sich López per Video zuschaltete. Als er kurz Luft holt, habe jemand die Gelegenheit für einen Zwischenruf genutzt: „Was ist das denn für ein Asi?“
Einen Moment lang sei es dann still geworden in der Runde. Im Hintergrund habe man den Dolmetscher von Großaktionär Daniel Kretinsky gehört. Ob ihm wohl auch der Zweifel am Wesen von López übersetzt wurde? Kretinskys Gesicht schien zu fragen: „Wo bin ich hier bloß gelandet?“
Thyssen-Krupp Steel: Vom Wirtschaftswunder zum Sanierungsfall
Es ist eine Frage mit vielen Antworten. Thyssen-Krupp steht für deutsche Wirtschaftsgeschichte. Thyssen wurde 1871 in Mülheim an der Ruhr gegründet. Das Unternehmen trug maßgeblich zum deutschen Wirtschaftswunder bei, eroberte Führungspositionen in der Stahlindustrie, der Autobranche und dem Anlagenbau. 1977 übernahm Thyssen den Konkurrenten Rheinstahl.