Übernahme des US-Saatgutriesen: Russland gibt Bayer grünes Licht für Monsanto-Fusion
Der Bayer-Monsanto-Deal ermöglicht die Nutzung neuer Techniken.
Foto: picture alliance/dpaMoskau. Die Megafusion zwischen Bayer und Monsanto rückt näher: 49 Milliarden Euro kostet die Leverkusener die Übernahme des amerikanischen Saatgutriesen – und jede Menge Nerven in den Verhandlungen. Seit 2016 ziehen sich die Gespräche mit den verschiedenen Kartellbehörden hin. In dieser Woche konnte sich Bayer zumindest mit dem russischen Kartellamt FAS über die Bedingungen einer Zustimmung Moskaus einigen.
Die Zustimmung Russlands ist notwendig, da beide Konzerne in Russland bereits tätig sind. In den Gesprächen hatte die FAS immer wieder betont, dass eine Fusion zu einer marktbeherrschenden Stellung für Bayer auf dem russischen Markt für Saatgut und digitale Landwirtschaft führen werde.
Die Behörde stellte daher massive Forderungen: So sollte Bayer den Russen unter anderem Datenbanken mit Forschungen zur Pflanzenzucht in ähnlichen klimatischen Regionen wie Kanada und der Ukraine zur Verfügung stellen. Angesichts der stetigen Sanktionsdrohungen, die über allen Geschäften mit Russland schweben, ein durchaus brisanter Deal für den Bayer-Konzern, der deshalb sogar vor Gericht zog.
Zwischenzeitlich schienen sich die Fronten in den Verhandlungen so verhärtet zu haben, dass FAS-Direktor Igor Artemjew einen Verzicht Bayers auf den russischen Markt als Möglichkeit in den Raum stellte. Bei Bayer wurden diese Gedankenspiele allerdings postwendend dementiert. Der russische Markt ist für den Pharmariesen durchaus bedeutend: 2017 erzielte das Unternehmen hier nämlich Erlöse von gut 800 Millionen Euro.
Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Russland verzichtet auf die Datenbanken, bekommt aber trotzdem einen massiven Technologietransfer zur Entwicklung der eigenen Landwirtschaft: Bayer stellt Gewebeproben und Genmaterial für die Selektion von Gurken und Tomaten, Kohl, Mais, Raps und Weizen zur Verfügung.
In allen Bereichen, außer beim Weizen, sei Russland bisher stark vom Import dieses Saatguts abhängig, und das neu fusionierte Unternehmen sei auf dem Gebiet führend, betonte die Leiterin der Landwirtschaftskontrolle in der FAS, Anna Mirotschinenko, diese Forderung.
Laut dem Russlandchef von Bayer, Niels Hessmann, erhält Moskau zusätzlich „Zugang zu Technologien der digitalen Landwirtschaft“. „Heute sind viele Traktoren und Mähdrescher mit Sensoren ausgestattet, die Informationen über den Zustand von Saatgut und Erde sammeln. Basierend auf diesen Daten ist es möglich, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln genau zu planen“, verdeutlicht Hessmann mögliche Anwendungsgebiete. Die FAS hatte auf Übergabe dieser Technologien bestanden, damit auch russische Agrarbetriebe künftig IT-Lösungen für verbesserte Anbauergebnisse einsetzen können.
Für Russland ist der Transfer wichtig, da die Forschung im Agrarsektor seit dem Ende der Sowjetunion faktisch zum Erliegen gekommen ist. Aus dem staatlichen Wissenschaftshaushalt wurden zuletzt nur noch 1,6 Prozent für landwirtschaftliche Zwecke ausgegeben.
Zudem soll Bayer beim Aufbau eines Forschungs- und Lehrinstituts helfen. Das Institut könnte im Bereich Biotechnologie einen wichtigen Impuls geben. Bis zu 1000 russische Spezialisten sollen dort weiterqualifiziert werden.
Bayer hofft nach diesem Durchbruch, die Fusion im zweiten Quartal 2018 vollziehen zu können. Auch in den Gesprächen mit anderen Kartellbehörden ist der Dax-Konzern auf der Zielgeraden. Die EU-Kommission hatte im März den Deal unter der Auflage durchgewinkt, dass Bayer Teile des Saatgutgeschäfts an den Konkurrenten BASF verkauft. Ähnliche Bedingungen hat auch das US-Justizministerium gestellt.