Glyphosat: US-Anwälte erhöhen Druck auf Bayer
Bayer-Stammwerk in Leverkusen: Der Konzern hat mit der Übernahme von Monsanto zahlreiche Rechtsstreitigkeiten geerbt.
Foto: IMAGO/Panama PicturesDüsseldorf, New York. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer muss in den USA mit einer wachsenden Zahl neuer Klagen wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup rechnen. Nach den jüngsten Erfolgen in Gerichtsprozessen haben Kanzleien das Marketing zum Einwerben neuer Klagen kräftig verstärkt. Das zeigen Daten des US-Marktforschers X Ante, die dem Handelsblatt vorliegen.
„Wir sehen ein hohes Maß an Fernsehwerbung für Klagen wegen Roundup“, sagt Rustin Silverstein, Gründer des auf Rechtsmarketing spezialisierten Unternehmens. Im Oktober wurde von Kanzleien im US-Fernsehen für keinen anderen Fall mehr geworben als für Glyphosat, ermittelte X Ante. Geschätzt 777.000 Dollar gaben sie für 4000 Fernsehspots aus.
Die Klägeranwälte wollen damit den Druck auf Bayer in der juristischen Auseinandersetzung um mögliche Gesundheitsschäden des Unkrautvernichters erhöhen. Ihr Ziel ist es, mit dem Konzern schnelle außergerichtliche Vergleiche zu deutlich höheren Summen abzuschließen.
Angetrieben wird dies durch die von Klägern zuletzt gewonnenen Prozesse gegen Bayer. Sie machen den Umgang mit Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich. Bis zum Spätsommer hatte der Leverkusener Konzern vor Gericht gute Karten und konnte neunmal in Folge einen Freispruch erwirken. Doch in den letzten vier Verfahren setzten sich die Kläger durch.