US-Industriekonzern: General Electric will sich in drei Unternehmen aufspalten – Anleger reagieren euphorisch
Aufspaltung geplant: Ähnliche Wege waren vor einiger Zeit bereits die Konkurrenten Philips und vor allem Siemens gegangen.
Foto: ReutersNew York. Drei Jahre nach seinem Antritt an der Spitze des US-Industrieriesen General Electric (GE) sucht Lawrence Culp den Befreiungsschlag. Der Siemens-Rivale mit seinen 174.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 75 Milliarden Dollar werde sich in drei börsennotierte Unternehmen aufteilen, kündigte GE am Dienstag an.
Die Sparten GE Renewable Energy, GE Power und GE Digital würden zusammen als Einheit ausgegliedert, GE Healthcare als eine weitere. Die Luftfahrtsparte soll als dritte Einheit ausgegründet werden. „Heute ist ein entscheidender Moment für GE, und wir sind bereit“, sagte Culp.
Dabei bleibe das Unternehmen darauf konzentriert „die Schulden weiter zu senken, unsere operative Performance zu verbessern und das Kapital strategisch so einzusetzen, um nachhaltiges, profitables Wachstum zu generieren.“
Bei den Anlegern kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie schnellte vor Börsenstart zwischenzeitlich um 15 Prozent in die Höhe und ging mit einem Plus von sechs Prozent in den Handel in New York.
Der Aktienkurs des Konzerns hat sich in den vergangenen Jahren deutlich schlechter als der Markt entwickelt. Mit der Aufspaltung in Gesundheit, Energie und Luftfahrt will Culp den Investoren nun mehr Wert bieten: „Indem wir jeden dieser Bereiche als unabhängiges Unternehmen führen, können wir deren volles Potenzial ausschöpfen“, sagte Culp am Dienstag.
„Durch die Schaffung von drei branchenführenden, globalen Aktiengesellschaften können alle von einer stärkeren Fokussierung, einer maßgeschneiderten Kapitalausstattung und strategischen Flexibilität profitieren, um langfristiges Wachstum und Wert für Kunden, Investoren und Mitarbeiter zu schaffen“, erklärte Culp.
Culp wird Luftfahrtsparte führen
Die Luftfahrtsparte als übrig bleibendes Hauptunternehmen soll von Culp selbst geleitet werden. Der GE-Manager Scott Strazik soll das kombinierte Geschäft für erneuerbare Energien, Strom und Digitales leiten, Peter Arduini das Gesundheitsgeschäft.
Mit Erlösen von 33 Milliarden Dollar war die Energiesparte im vergangenen Jahr der umsatzstärkste Bereich des Konzerns. Das Segment Luftfahrt erzielte insgesamt 22 Milliarden Umsatz, die Gesundheitssparte 17 Milliarden Dollar.
Culp war im Oktober 2018 als erster externer Manager an der Spitze von GE angetreten, um die taumelnde Industrieikone zu retten. Der für seinen zupackenden Arbeitsstil bekannte Manager hatte zunächst den Mischkonzern Danaher groß gemacht, bevor er die Mammutaufgabe bei GE übernahm.
Die Ikone der US-Industrie, die auf die Gründung durch den Erfinder Thomas Edison zurückgeht, war vor allem infolge der zweifelhaften Expansion der vergangenen Jahre in Schwierigkeiten geraten. Die Vorstandschefs Jack Welsh und Jeffrey Immelt hatten in die verschiedensten Bereiche von Fernsehen bis zu Finanzen investiert und den Konzern damit stark verschuldet. Culps Vorgänger John Flannery war an seiner Aufgabe gescheitert und musste seinen Posten bereits nach einem Jahr räumen.
Gleich zu Beginn hat Culp getan, was niemand vor ihm gewagt hatte: Er senkte die Dividende auf fast null, um mehr finanziellen Freiraum für sein Großreinemachen zu schaffen. Seitdem ist auch noch die Coronapandemie hinzugekommen, sodass der 58-Jährige den ohnehin schon angeschlagenen Konzern mitten in einer weltweiten Krise neu aufstellen musste, die vor allem dem Luftfahrtbereich stark zu schaffen macht.
In seinen drei Jahren an der Spitze hat Culp den Konzern bereits stark verändert. Culp hat sich aus mehreren Bereichen zurückgezogen, um damit die hohen Schulden zu senken: Unter anderem trennte er sich von der Biopharmasparte und der Mehrheit am Öl- und Gasausrüster Baker Hughes. Außerdem stieß er die Produktion von Glühbirnen ab, mit denen General Electric vor fast 130 Jahren begonnen hatte.
In der vergangenen Woche schloss er die Zusammenlegung der Flugzeugleasingsparte Gecas mit der des irischen Konkurrenten Aercap ab. Bis zum Ende dieses Jahres will GE die Schulden im Vergleich zu 2018 um 75 Milliarden auf 65 Milliarden Dollar gesenkt haben.
Mit der kompletten Aufspaltung kommt nun der große Wurf, auf den viele Investoren offensichtlich gewartet haben. Die Gesundheitssparte soll zu Beginn 2023 abgespalten werden, die Energiesparte soll Anfang 2024 folgen.
Dass das Digitalgeschäft bei Energie und erneuerbaren Energien landet, begründet Culp damit, dass die Sparte schon heute vor allem im Bereich der Stromnetze aktiv ist. „Das ist eine einfache, natürliche Entscheidung, es dort anzusiedeln“, sagte Culp in einer Konferenz mit Analysten. Das Digitalgeschäft macht mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz und ist bisher bei der Zentrale angesiedelt.
Analysten loben die Aufspaltung
Bei den Analysten kommt der neue Kurs gut an: „Der Schritt bringt zwar Kosten mit sich, aber die Gewandtheit von drei fokussierten Unternehmen wird voraussichtlich als Möglichkeit gesehen werden, die die eventuellen Kosten mehr als wettmachen kann“, schreibt der Wells-Fargo-Analyst Joseph O’Dea am Dienstag.
Lob bekam Culp auch vom Hedgefonds Trian des aktivistischen Investors Nelson Peltz. Der ist seit Jahren in GE investiert und fordert schon lange eine Aufspaltung des Konglomerats. „Wir salutieren GE-CEO Larry Culp und dem Streben seines Teams, den langfristigen Wert für die Aktionäre zu erhöhen“, erklärte Trian.
In allen Sparten soll sich GE noch stärker als Service-Anbieter positionieren. Das gilt für Windturbinen ebenso wie für die medizinischen Geräte oder Flugzeugturbinen. Culp zeigte sich zuversichtlich, dass vor allem in der Luftfahrtsparte der Servicebereich schon in den kommenden Monaten wieder mehr zum Umsatz beiträgt: „Viele Maschinen müssen bald zur Inspektion“ sagte er.
Auch Finanzchefin Carolina Dybeck Happe stellte fest, dass sich das kommerzielle Luftfahrtgeschäft derzeit wieder erholt. „Dort kann GE noch viel beim Service verdienen“, ist auch sie überzeugt.