USA: Festnahmen in Hyundai-Werk – Koreaner zweifeln an US-Engagement
Tokio. „Behandelt man so einen Verbündeten?“, fragte die linksgerichtete südkoreanische Zeitung „Hankyoreh“ am Montag entrüstet. Experten diskutierten am Wochenende offen, ob Südkoreas Konzerne nun ihre hohen US-Investitionen kappen sollten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung bereits ein Wochenende voller Krisensitzungen mit den USA hinter sich.
Weil koreanische Konzerne vor Ort nicht genügend Fachkräfte für den Bau der komplexen Fabriken finden, haben sie Hunderte von Arbeitern in die USA geschickt. Das rächte sich am Donnerstag. In ihrer bisher größten Razzia durchsuchte die amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) ein Batteriewerk des Unternehmens LG Energy Solution und des Autokonzerns Hyundai Motor im US-Staat Georgia.
Das Ergebnis: Fast 500 Mitarbeiter wurden verhaftet, die meisten von ihnen Südkoreaner. Die US-Behörde sprach von „ungesetzlichen Anstellungspraktiken“. Die Agenten hätten festgestellt, dass viele der Festgenommenen ihre Besuchervisa „in betrügerischer Absicht“ genutzt hätten, um auf der Baustelle zu arbeiten.
Auf ihrer Website erklärte die Behörde: „Personen mit Kurzzeit- oder Freizeitvisa sind nicht berechtigt, in den USA zu arbeiten.“
Aus koreanischer Sicht ist das jedoch ein ungerechtfertigter Angriff auf Projekte, mit denen die Konzerne doch eigentlich Trump helfen wollen. Im Rahmen südkoreanisch-amerikanischer Kooperationen unter US-Präsident Joe Biden hatten Hyundai Motor und LG Energy im Jahr 2023 ein Joint Venture zur Herstellung von Batteriezellen für Elektroautos im Wert von 4,3 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Das Werk soll Batterien für Modelle der Marken Hyundai, Kia und Genesis liefern.
Weitere Werke für 150 Milliarden Dollar
Mehr noch: Die Fabrik ist Teil der 12,6 Milliarden Dollar schweren Investition von Hyundai in seine amerikanische Automobilproduktion in Georgia. Und Hyundai ist nicht allein. So investiert beispielsweise Samsung Electronics in große Chipwerke.
Im Rahmen des Zolldeals mit US-Präsident Donald Trump haben südkoreanische Konzerne weitere Werke im Wert von 150 Milliarden Dollar angekündigt – zusätzlich zu den bereits versprochenen 350 Milliarden Dollar. Ein neuer Schwerpunkt ist dabei der Wiederaufbau der stark geschrumpften US-Schiffsindustrie. „MASGA“ (Macht amerikanischen Schiffbau wieder großartig) lautet der Slogan in Anlehnung an Trumps „MAGA“ (Make America great again).
Die US-Regierung will daher, dass die Ausländer vor allem Amerikaner beschäftigen. Doch schon jetzt stößt der Plan auf ein Problem, wie Beteiligte der südkoreanischen Zeitung „Chosun Ilbo“ erklärten. In den USA qualifiziertes Personal für den Bau und die Inbetriebnahme der Fabriken zu finden, sei „so schwierig, wie Sterne vom Himmel zu pflücken“, soll ein Beteiligter erklärt haben.
Wenn man nur Amerikaner einstelle, sei es unmöglich, die Baufrist einzuhalten. Sie müssten daher eigene Arbeiter entsenden, doch die US-Regierung gibt keine passenden Visa heraus. Dieses Dilemma führte nun zu der Visakrise.
Warum die Koreaner in die Visafalle liefen
Dies ist zum Teil ein koreanisches Problem. Mit einigen anderen Ländern haben die USA spezielle Visa-Abkommen für Fachkräfte vereinbart. Auch Korea drängt seit Jahren auf ein ähnliches System. Im Juli wurde ein neuer Gesetzentwurf eingebracht, der die Einführung eines E-4-Visums für bis zu 15.000 koreanische Staatsangehörige pro Jahr zur Beschäftigung in Spezialberufen vorsieht.
Bis der Entwurf Gesetz wird, müssen die Konzerne entweder seltene Spezialistenvisa oder sogenannte B-1-Visa für Trainer und Installateure von Maschinen ergattern. Dieses Visum, das offenbar viele der Inhaftierten besaßen, berechtigt jedoch nicht zur Teilnahme an Bauarbeiten, auch Lohnzahlungen in den USA sind damit nicht möglich.
Nun ist in Südkorea der Erklärungsbedarf groß, warum Trump ausgerechnet beim größten Industrieprojekt Georgias zuschlug – Kim Dong-suk, der Präsident der Korean American Grassroots Conference, gab in einem Interview mit der „Korea Economic Daily“ Wahlkampftaktik als Grund an.
„Die verschärfte Einwanderungspolitik der Regierung Donald Trump ist der wichtigste Faktor, um den Sieg bei den Zwischenwahlen des Unterhauses im nächsten Jahr zu sichern“, zitiert ihn das Medium. Trump wolle damit seine Basis mobilisieren.
Kim vermutet, dass Georgia in den Fokus gerückt ist, weil es ein umkämpfter Schlüsselstaat im Ringen zwischen Demokraten und Trumps Republikanern ist. Das mag Trump in den USA nutzen. Aber in Südkorea verbreiten sich die Zweifel, ob die Konzerne sich wegen gesetzlicher Risiken dort überhaupt noch stärker engagieren sollten.