Gastbeitrag: Newton plus Kepler – So lautet die Erfolgsformel für Künstliche Intelligenz
Volkmar Denner ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Er hat über Quantenphysik promoviert.
Foto: HandelsblattDer Weg in Europas Zukunft führt über Jahrhunderte zurück. Überraschenderweise bringt uns die Reflexion der Geschichte nicht nur politisch und kulturell, sondern auch technisch voran. Wer sich nur auf die Gegenwart fixiert, kann derzeit leicht verzagen.
Nicht erst seit Corona gehört zum Bild von Europa die Legende von der Unterlegenheit des „alten Kontinents“. Der sei zu langsam, heißt es. Gut genug, um einen Impfstoff zu erfinden, aber nicht agil genug, um ihn so schnell wie andere zu verteilen.
Die Suggestion des eigenen Mankos wird besonders deutlich, wenn es um neue Technologien wie die Künstliche Intelligenz (KI) geht. Da trauen wir dem Silicon Valley fast jede Innovation zu – und bangen gleichzeitig um Europas digitale Souveränität.
Es ist zwar richtig, dass Europa technologisch nicht abhängig werden darf, also zum Beispiel eigene Datenplattformen benötigt. Aber Souveränität ohne Selbstbewusstsein ist nicht möglich. Wenn es um KI geht, sollte sich die europäische Industrie nicht zuletzt auf die Synthese von Newton und Kepler besinnen.