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SportanalyseStart-up Kinexon ist auf dem Weg zur Milliardenbewertung

Bei Kinexon sitzen bereits namenhafte Investoren an Bord. Jetzt geht der Entwickler eines Sportanalysetools eine Kooperation mit Softwareriese SAP ein.Axel Höpner 08.10.2018 - 09:37 Uhr Artikel anhören

Trotz des Einsatzes modernster Analysetechniken ist Nationalmannschaft bei der WM schon in der Vorrunde rausgeflogen.

Foto: imago/Moritz Müller

München. Am Ende hängt vieles doch noch am Menschen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in diesem Sommer hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) modernste Analysetechnologien eingesetzt. Diese sollten helfen, wie schon beim Titelgewinn 2014, sich auf die Gegner vorzubereiten und das eigene Spiel zu optimieren. Geholfen hat die ganze Technik dieses Mal nicht – das deutsche Team flog bereits in der Vorrunde raus.

Den Siegeszug der Sportanalysetools aber wird dieser Dämpfer nicht aufhalten. „Der Markt erwacht gerade erst“, sagt Oliver Trinchera, Mitgründer und Geschäftsführer von Kinexon, einem der wichtigsten Player auf dem Markt. Medienberichterstatter, Trainer und Athleten gieren nach immer mehr Daten auf dem Weg zum gläsernen Sport.

Kinexon profitiert davon in Form von dreistelligen Wachstumsraten. Momentan erzielt das Unternehmen einen hohen einstelligen Millionenumsatz. Das Start-up hat namhafte Investoren an Bord und gilt als Kandidat für eine Milliardenbewertung. Einen Schub soll eine Kooperation mit dem Softwareriesen SAP bringen, die nach Informationen des Handelsblatts in dieser Woche verkündet werden soll. Das integrierte Produkt basierend auf Technologien beider Firmen soll zuerst bei einem Fußball-Bundesligisten eingesetzt werden.

Weiteres Potenzial sieht Kinexon vor allem in Anwendungen in der Industrie. Der Markt ist zwar nicht so öffentlichkeitswirksam wie Chips im Fußball. Dafür hat er aber ein noch größeres Potenzial.

Kinexon hat ein System aus Sensoren und Analysesoftware entwickelt, das in Echtzeit zentimetergenau Position und Bewegung von Sportlern – oder Maschinen und Menschen in der Fabrik – bestimmt und analysiert. Die Sportteams tragen Sensoren zum Beispiel in speziellen Shirts, die auch in Innenräumen per Funk die Daten übermitteln können. In der amerikanischen Basketball-Liga NBA ist Kinexon mit etwa 50 Prozent Marktanteil führend.

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Zu den Kunden gehören zum Beispiel die Houston Rockets und San Antonio Spurs. Viele Mannschaften nutzen die Technologie für das Training. Auch in Bälle wurden die Chips schon integriert. Zu den Kunden in Deutschland gehören unter anderem der VfB Stuttgart und der FC Ingolstadt.

Gründer halten weiterhin die Mehrheit an Kinexon

Die hohen Wachstumsraten in einem attraktiven Markt haben Kinexon für Investoren interessant gemacht. Die Gründer halten weiter die Mehrheit. Doch im Beirat sitzen als Mitgesellschafter unter anderem auch Ex-Siemens-Chefkontrolleur Gerhard Cromme, Ex-Opel-Chef Carl-Peter Forster und David Blitzer, Mitinhaber mehrerer Sportvereine und Managing Director beim Finanzinvestor Blackstone. Laut Informationen aus Industriekreisen wurde Kinexon jüngst bei einer kleineren Finanzierungsrunde mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet. „Wir sehen das Potenzial für eine Milliardenbewertung“, sagt Trinchera.

Das liegt auch daran, dass Kinexon enormes Potenzial für die Technologie in der Industrie sieht. Dies ist bereits heute das größere Standbein. Schließlich sollen im Internet der Dinge und in der Industrie 4.0 Objekte aller Art in Produktion und Logistik vernetzt sein und autonom interagieren. „Dazu muss man wissen, wo und in welchem Zustand sich die Dinge und Menschen genau befinden“, sagt Trinchera.

Kinexon bietet der Industrie zum einen Sensornetzwerke und Analyse-Applikationen an. Damit kann zum Beispiel bestimmt werden, wo sich ein Gabelstapler befindet, und es können Drohnen und fahrerlose Transportfahrzeuge gesteuert werden.

Daneben hat das Unternehmen eine Internet-der-Dinge-Plattform entwickelt, in die externe Daten über Schnittstellen in Echtzeit integriert werden können. „Durch den Echtzeit-Ansatz sind wir immer einen Schritt voraus“, sagt Trinchera. Man könne zum Beispiel einschreiten, wenn sich Fehler abzeichnen, aber noch nicht passiert sind. „Die Echtzeit-Fähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für die Optimierung und Automatisierung von Prozessen in der Produktion und Logistik.“

Mit einem großen Autokonzern hat Kinexon ein Projekt gestartet, mit dessen Hilfe die Fließgeschwindigkeit der Bänder spürbar erhöht werden konnte. Auch mit dem Onlinehändler Zalando gibt es eine Kooperation. Und: „Der Industriebereich ist der größte potenzielle Markt für uns mit einem Milliardenvolumen“, ist Trinchera überzeugt.

Die Geschäftsidee war ihm und Mitgründer Alexander Hüttenbrink 2012 bei einem Besuch der Allianz Arena gekommen. Vor allem die Fernsehsender waren damals an zusätzlichen Daten interessiert. Doch die Erhebung war aufwendig. Mehrere Kameras filmten das Spielgeschehen.

Um zum Beispiel zu ermitteln, wie viele Kilometer ein Spieler gelaufen ist, mussten Mitarbeiter die Sportler im Fernsehbild markieren. „Die Art der Erhebung war teuer, personalintensiv, träge und fehleranfällig, da viel händisch gearbeitet wurde“, sagt Trinchera. Ziel sei es gewesen, präzise Daten automatisiert in Echtzeit zu erheben. „Es ist faszinierend, was man mit den Daten alles machen kann.“

Die Konkurrenz ist groß

Die Zahl der Anbieter auf dem Markt ist groß. Ex-Fußballprofi Stefan Reinartz zum Beispiel hat mit Impect verschiedene Fußball-Bundesliga-Vereine als Kunden. Die niederländische Beyond Sports hat sich auf Virtual-Reality-Technologien konzentriert, die Münchener Simi Soccer liefert mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras Daten über Bewegungs- und Spielabläufe. Dienstleister wie das britische Unternehmen Opta Sports erheben weltweit Spiel- und Spielerdaten und stellen sie – gegen Bezahlung – zur Verfügung.

Einer der größten Konzerne auf dem Gebiet ist SAP. Das Softwareunternehmen ist seit fünf Jahren Partner der Nationalmannschaft. Bei der WM in Russland nutzte der DFB Analyse-Instrumente von SAP. So reicherte ein „Video Cockpit“ Spielszenen mit Daten zu Taktik und Zweikampfverhalten an. „Bei der deutschen Nationalmannschaft haben wir eine unglaubliche Datenmenge, die wir verarbeiten und am besten in Echtzeit an die Trainer, die Spieler und auch die Analysten weitergeben müssen“, sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff bei der Vorstellung.

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Die SAP-Software kann zum Beispiel alle Situationen suchen, in denen eine Mannschaft nach dem Ballverlust direkt den Gegner unter Druck setzt. Die Trainer können solche Szenen gezielt durchgehen, um Schwachstellen zu entdecken. „Das System kann die zeitintensive Vorbereitung reduzieren“, sagte Fadi Naoum, der bei SAP den Bereich Sport und Unterhaltung leitet. Weltweit nutzten 45 Teams die SAP-Software.

Nun also planen Kinexon und SAP eine Kooperation. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal dann ja auch mit der Weltmeisterschaft.

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