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Streit um Tiktok Bytedance-Gründer Zhang Yiming: Vom Nerd zum Spielball der Großmächte

Der Bytedance-Gründer baute das Start-up in acht Jahren zum milliardenschweren Konzern auf. Nun hat es US-Präsident Donald Trump auf das Unternehmen abgesehen.
05.08.2020 - 14:15 Uhr Kommentieren
Der Tiktok-Chef bekommt es derzeit mit US-Präsident Donald Trump zu tun. Quelle: Bloomberg
Zhang Yiming

Der Tiktok-Chef bekommt es derzeit mit US-Präsident Donald Trump zu tun.

(Foto: Bloomberg)

Peking Es ist nicht das erste Mal, dass Zhang Yiming mit seinem Unternehmen Gegenwind von ganz oben bekommt. Nur kam der bislang von der Regierung seines chinesischen Heimatlandes – und nicht vom US-Präsidenten persönlich.

Der 37-jährige Gründer von Bytedance, der Konzernmutter der außerhalb von China immer beliebteren Video-App Tiktok, findet sich derzeit mitten im Streit der Regierungen zweier Großmächte wieder. Wenn Zhang das US-Geschäft von Tiktok nicht verkauft, will US-Präsident Donald Trump den Dienst in den USA auf Grundlage von Sicherheitsbedenken verbieten. Die App, so Washington, gibt angeblich Nutzerdaten an die chinesische Regierung weiter. China wiederum wirft den USA „pures Mobbing“ vor.

Und mittendrin steht Zhangs Unternehmen. In gerade einmal acht Jahren hat er Bytedance vom kleinen Start-up zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit 60.000 Mitarbeitern und einem geschätzten Marktwert von 110 Milliarden US-Dollar (94 Milliarden Euro) aufgebaut.

Das wichtigste Produkt ist Douyin, eine in China sehr beliebte Video-App. Das Pendant für den Markt außerhalb der Volksrepublik heißt Tiktok und hat allein in den USA laut Bytedance-Angaben 100 Millionen aktive Nutzer.

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    Zhang trägt gerne den in der Start-up-Szene beliebten Kapuzenpulli, wenn er sich in der Öffentlichkeit zeigt. Auch sonst wirkt er mit seiner randlosen Brille und seinem praktischen Kurzhaarschnitt eher unscheinbar. Zhang könnte man als typischen Nerd leicht unterschätzen.

    Anfänge in Tianjin

    Ein Investor sagte in einem Interview einmal, dass er es bedauere, nicht in Toutiao, einen Nachrichtendienst, mit dem Zhang Bytedance startete, investiert zu haben. Investoren würden normalerweise Gründer bevorzugen, die stark aussehen. Zurückhaltende, höfliche Unternehmer wie Zhang würden eher übersehen.

    Den Grundstein für seine Karriere hatte Zhang in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin gelegt, wo er Software Engineering studierte. Wie er selbst sagt, hat er dort auch seine heutige Ehefrau kennen gelernt, weil er in seiner Studienzeit Computer für Kommilitonen repariert hat. Zhangs Frau war eine seiner Kundinnen.

    „Ich habe hauptsächlich drei Dinge getan“, sagte Zhang in einer Rede bei einem Alumni-Meeting über seine Zeit als Student. „Erstens habe ich Codes geschrieben, weil ich ein Technikmensch bin. Zweitens habe ich gelesen, ich las viele Bücher. Drittens habe ich Computer repariert. Dadurch habe ich drei Dinge erworben: Geduld, Wissen, Freunde.“

    Bevor Zhang im Jahr 2012 Bytedance gründete, hatte er bereits bei erfolgreichen Start-ups wie der Reiseseite Kuxun, die später von Tripadvisor übernommen wurde, Erfahrungen gesammelt. Im Jahr 2009 machte die strenge chinesische Zensur Zhang das erste Mal einen Strich durch die Rechnung. Als er für den chinesischen Twitter-Klon Fanfou arbeitete, musste der wegen Zensurvorgaben der chinesischen Regierung schließen.

    Zensoren werden 2018 aufmerksam

    Zhang gründete im selben Jahr sein eigenes Unternehmen: 99fang, ein Portal für Immobilieninserate. Doch es zog ihn bald wieder zum Geschäft mit Nachrichten. Als er 2012 99fang verließ und Bytedance gründete, startete er die Nachrichtenseite Toutiao. Der Dienst gewann schnell an Bedeutung, brachte aber auch die Zensoren auf den Plan.

    Anfang 2018 forderten die chinesischen Behörden Zhang auf, keine neuen Nutzerkonten mehr bei Toutiao anzunehmen, bestehende Konten zu überprüfen und die Gesamtzahl der Inhalte auf ein Niveau zu senken, das Bytedances Überprüfungsfähigkeit, also der Kapazität, Beiträge auf regierungskritische Inhalte zu kontrollieren, entspreche. Zhang folgte den Anweisungen.

    Toutiao löschte mehr als 10.000 Videos und mehr als 4000 Nutzerkonten. Dennoch verschwand die Nachrichten-App wenige Tage später von den App-Stores, kurz danach wurde auch der Witze-Dienst von Bytedance, Neihan Duanzi, entfernt.

    Zhang Yiming entschuldigte sich schriftlich bei den chinesischen Behörden, um weiteren Schaden abzuwenden. Bytedance werde Neihan Duanzi dauerhaft schließen, hieß es darin. Der Dienst habe Inhalte enthalten, „die mit den Grundwerten des Sozialismus unvereinbar waren“. Für die übrigen Dienste versprach Zhang, Tausende neue Zensoren einzustellen.

    Nun sind es nicht die chinesischen Behörden, sondern einige chinesische Bürger, die Bytedance in China gefährlich werden könnten. Weil Bytedance sich zum Verkauf des US-Geschäfts von Tiktok bereit zeigte, kritisierten Nutzer in den chinesischen sozialen Medien das Unternehmen scharf.

    Auch Zhang Yiming selbst wurde persönlich angegriffen. Manche Kommentatoren kramten alte Social-Media-Beiträge von ihm hervor, in denen er sich kritisch zu China und positiv zu den USA geäußert hatte, und warfen ihm vor, zu proamerikanisch zu sein.

    Mehr: Die USA und China ringen im Streit um Tiktok um digitale Dominanz.

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