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Künstliche IntelligenzChinesische KI-Start-ups fliehen nach Singapur

Nach der Übernahme des abgewanderten KI-Start-ups Manus durch Meta droht ein Konflikt mit den Behörden in Peking. Das Gezerre könnte für chinesische KI-Gründer zum Präzedenzfall werden.Mathias Peer 16.01.2026 - 12:54 Uhr Artikel anhören
Skyline von Singapur: Foto: picture alliance / robertharding

Bangkok. Einen der größten Erfolge in der Welt der chinesischen KI-Start-ups erzielte Unternehmensgründer Xiao Hong mit einer umstrittenen Entscheidung: Er verließ China. Im Juni vergangenen Jahres verlegte er den Hauptsitz seines Unternehmens Manus von der Volksrepublik in den südostasiatischen Stadtstaat Singapur.

Nur ein halbes Jahr später gelang ihm einer der bislang aufsehenerregendsten KI-Deals eines chinesischen Start-ups mit einem westlichen Technologiekonzern: Das Facebook-Mutterunternehmen Meta kündigte Ende Dezember an, das Unternehmen zu kaufen – Medienberichten zufolge für 2,5 Milliarden US-Dollar.

Xiaos Strategie ging damit auf – zumindest vorerst: Er wählte den Standort Singapur bewusst, um sich leichteren Zugang zu westlichem Kapital und westlichen Kunden zu sichern. Beobachter sind sich einig, dass ein ähnliches Geschäft mit einem US-Tech-Riesen deutlich schwieriger oder gar unmöglich gewesen wäre, hätte er Manus weiterhin aus seinen Büros in Wuhan und Peking betrieben. Zu groß ist das gegenseitige Misstrauen von China und den USA beim Erwerb von KI-Technik durch das jeweils andere Land.

Doch nun zeigt sich: Die Regierung in Peking will die Flucht nach Singapur, für die sich zuvor bereits eine Reihe anderer chinesischer Start-ups entschieden hatte, nicht mehr ohne Weiteres hinnehmen.

Obwohl sich Manus inzwischen nicht mehr als chinesisches Unternehmen betrachtet, erklärt sich das chinesische Handelsministerium für das Geschäft mit Meta zuständig und hat eine Untersuchung der Übernahme angekündigt. Das Gezerre um Manus könnte damit zum Präzedenzfall werden – und es chinesischen Tech-Unternehmen künftig noch schwerer machen, den geopolitischen Spannungen zu entkommen.

Prominente Vorbilder für Abwanderung nach Singapur

Manus, das im März vergangenen Jahres einen leistungsstarken KI-Agenten vorstellte und damit international Aufmerksamkeit erregte, folgte mit seinem Umzug nach Singapur prominenten Vorbildern: Bytedance entschied sich bereits vor Jahren, die Hauptsitze für seine Video-App Tiktok außerhalb Chinas anzusiedeln – und wählte dafür 2021 neben Los Angeles auch Singapur.

Das Land punktet damit, dass es als politisch neutrale Brücke zwischen China und dem Westen gilt. Ein Jahr nach Tiktok verlegte auch der E-Commerce-Anbieter Shein seinen Sitz von China in den Stadtstaat – damals in der Hoffnung, dadurch einen Börsengang im Westen leichter umsetzen zu können.

Dem folgten mehrere chinesische KI-Firmen, die Singapur auch als Chance sehen, an Hochleistungschips zu kommen, deren Export nach China untersagt ist. Zu ihnen gehört der Rechenzentrenbetreiber DayOne – ein Ableger, den der chinesische Mutterkonzern in Singapur gründete.

Zahlungsbereitschaft internationaler Kunden deutlich höher als in China

Auch ChemLex – ein in Shanghai gegründetes Unternehmen, das KI für Entwicklungen für die Pharmaindustrie nutzt – verlegte sein globales Hauptquartier kürzlich nach Singapur. Gründer Sen Lin sprach von einem „perfekten Standort für das nächste Kapitel“ seines Unternehmens.

Auch Manus-Gründer Xiao sah die Abkehr von China als Schlüssel für das Wachstum seines Unternehmens, das für das Jahr 2025 hochgerechnete Umsätze von 125 Millionen Dollar meldete. Internationale Nutzer hätten eine fünfmal so hohe Zahlungsbereitschaft für Software wie chinesische Nutzer, sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview.

Und dass er sich für einen der Märkte – den chinesischen oder den internationalen – entscheiden müsse, schien ihm früh klar gewesen zu sein: Investitionsangebote chinesischer Regionalbehörden lehnte er laut einem Bericht des „Wall Street Journals“ („WSJ“) ab, um das internationale Geschäft nicht zu gefährden.

Unternehmensgründer Xiao Hong: Singapur als Firmensitz statt China. Foto: PR

Stattdessen sammelte Manus 75 Millionen Dollar in einer Finanzierungsrunde ein, die von dem US-Risikokapitalgeber Benchmark angeführt wurde. Der Deal löste Berichten zufolge eine Untersuchung des US-Finanzministeriums aus wegen des Verdachts, er verstoße gegen Regeln, die KI-Investments in China beschränken. Nach dem Umzug des Unternehmens nach Singapur verschwanden die US-Bedenken laut „WSJ“ weitgehend.

Dagegen werden nun aber die Behörden in Peking vorstellig. Das Handelsministerium teilte mit, es werde untersuchen, ob die Manus-Übernahme durch Meta mit den chinesischen Exportkontrollvorschriften vereinbar sei. Im Vordergrund steht dabei Beobachtern zufolge primär die Frage, ob die ursprüngliche Geschäftsverlagerung von China nach Singapur regelkonform war – oder einen Verstoß gegen die Kontrolle des Exports kritischer Technologien darstellte.

Die Regierung in Peking befürchtet, weitere chinesische Start-up-Gründer könnten versuchen, das Vorgehen von Manus nachzuahmen.
Linghao Bao
Analyst bei der Beratungsfirma Trivium

Zwar hat Manus keine neue Grundlagentechnologie entwickelt, sondern in erster Linie bestehende Modelle etwa des US-Unternehmens Anthropic angewandt. Die chinesische Regierung sieht in der Abwanderung nach Singapur dennoch einen Grund zur Sorge. „Die Regierung in Peking befürchtet, weitere chinesische Start-up-Gründer könnten versuchen, das Vorgehen von Manus nachzuahmen“, kommentiert Linghao Bao, Analyst bei der Beratungsfirma Trivium.

„Sollte die Verlagerung ins Ausland unter chinesischen Start-ups zum Trend werden, sorgt sich Peking wahrscheinlich, dass eine umfassende Abwanderung von KI-Talenten und ein Verlust an Dynamik im Ökosystem folgen könnten.“

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Sollte China den Umzug seiner Start-ups künftig erschweren oder gar untersagen, würde das auch ihr präferiertes Ziel Singapur schwer treffen. Gründer aus der Volksrepublik gehören zu den wichtigsten Antreibern der Tech-Szene in der Finanzmetropole – und prägen mitunter auch das Stadtbild. Manus hat sich dort in den vergangenen Monaten einen Namen gemacht, indem es große Teile des U-Bahn-Systems mit seinen Reklamehinweisen übersäte.

Chinas KI-Start-ups von den internationalen Märkten abzuschneiden, birgt aber auch ein Risiko für die Volksrepublik. Denn damit droht für die Firmen auch der Zugang zu westlichem Kapital zu verschwinden. Die Geldquellen in China selbst reichen laut dem früheren Google-Chef Eric Schmidt oftmals nicht aus. Er warnte im Dezember, dass Finanzierungsengpässe Chinas KI-Fortschritt verlangsamen könnten, da einige Start-ups „nicht an das Geld kommen“, um in dem Wettlauf mitzuhalten.

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