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Aldi-Anwalt Emil HuberDer Kampf der grauen Eminenz

Theo Albrecht, Sohn des Aldi-Nord-Gründers, hat sich im Streit mit seiner Schwägerin Babette vor Gericht endgültig durchgesetzt. Doch die entscheidende Rolle dabei spielte sein engster Vertrauter im Hintergrund.Florian Kolf 10.12.2017 - 17:04 Uhr Artikel anhören

Der Aldi-Familienanwalt wurde vom rein juristischen Berater zum engsten Vertrauten des Aldi-Erben Theo Albrecht.

Foto: picture alliance / Markus Scholz

Düsseldorf. Den Moment des größten Erfolgs genoss Emil Huber mit stiller Genugtuung. Nur sein verschmitztes Lächeln verriet, wie erleichtert er war, als die Richterin Birgit Voß-Güntge am Oberverwaltungsgericht Schleswig die Klage der Erben von Berthold Albrecht abschmetterte. Und seine erste Stellungnahme galt dem Unternehmen Aldi Nord: „Das ist ein wichtiger Tag für das Unternehmen. Die Labilität weicht einer Stabilität.“

Dabei ist der Sieg am vergangenen Donnerstag auch ein ganz persönlicher Triumph für Huber. Seit 43 Jahren arbeitet der Anwalt für Aldi Nord, zunächst als externer Berater für den Gründer Theo Albrecht. Aber über die Jahre wurde er immer mehr zum persönlichen Vertrauten, auch für die beiden Söhne Theo jun. und Berthold. Es gibt wohl kaum jemanden außerhalb des innersten Familienkreises, der so eng mit der Erfolgsgeschichte von Aldi Nord verknüpft ist. Es ist in gewisser Weise auch sein Lebenswerk.

Deshalb hat der 73-Jährige den Kampf um die Macht in den Stiftungen zu seiner persönlichen Sache gemacht. Mit aller Kraft und juristischer Finesse wollte die rechte Hand von Theo jun. verhindern, dass sich die Erben von Berthold Albrecht letztlich auch gegen den erklärten Willen ihres Vaters in den Vorstand der Jakobus-Stiftung einklagen und so Einfluss auf die Geschäftspolitik von Aldi Nord nehmen – und hat sich schließlich durchgesetzt.

Frust von der Seele

Theo Albrecht jun. selbst hat sich im ganzen Streit meist im Hintergrund gehalten. Der bescheiden und zurückgezogen lebende Patriarch scheut öffentliche Auftritte, es existiert nur ein einziges vor Jahren von einem Paparazzo geschossenes Foto von ihm. Nur einmal hat der 67-Jährige eine Ausnahme von seiner Zurückhaltung gemacht: In einem Interview mit dem Handelsblatt teilte er heftig aus gegen seine Schwägerin Babette, redete sich seinen ganzen Frust von der Seele.

Dabei war Theo äußerlich ruhig; höflich und freundlich empfing er den Besucher in einem Konferenzraum neben seinem Büro. Doch innerlich kochte es in ihm. Er schimpfte über die aus seiner Sicht „peinlichen Auftritte“ von Babette Albrecht, bezeichnete sie als Belastung für das Unternehmen und als „Angreiferin“. Ein besonderer Dorn im Auge war ihm, dass sich Babette und ihre fünf Kinder jedes Jahr Ausschüttungen aus der Stiftung von mindestens 25 Millionen Euro genehmigten.

Der Unternehmenserbe verlässt vor der Firmenzentrale seinen Wagen.

Foto: manager magazin

Die Witwe von Berthold verkörpert all das, was Theo zuwider ist. Sie ist lebenslustig, zeigt sich gern in der Öffentlichkeit, hat einen Hang zum Luxus – der Gegenentwurf zum gelebten Aldi-Prinzip von Theo und seiner Mutter Cilly. Als Berthold krank im Sanatorium in der Schweiz lag, ist Theo, um ihm eine Freude zu machen, persönlich zu Aldi gegangen, hat ein paar Weingummis gekauft und sie seinem Bruder geschickt.

Dieses Aldi-Prinzip hat auch Emil Huber über die Jahrzehnte verinnerlicht. Und als energischer Macher ist er die perfekte Ergänzung zu Theo jun. und Berthold. „Mille“, wie ihn die Brüder liebevoll nennen, legt die rechtlichen Grundlagen für die europaweite Expansion des Discounters. In einem Gruß zum 70. Geburtstag bescheinigt ihm Theo jun., zum „Inventar“ des Aldi-Systems zu gehören.

Das ist nicht übertrieben: Bei der Expansion in neue europäische Märkte erarbeitet Huber vor Ort die Verträge, er kämpft um Genehmigungen für Neubauten, streitet sich mit Gewerkschaftern, entwickelt das Führungsmodell für den Discounter. Auch die Satzungen der drei Familienstiftungen, in denen das Vermögen des Unternehmens liegt, tragen seine Handschrift. Schon deshalb war es klar, dass ihm bei dem Kampf um die Macht in den Stiftungen eine zentrale Rolle zufallen würde.

Wand an Wand

Die neue Auseinandersetzung hat Theo Albrecht jun. und seine rechte Hand Huber noch enger zusammengebracht. Jahrzehntelang arbeitete Huber von seiner Kanzlei „Schmidt, von der Osten & Huber“ aus für den Discounter, praktisch als externe Rechtsabteilung des Handelsimperiums. Doch während des Streits mit Babette und ihren Kindern verlässt er die Kanzlei und wechselt ganz zu Aldi Nord. Sein Büro hat er Wand an Wand mit Theo jun. im obersten Stock der Aldi-Zentrale in Essen-Kray.
Wie eng die Verbindung auch zu Berthold Albrecht war, zeigt, dass ihn der Gründersohn sogar als Testamentsvollstrecker eingesetzt hatte. Offenbar traute Berthold seinen Kindern damals nicht zu, mit dem Vermögen verantwortungsvoll umzugehen. Huber sollte zusammen mit dem Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger den Nachlass so lange verwalten, bis das jüngste der Kinder das 38. Lebensjahr vollendet hat.

Ironischerweise war genau diese Regelung einer der Auslöser und Brandbeschleuniger für die Familienfehde. Denn die Kinder fühlten sich dadurch nicht nur provoziert, für sie war Huber der verlängerte Arm von Onkel Theo – und von dem wollten sie sich nun gar nicht bevormunden lassen. Es kam zum Eklat. Babette und die Kinder nahmen sich den Anwalt Andreas Urban, ebenfalls ein alter Bekannter der Familie. In der Folge wurden Urban und Huber zu direkten Gegenspielern vor Gericht.

Alle Register gezogen

In den Verhandlungen zogen sie alle Register, trieben einen immensen Aufwand, ließen Gutachten von Koryphäen des Stiftungs- und Familienrechts erarbeiten. Schließlich ging es in dem Verfahren nicht nur um den Milliardennachlass von Berthold, der in der Jakobus-Stiftung liegt, sondern auch um den Einfluss im Unternehmen. Die Kernfrage war: War eine noch von Berthold initiierte Satzungsänderung wirksam, die seine eigene Familie weitgehend entmachtete und Unternehmensvertretern die Mehrheit in der Jakobus-Stiftung sicherte? Das war von zentraler Bedeutung, denn der familienbeherrschte Stiftungsvorstand hätte strategische Unternehmensentscheidungen und wichtige Investitionen blockieren können.

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Im Handelsblatt-Interview sagte Theo jun. im vergangenen Jahr: „Mein Vertrauen in die Gerichtsbarkeit ist ungebrochen.“ Aber genauso groß war sein Vertrauen in seine langjährige rechte Hand Emil Huber. Der „Mille“ würde das schon regeln. Und er hat sich nicht getäuscht.

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