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Christian GreinerDas Comeback der Wöhrls

Der Enkel des Firmengründers rettet die insolvente Modefirma Wöhrl. Es ist ein teures Unterfangen: Die Digitalisierung hat das Unternehmen verschlafen, ein zweistelliger Millionenbetrag muss nun investiert werden.Diana Fröhlich und Georg Weishaupt 31.01.2017 - 18:06 Uhr Artikel anhören

Das Münchener Kaufhaus Ludwig Beck reicht ihm nicht.

Foto: picture alliance / SZ Photo

Düsseldorf. Es ist wahrlich keine einfache Situation: Das traditionsreiche Familienunternehmen ist insolvent. Um überhaupt von einer Rettung sprechen zu können, müssen dringend neue Geldgeber her. Dazu kommt, dass sich die Familie Wöhrl viel zu selten einig ist, Streitereien prägten die vergangenen Jahre. Die verbliebenen rund 2 000 Mitarbeiter in den 34 Filialen der Nürnberger Modekette sind gerade wahrlich nicht zu beneiden.

An diesem Dienstag nun war eine Gläubigerversammlung anberaumt, um endlich über die Zukunft des Unternehmens zu beraten. Und vor allem darüber zu entscheiden, wer hier künftig das Sagen hat: Externe Investoren wie die Familie Röther (Modepark Röther) und der Modedienstleister Katag aus Bielefeld hatten durchaus ernsthaftes Interesse bekundet. Doch am Ende bleibt Wöhrl in der Familie.

Auch wenn Christian Greiner, der letztendlich den Zuschlag erhalten hat, nicht auf den traditionsreichen Namen hört, spielte er schon immer eine wichtige Rolle bei den Wöhrls. Der Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl und Sohn des Luftfahrtunternehmers Hans Rudolf Wöhrl (Deutsche BA, LTU) galt lange Zeit als Nachfolger an der Spitze des Familienbetriebs. Doch dazu kam es nie, 2007 stieg er aus. Trotzdem kennt Greiner, der den Namen seiner Mutter trägt, weil die Eltern nicht verheiratet waren, das Familienunternehmen bestens.

Er jobbte schon als Jugendlicher hinter dem Verkaufstresen, später entwickelte er mit Ambitionen einen innovativen Konzeptladen im Nürnberger Stammhaus, in dem Wöhrl junge Mode verkauft – in Kombination mit einem Café, einem DJ und einem Friseur. Für den Job war er in die Heimat zurückgekehrt – Greiner studierte einst in Boston Musik- und Business-‧Management. Heute leitet der 38-Jährige erfolgreich das Münchener Modehaus Ludwig Beck, das Wormland übernommen hat und zum Einflussbereich seines Vaters gehört.

Es sind vor allem die Unstimmigkeiten der zweiten Generation, der Brüder Gerhard und Hans Rudolf, die die Geschichte der 1933 gegründeten bayerischen Firma prägen. Bis 2011 waren sie noch Gesellschafter. Dann verkaufte Hans Rudolf seine 30 Prozent an den Bruder. Es war eine gütliche Einigung, die Gerhards Sohn Olivier Wöhrl helfen sollte, endlich für Harmonie zu sorgen.

Doch auch er hatte keinen Erfolg. Im Geschäftsjahr bis Ende Juli 2016 ist der Verlust noch höher ausgefallen als im Jahr zuvor. Damals stand am Schluss ein Minus von einer Million Euro. Der Jahresumsatz sank in den vergangenen zwei Jahren von 331 auf 300 Millionen Euro.

Der Cousin von Christian Greiner gab im Zuge der Insolvenz erst den Vorstandsvorsitz ab, dann seinen Posten als Strategievorstand. Im September 2016 hatte sich die Wöhrl AG mit 45 Millionen Euro Schulden und defizitärem Geschäft unter den Schutzschirm des Insolvenzrechts geschleppt. Vor ein paar Wochen bestätigte Olivier Wöhrl dem Handelsblatt, dass er als Investor wieder ins Unternehmen einsteigen will.

Nun ist klar, dass Christian Greiner – und nicht Olivier Wöhrl – das Vertrauen ausgesprochen wurde. Zu einer vormals angedachten „stammesübergreifenden“ Lösung ist es nach Angaben eines Unternehmenssprechers nicht gekommen. Wenn alle Formalitäten geklärt sind, will der neue Eigentümer am 1. März starten. Das ist das Ziel.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Nur so viel: Die Befriedigungsquote für alle Gläubiger soll bei zehn bis 20 Prozent liegen. Andreas Mach, seit September 2016 Vorstandsvorsitzender, soll zudem im Amt bleiben. Und weil er weiß, wie schwer der Weg ist, der vor ihm liegt, ließ Greiner noch ausrichten: „Ich kann mir gut vorstellen, diesen zusammen mit geeigneten Co-Investoren zu gehen, und bin für Gespräche offen.“

Und was sagt die Konkurrenz? Diejenigen, die am Dienstag nicht zum Zug gekommen sind? „Es ist gut, dass der mittelständische Textilfilialist erhalten bleibt“, meint Daniel Terberger, Vorstandschef des Modedienstleisters Katag. Seit ein paar Wochen bereits lief der Übernahmepoker zwischen den möglichen Investoren. Christian Greiner war es, der am Ende wohl bereit war, das finanzielle Angebot zu erhöhen. Auch mit Hilfe von Darlehen seines Vaters. Das soll ihnen die Rettung der Familienehre wert gewesen sein.

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Doch auf den neuen Eigentümer wartet eine Menge Arbeit. Bei Wöhrl gibt es einen Investitionsstau, ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag muss investiert werden, das Modeunternehmen hat die Digitalisierung verschlafen und wird im mittleren Preissegment von vielen Seiten angegriffen, beispielsweise von Zara und H&M. Was schon klar ist: Es sollen bis auf die angekündigten vier keine weiteren Filialen geschlossen werden.

Für den Fall, dass Greiner mal Rat braucht, steht ihm im Übrigen nicht nur Vater Hans Rudolf parat. Dessen Frau Dagmar Wöhrl, einstige „Miss Germany“ und Stiefmutter von Christian Greiner, sitzt in der Jury der neuen Staffel der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Die 62-jährige CSU-Politikerin hat sich dazu entschieden, lieber in fremde Unternehmen zu investieren als in das der Familie. Doch Rat muss ja nicht immer teuer sein.

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