Digitalberatung: Bearing Point macht erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz
Düsseldorf. Die Management- und Technologieberatung Bearing Point war lange Zeit nur wenigen Insidern bekannt. Das hat sich in den vergangenen Jahren unter der Führung von Kiumars Hamidian geändert, und es zeigt sich in den Zahlen: Im Jahr 2023 machte die Partnerschaft erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr.
„Das ist ein Meilenstein“, kommentiert Kiumars Hamidian, der globale Managing Partner von Bearing Point, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Beratung mit weltweit rund 6000 Mitarbeitenden setzt auf digitale Transformation und Effizienzsteigerungen und will auch 2024 über dem Branchendurchschnitt wachsen. „Wir planen ein zweistelliges organisches Umsatzwachstum und weitere strategische Fusionen und Übernahmen“, erklärt Hamidian, der die Beratung seit 2018 aus der Düsseldorfer Niederlassung führt.
Investiert werden soll in die Bereiche Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit. Zudem soll das Cybersecurity-Team weiter gestärkt werden. Erst im Oktober waren 25 neue Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY dazugekommen. Die neuen Partner Gerrit Aufderheide und Roland Ehlies leiten nun das globale Team, bestehend aus weltweit über 100 Cyber-Experten.
Deutschland ist der größte Markt
Für Branchenexperten wie Jörg Hossenfelder vom Marktanalysten Lünendonk ist klar: „Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für Strategie- und Transformationsberater sind derzeit sehr gut.“ Bereits im Jahr 2022 hätte es in diesem Segment ein überdurchschnittliches Wachstum gegeben, auch aufgrund der hohen Nachfrage nach digitalen Transformationsprojekten. Ferner gäbe es krisensicheres Geschäft mit der öffentlichen Hand.
Deutschland ist dabei für Bearing Point seit Langem der größte Markt. 2023 machte die Gesellschaft hierzulande 463 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte knapp 1900 Mitarbeitende. Unter der Ägide von Regionalchefin Iris Grewe wuchs die Beratung hierzulande eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr sogar um 20 Prozent. Die Berater arbeiteten unter anderem für 32 der 40 Dax-Unternehmen sowie für zwölf Bundesministerien.
Die geschäftsführende Partnerin ist auch für 2024 zuversichtlich: „Wir sind mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins Jahr gestartet.“ Da derzeit in vielen Unternehmen ein erhöhter Kostendruck bestehe, würden viele Effizienzprojekte angefragt. Dabei gehe es vor allem um Digitalisierung und Automatisierung bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das seien genau die Themen, auf die Bearing Point spezialisiert sei.
Die Partnerschaft, deren Holding in Amsterdam sitzt, übertrifft damit größenmäßig die führende deutsche Managementberatung: Roland Berger wächst seit zwei Jahren zwar auch wieder zweistellig, ist profitabel und strebt auch die Milliarden-Euro-Umsatz-Marke an, konnte deren Erreichen aber noch nicht verkünden.
Seit der Fusion der deutschen IT-Beratung Q_Perior und der französischen Wavestone zu Ende 2023 ist Bearing Point aber ein europäischer Wettbewerber von ähnlicher Größe erwachsen. Es ist zudem ein Konkurrent, der wie die französische Capgemini und der amerikanische Beratungsriese Accenture börsennotiert ist.
Allerdings gibt es für Kiumars Hamidian und Iris Grewe kaum wirkliche Rivalen im Markt. Mit vielen Wettbewerbern wie den Beraterteams der vier international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PwC kooperiere man. „Wir haben da wenig Berührungsängste und sind pragmatisch“, sagt Grewe. Vielleicht sei das ja auch eines der Erfolgsgeheimnisse ihrer Beratung.