Great Place to Work 2025: Das sind Deutschlands beste Arbeitgeber des Jahres
Köln. Ein Notebook, ein Solarpad und ein Satellitenlink. Mit dieser Ausstattung für mobile Arbeit löst QAware ein Versprechen an Mitarbeitende ein. Denn die Beschäftigten des Münchener IT-Dienstleisters sollen ihre Arbeit überall erledigen können: an einem der vier Firmenstandorte in Deutschland, im Homeoffice oder auch unterwegs – selbst an entlegenen Orten. Die Ausstattung hilft weiter, wo Strom und Internet fehlen. Denn das Solarpad versorgt das Notebook mit Energie, und der Satellitenlink ersetzt das WLAN.
Bei Beschäftigten kommt die Ausrüstung für den Einsatz im offenen Feld gut an. Etwa einmal im Monat werde sie genutzt, sagt Marketingleiterin Nicole Lontzek. Zuletzt, als ein Mitarbeiter in Island weilte. QAware gehe es dabei nicht nur um Komfort. „Als Technologiepionier leben wir von Innovationen und die wollen wir fördern“, sagt Lontzek. „Verbesserungen der Arbeitsplatzkultur wie zum Beispiel unsere mobile Arbeitsplatzausstattung zahlen darauf ein.“
Solches Denken hat QAware beim Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ einen Platz auf dem Siegertreppchen beschert. Die Münchener gewannen in der Kategorie der Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Für das Ranking wurden Beschäftigte in knapp 1100 Unternehmen zu Themen wie Unternehmenskultur, Führung oder Förderung befragt.
Der Gedanke, eine vorbildliche Arbeitsplatzkultur als Keimzelle für Fortschritt zu schaffen, treibt längst nicht nur QAware an. „Unternehmen haben in den letzten Jahren erkannt, dass erfolgreiche Innovationen keine Frage des Beitrags von Fachabteilungen oder Expertengruppen sind, sondern alle im Unternehmen jederzeit beitragen können und müssen“, sagt Frank Hauser, Geschäftsführer beim Beratungsinstitut Great Place to Work, das die Studie erstellt hat. „Dazu braucht es eine Kultur von Eigenverantwortung und Flexibilität einerseits sowie Vertrauen und Teamgeist andererseits.“
Auch QAware beschwört den Teamgeist. Einmal pro Jahr lädt das Unternehmen alle Beschäftigten samt deren Familien zu einem gemeinsamen Wochenende ein. „Das schweißt zusammen“, sagt Lontzek. Zudem können ganze Teams auf Workation gehen, also Arbeit mit Entspannung an einem reizvollen Ort koppeln.
Und viermal pro Jahr können alle Beschäftigten die Geschäftsführung unmittelbar befragen. „Gerade wenn sich der Markt wandelt und dadurch strategische Veränderungen im Raum stehen, haben Mitarbeiter Gesprächsbedarf etwa zu ihrer Zukunft. Mancher fragt dann ganz direkt, wie das Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren wird“, sagt Lontzek. „So schaffen wir Transparenz und eine Vertrauensbasis, die wir für eine innovative Arbeitsplatzkultur benötigen.“
Deutschland: Signal gegen die Skepsis
Eigeninitiative von Unternehmen zur Förderung der Innovationsfähigkeit erscheint aktuell umso wichtiger, da sich das allgemeine Innovationsklima in Deutschland zuletzt stark eingetrübt hat. So finden nur zwölf Prozent der Befragten einer aktuellen Studie der Marktforscher von Statista und des Magazins „Capital“, das Umfeld für Innovationen habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verbessert. Im Vorjahr waren es noch 17 Prozent.
Die Initiative ergreift auch Siemens Healthineers. Der Anbieter von Medizintechnik und Gesundheitsdienstleistungen gewinnt in der Kategorie von Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten. Vor knapp zwei Jahren hat das Unternehmen in Erlangen das Innovation Center ins Leben gerufen und will über die eigenen Firmengrenzen hinaus Impulse geben.
Im Innovation Center entwickeln Siemens-Produktmanager, Forschende und Partnerunternehmen zusammen Lösungen für das Gesundheitswesen. So entstand etwa gemeinsam mit Ärzten und Kindern eine App, die jungen Patienten die Angst vor dem lauten Klopfen bei der Untersuchung durch ein MRT-Gerät nehmen soll.
Chancen für junge Leute
Nicht nur in der IT- und Hightech-Branche lassen sich Beispiele für eine ausgeprägte Arbeitsplatzkultur finden. Das beweisen die St. Gereon Seniorendienste im niederrheinischen Hückelhoven, Gewinner bei Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten. „Azubis sind unser Steckenpferd“, sagt HR-Leiterin Manuela Garbrecht. Das Unternehmen wirbt mit der Aussage: „Wer einen Ausbildungsplatz möchte, bekommt auch einen.“ Einzige Voraussetzungen: mindestens 16 Jahre, Zeugnis zehnte Klasse, keine Vorstrafen.
Von den 485 Beschäftigten sind 125 Auszubildende. „Wir stellen junge Menschen ein, von denen einige erst durch uns erstmals im Leben Wertschätzung erfahren. Manche mögen zu Beginn der Ausbildung Probleme etwa mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit haben. Aber sobald sie merken, dass sie für jemanden wichtig sind, also für die Betreuungsperson und auch für das Unternehmen, gelingt die Arbeit“, sagt Garbrecht. „Sie spüren, dass sich jemand um sie kümmert.“
Die Abbrecherquoten entsprächen denen von Unternehmen, die am Beginn der Ausbildung höhere Hürden setzten.
Das Unternehmen unterstützt seine Azubis bei Bedarf zudem mit Förderungen wie zum Beispiel mit Sprachkursen oder aber individuell. „Bei einem jungen Mann drohte die Ausbildung zu scheitern, weil er sich die Reparatur seines Autos nicht leisten konnte. Wir haben mit einem Kredit ausgeholfen, den er über seinen Lohn abgestottert hat.“
Erstpublikation: 24.03.2025, 10:07 Uhr.