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Kühne + Nagel Detlef Trefzgers erster Rückschlag nach sieben Jahren an der K+N-Spitze

Der Chef von Kühne + Nagel muss erstmals in seiner Amtszeit Umsatzrückgänge verkünden. Doch der Logistikkonzern bleibt trotz Coronakrise gut aufgestellt.
21.07.2020 - 18:07 Uhr Kommentieren
Der CEO von Kühne + Nagel muss schlechte Zahlen verkünden – allerdings fallen diese am Ende besser aus, als von Analysten befürchtet. Quelle: Bloomberg
Detlef Trefzger

Der CEO von Kühne + Nagel muss schlechte Zahlen verkünden – allerdings fallen diese am Ende besser aus, als von Analysten befürchtet.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Seit seinem Amtsantritt an der Spitze des Schweizer Speditionskonzerns Kühne + Nagel (K+N) ist es für den gebürtigen Düsseldorfer Detlef Trefzger stets vorangegangen. Jahr für Jahr gelang es dem ersten familienfremden Vorstandschef des 1890 gegründete Traditionsunternehmens, beim Ergebnis stets zuzulegen – sehr zur Freude seines Mehrheitsaktionärs, des 83-jährigen Wahlschweizers Klaus-Michael Kühne.

Damit ist es vorerst vorbei. Wie der weltgrößte See- und zweitgrößte Luftfrachtkonzern am Stammsitz in Schindellegi mitteilte, ging es im zurückliegenden Quartal beim Reingewinn um 16,3 Prozent abwärts– auf 170 Millionen Schweizer Franken (158 Millionen Euro).

Dabei übertraf Trefzger sogar, wie es die Schweizer Kantonalbank formulierte, die „höchsten Erwartungen“. Tatsächlich hatten Analysten beim Reingewinn im Schnitt mit einem Minus von 17,3 Prozent gerechnet. Auch der Umsatzeinbruch von 7,5 Prozent fiel nur halb so schlimm aus wie befürchtet.

Dennoch ist die Lage angespannt. Schon seit Jahresbeginn leidet der Speditions- und Frachtkonzern massiv unter der Coronakrise. Waren es im ersten Quartal die Seetransporte aus und nach China, die den Schweizern wegbrachen, folgten in den darauffolgenden Monaten die Containertransporte im Europa- und Nordamerikageschäft.

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    Betroffen ist nahezu die komplette maritime Wirtschaft. 11,6 Prozent der weltweiten Containerflotte, ermittelte die Pariser Beratungsfirma Alphaliner, lag Ende Mai 2020 beschäftigungslos vor Anker – ein historischer Minusrekord. Bei Deutschlands größter Reederei, der ebenfalls von Klaus-Michael Kühne mitkontrollierten Hamburger Hapag-Lloyd, brach im ersten Quartal der Betriebsgewinn um gut ein Viertel ein.

    Gezielt Kapazitäten geschaffen

    Mehr noch als im ersten Quartal sank bei K+N in den darauffolgenden drei Monaten das verschiffte Containervolumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast zwölf Prozent auf 1,1 Millionen Standardcontainer. Der Nettoumsatz, der im Konzern für ein Drittel des Geschäfts steht, schrumpfte gleichermaßen.

    Vor Zinsen und Steuern verdiente K+N an den Seetransporten 28,5 Prozent weniger. Doch das Geschäft mit der Luftfracht entwickelte sich für den 58-jährigen Vorstandsvorsitzenden erwartungsgemäß zum Rettungsring. Weil der Seetransport über Wochen stockte, orderten ab April reichlich Unternehmen Krisengüter wie Schutzmasken und Arzneimittel über den Luftweg.
    Bei K+N hinterließ dies, wie es im Firmenbericht wörtlich heißt, „eine sehr ansprechende Profitabilität“. In der Luftfracht notierte Trefzger einen Gewinnsprung von 17 Prozent.

    Zu verdanken hat der ehemalige Bahn-Manager dies allerdings nicht einer überbordenden Nachfrage, sondern einem verknappten Angebot. Weil zeitweise über 90 Prozent der Passagierflugzeuge am Boden blieben, in deren Laderäumen üblicherweise fast die Hälfte der weltweiten Luftfracht befördert wird, ließ Trefzger gezielt Charterkapazität für seine Kunden hinzukaufen. Und die zahlten dafür stark gestiegene Preise: Obwohl K+N 22 Prozent weniger Luftfracht verladen ließ, landete mit fast 1,7 Milliarden Franken 15 Prozent mehr Umsatz bei der Unternehmenssparte.

    Konkrete Prognosen, wie sehr die Coronakrise den Konzern in den nächsten Monaten schwächen wird, mag Trefzger immer noch nicht treffen. „Wir erwarten auch für das zweite Halbjahr beträchtliche Unsicherheiten“, sagte er am Dienstag. Auf sie sei Kühne +Nagel jedoch „dank agiler Strukturen, konsequentem Kostenmanagement und qualitativ hochwertiger Serviceangebote“ vorbereitet.

    Konkurrent Post schneidet besser ab

    Der Optimismus in der Konzernzentrale am Zürichsee führt dazu, dass man den Aktionären nun je Anteilsschein eine Dividende von vier Franken ausschütten will, während der Konzern im April noch von einer Nullrunde gesprochen hatte. Eine außerordentliche Generalversammlung solle dies im September beschließen. Verwaltungsratschef Jörg Wolle verwies in diesem Zusammenhang auf „das gute Ergebnis, die starke Widerstandsfähigkeit des Unternehmens, den stabilen Geldfluss und die vorhandene Liquidität“.
    Im Vergleich zum größten Konkurrenten, der Deutschen Post, schnitten die Schweizer allerdings nur bescheiden ab. Während K+N im zweiten Quartal einen um 12,3 Prozent geschrumpften Betriebsgewinn meldete, schaffte der Bonner Konzern mit den entsprechenden DHL-Sparten Spedition, Fracht und Lagerlogistik ein Plus von 4,3 Prozent. Den Erfolg verdankt die Post dabei ausgerechnet einem Manager, den sie vor drei Jahren bei K+N abwarb: dem Fracht- und IT-Experten Tim Scharwath.

    Mehr: „Der allgemeine Wohlstand wird sich verringern“, sagt Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne.

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