Lucien Stephenson: Hollywoods Mann für Kunstschnee will aussteigen
Der Engländer ist Experte für Schnee zu jeder Zeit.
Foto: Snow BusinessSchnee ist Saisongeschäft. Bei Lucien Stephenson hat die weiße Pracht immer Saison – winters wie sommers. Der gebürtige Engländer ist mit seiner Firma Snow Business aus dem westfälischen Greven weltweit führend bei Wintereffekten. Seine Kunden sind vor allem große Kinoproduktionen, die auch bei warmen Außentemperaturen eine kühle Schneekulisse benötigen. Vom Schneesturm bis zum Pulverschnee hat er alles im Programm.
In diesem Jahr bekam Snow Business für den Film „Blade Runner 2049“ sogar den Oscar für visuelle Effekte. Doch im 20. Firmenjahr sucht der 49-Jährige, der mit seinen langen Haaren und dem Holzfällerbart ein bisschen an den Weihnachtsmann erinnert, nun einen Nachfolger.
Stephenson gründete die Firma 1999 direkt nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Nottingham. Die Marktlücke entdeckte er bei einem Praktikum in der Filmbranche. Sein Jugendzimmer war zunächst die Firmenzentrale, der Durchbruch kam schnell. Beim Film „Duell – Enemy at the Gates“ überzeugte Stephenson die Hollywood-Verantwortlichen und arbeitet seitdem mit den Größten der Branche.
Sein Büro im münsterländischen Greven ziert ein Foto mit Tom Hanks vom Dreh des Films „Der Unterhändler“. Regie führte damals Steven Spielberg. „Das war so, als wenn man sechs Wochen mit Picasso in einen Raum gesperrt wird und ihm beim Malen zuschauen kann“, erinnert sich Stephenson.
In diesem Jahr sorgte Snow Business bereits in den Blockbustern „Verschwörung“ und „Red Sparrow“ für winterliches Ambiente. Zudem fliegen Stephensons Flocken durch den kommenden Weihnachtsspot von C&A, der ausgerechnet bei 35 Grad Außentemperatur abgedreht wurde.
Filmförderrichtlinien hemmen Wachstum
„Das ist schon ein skurriles Gefühl, mitten im Hochsommer in einer derart authentischen Winterlandschaft zu stehen“, meint Philipp Keller, Geschäftsführer der beauftragten Produktionsfirma Zum goldenen Hirschen. Snow Business verstehe sein Handwerk und wisse genau, welche Sorte Kunstschnee passe, um die perfekte Illusion zu erschaffen. Den Kunden stehen 140 Materialien zur Auswahl: Schnee aus Zellulose, Kunststoff, Maisstärke – grob, fein oder puderig, je nach Wunsch.
Was ein schnelleres Wachstum hemmt sind einzig die Filmförderrichtlinien in Deutschland. Diese sind auf 20 Prozent vom Gesamtbudget und maximal zehn Millionen Euro gedeckelt. In fast allen anderen Ländern entfällt diese Deckelung. Die Richtlinien führen dazu, dass auch Stephenson öfter im Ausland unterwegs ist.
Daneben will er andere Standbeine ausbauen. „Gerade im Eventbereich liegt viel mehr Potenzial als im Film“, ist er überzeugt. So lässt er es auf Hochzeiten oder Messen schneien. Daneben experimentiert Stephenson mit schwarzem Pulver, um in Filmen abgebrannte Flächen darzustellen.
„Trotzdem spüre ich, dass ich raus möchte“, sagt Stephenson. Ein Übernahmeangebot gab es noch nicht, wenngleich die Konkurrenz im Bereich Kunstschnee groß ist. Vermutlich soll das achtköpfige Team die Nachfolge gemeinsam lösen. Was der „Schneemann“ danach macht, weiß er noch nicht genau. „Ich will einfach etwas Gutes für die Welt tun, vielleicht betreibe ich einen Gnadenhof für Hunde“, lacht er.