Sanierungsexperte im Gespräch: Hans-Joachim Ziems über Krisen und die "Selbstreinigungskräfte des Marktes"
Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems sieht eine lang anhaltende Krise auf die deutsche Wirtschaft zukommen.
Foto: IMAGO/Steffen SchellhornKöln. Hans-Joachim Ziems ist der Mann, an den sich Unternehmen wenden, wenn ein Ausweg aus Krisensituationen nur noch schwer zu finden ist. Der Restrukturierungsberater war in der Vergangenheit für Unternehmen wie Kirch Media, den Antennenbauer Kathrein und den Werkstoffhersteller Pfleiderer tätig – und sagt von sich selbst, er habe in 30 Jahren seiner Beratungstätigkeit nicht einen einzigen Fall „in den Sand gesetzt“.
Doch die multiple Krise aus hohen Energiepreisen, gestörten Lieferketten und geopolitischen Spannungen, in der sich die deutsche Wirtschaft aktuell befindet, bereitet auch dem erfahrenen Liquiditätsexperten Sorge. „Wir sprechen hier über eine Krise, die nicht kurzfristig vorübergeht, sondern die wirklich nachhaltig sein wird“, so Ziems. „Ich glaube, dass wir uns auf eine Zeit vorbereiten müssen, in der sehr viel Restrukturierung und Sanierung angesagt ist.“
Als besonders kritisch sieht er dabei die Personalausstattung vieler Banken, die in den vergangenen Jahren viele Stellen im Restrukturierungsbereich abgebaut hätten. Wenn bald ein Schwung neuer Sanierungsfälle auf die Geldhäuser zukomme, drohe das einige Banken zu überfordern. „Dann besteht die Gefahr, dass Kredite im Portfolio verkauft werden – zum Beispiel an Hedgefonds, die aktuell über sehr viel Geld verfügen. Damit wird eine konstruktive Sanierung in aller Regel sehr schwierig.“