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Coronavirus „Alle Augen auf Cash“: Geldgeber warnen Start-ups vor Finanzklemme

Das Coronavirus durchkreuzt auch die Pläne von Gründern. Allerdings sind die Voraussetzungen für die Start-ups deutlich besser als zu früheren Krisen.
12.03.2020 Update: 16.03.2020 - 16:17 Uhr Kommentieren
Das Coronavirus könnte auch für die jungen Unternehmen Folgen haben. Quelle: Getty Images
Arbeiten im Start-up

Das Coronavirus könnte auch für die jungen Unternehmen Folgen haben.

(Foto: Getty Images)

Hamburg Die deutschen Start-up-Investoren schauen mit Sorge auf das Coronavirus, sehen sich aber besser gerüstet als bei früheren Krisen. „Anders als in der Finanzkrise sind die Fonds gut mit Geld gefüllt“, sagte Eventures-Partner Christian Miele dem Handelsblatt am Donnerstag. „Wir empfehlen unseren Start-ups vor allem, nun keine wilden Aktionen zu starten, sondern maßvoll zu handeln.“

So wie der Berliner Investor geben eine ganze Reihe von Geldgebern ihren Gründern konkrete Hinweise mit auf den Weg. So rät Miele Gründern, ihre Finanzierung über die kommenden ein bis zwei Jahre zu prüfen und gegebenenfalls weniger Geld auszugeben.

Miele, der auch Chef des Start-up-Verbands ist, sieht bei den jungen Unternehmen sogar Vorteile gegenüber börsennotierten Konzernen. So sind Start-ups meist über Eigenkapital, nicht aber über Kredite finanziert und somit weniger anfällig für kurze Schocks. Start-ups seien daher selten auf Kreditlinien von Banken angewiesen. Zudem sind sie von den aktuellen Börsenschwankungen nicht direkt betroffen.

„Anders als in der Dotcom-Blase sehen wir funktionierende Geschäftsmodelle. Es wird eine Konsolidierung geben, aber es wird nicht so schlimm, wie mancher gerade denkt“, meint Miele.

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    Target-Global-Partner Shmuel Chafets hofft ebenfalls auf Besserung: „Wir sind in einer komplizierten Situation. Aber ich denke, dass wir in wenigen Wochen den Höhepunkt der Angst erreichen.“

    In früheren Krisen habe sich gezeigt, dass starke Modelle überleben, vor allem tech- und produktgetriebene Ideen. Beispiele seien Google und Facebook. Probleme könnten solche Geschäftsmodelle bekommen, die schnell viel Geld etwa für Marketing ausgeben – etwa E-Commerce-Plattformen.

    In den vergangenen Monaten haben wichtige deutsche Investoren wie Eventures, Project A oder Target größere Fonds mit dreistelligen Millionenbeträgen geschlossen. Sie können daher Geld bei ihren Investoren abrufen, um betroffenen Gründern gegebenenfalls Geld nachzuschießen. Mit Ausfällen von Investoren rechnet Miele derzeit nicht.

    Earlybird und TinyVC verkündeten noch am Montag drei Millionen Euro Seed-Finanzierung für ein Bezahllösungs-Start-up.

    Gründer sollten sich für lange Krise wappnen

    Die Investoren fordern ihre Portfolio-Unternehmen allerdings zum Handeln auf. „Die Gründer sollten vor allem nicht in Panik geraten.

    Sie sollten sich auf Produkt und Technologie fokussieren, zudem auf die Kosten achten – und das bedeutet in vielen Fällen auch, das Marketing runterzufahren“, sagt Chafets. „Wir müssen uns sowohl für eine kurzfristige Erholung als auch für eine lange Krise wappnen.“

    Hauptaugenmerk gehe noch auf das Überleben der Start-ups. Target Global ist in der vergangenen Woche mit den Gründern die Situation durchgegangen. Die meisten Unternehmen seien gut mit Kapital ausgestattet. Target Global sei zudem bereit, bei akutem Bedarf Geld nachzuschießen, sagte Chafets.

    Auch Felix Haas, Angel-Investor und Mitorganisator der Münchener Start-up-Konferenz Bits & Pretzels, rät zu raschen Schritten. Die Gründer sollten besser zu schnell als zu spät reagieren. Die Krise sei eine Chance, Geschäftsmodelle zu optimieren.

    Der Berliner Risikokapitalgeber Cherry Ventures hat seine Unternehmen in einem Rundschreiben informiert. „In den vergangenen Tagen haben wir unser Portfolio aus 50 Unternehmen analysiert und alle Geschäftsmodelle einem Stresstest unterzogen“, heißt es darin. Dabei seien kurz- und mittelfristige Risiken benannt worden, um passende Maßnahmen ableiten zu können.

    Cherry fordert die Gründer auch auf, über mögliche Gehaltssenkungen für die Gründerteams nachzudenken. Die Unternehmen könnten Mitarbeitern auch anbieten, freiwillig Stunden zu reduzieren. Zudem sollten sie „alle Augen auf Cash“ richten, also die Liquidität gezielt managen.

    Cherry fordert die Gründer zudem auf, nicht nur das Geschäftsmodell auf Schwächen abzuklopfen, sondern auch Auswirkungen auf mögliche weitere Finanzierungsrunden zu berücksichtigen.

    Die Gründer sollten einen „Plan B“ entwickeln, falls sich der Markt für private Finanzierungsrunden langfristig abschwächt. „Schon allein die Beschränkungen bei der Reisetätigkeit wird die Zahl der Deals, die die Investoren tätigen, senken“, warnen die Kapitalgeber.

    GetYourGuide schickt Belegschaft nach Hause

    Auch der Risikokapitalgeber BtoV warnt seine Gründer: „Das Risikokapitalklima könnte ähnlich werden wir 2009/10: Die Leute werden mit euch reden, aber werden viel selektiver und langsamer investieren, mit einer Präferenz auch Fälle, die die neue Normalität abbilden.“ Investoren würden dann Reisebeschränkungen, Wachstumsschwäche und gefährdete Lieferketten stärker beachten.

    Die Gründer sollten sich darauf auch in der Kommunikation mit Geldgebern vorbereiten: „Könnt ihr euren Pitch so verändern, dass er attraktiver klingt unter der Annahme eines längeren Krisenszenarios?“ Insgesamt rät BtoV den Teams zu einem angemessen Risikobewusstsein, ohne in Panik zu verfallen.

    Auch einzelne Start-up-Gründer informieren ihre Belegschaft aktiv. So mussten die Manager des Event-Vermittlers GetYourGuide ihrer Belegschaft mitteilen, dass nach einem positiven Coronavirus-Test bei einem Mitarbeiter das gesamte Büro für eine Grundreinigung geschlossen bleibt.

    Das Team machte allerdings schon zuvor komplett Homeoffice. Auch eine ganze Reihe weiterer Start-ups hat auf Homeoffice umgestellt.

    Eventures-Partner Miele sieht in solchen Entwicklungen trotz der Krise sogar Chancen. So könne etwa der verstärkte Einsatz von Remote-Arbeitsplätzen neuen Arbeitsformen zum Durchbruch verhelfen. Andere Geschäftsmodelle von Gründern sieht er unter Druck – vor allem bei Reise und Logistik.

    Online-Speditionen wie Sennder hatten im vergangenen Jahr mehrere erfolgreiche Finanzierungsrunden, GetYourGuide überschritt sogar die Grenze zum Einhorn mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar.

    Mieles Start-up-Verband informiert derzeit Gründer in einer Textsammlung über Themen wie Kurzarbeit. Geplant sind zudem virtuelle Expertenrunden.

    Doch auch bei den Investoren gibt es praktische Probleme: Chafets von Target Global etwa sitzt in Israel weitgehend fest. Allerdings seien andere Team-Mitglieder in den europäischen Büros, und viel sei durch Videokonferenzen lösbar. „Meine Frau freut sich, dass ich mal längere Zeit zu Hause bin“, sagt er..

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