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DigitalisierungWarum immer mehr Bundesligavereine mit Start-ups kooperieren

Nicht nur auf dem Fußballplatz suchen Bundesliga-Clubs nach jungen Talenten. Immer öfter kooperieren sie mit Start-ups, um die sportlichen Leistungen zu verbessern.Camilla Flocke 31.08.2018 - 17:49 Uhr Artikel anhören

Im April dieses Jahres haben Eintracht Frankfurt und das Start-up-Hub TechQuartier ein Mini-Accelerator-Programm „Money meets Idea – SportsTech“ veranstaltet.

Foto: Jessica Schaefer, TechQuartier

Düsseldorf. Die Zusammenarbeit mit Start-ups ist derzeit sehr angesagt. Familienunternehmen, Großkonzerne, alle wollen sie von den innovativen Ideen der Unternehmen profitieren und ihren Konkurrenten einen Schritt voraussein. Auch in der Bundesliga setzen viele Vereine immer mehr auf die Zusammenarbeit mit Start-ups, um bei dem Thema Digitalisierung auf dem aktuellsten Stand zu sein.

Spielten Start-ups vor fünf Jahren für die Fußballklubs kaum eine Rolle, können heute Daten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Für beide Seiten ist es eine Win-Win-Situation. Die jungen Unternehmen brauchen Geldgeber und Unterstützer, die Vereine die Technologie.

Aus diesem Grund haben beispielsweise der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt Accelerator-Programme gestartet. Start-ups bekommen bei solchen Accelerator-Programmen innerhalb eines festgelegten Zeitraums Unterstützung bei der Entwicklung ihres Unternehmens und ihrer Geschäftsidee.

Dabei erhalten die Jungunternehmen von den Acceleratoren, also denjenigen, die das Programm ausrichten und an ihm mitwirken, sowohl Wissen als auch Ressourcen im Hinblick auf die Gründung eines Unternehmens. Während des Programms können die Unternehmen ihre Idee oder ihr Produkt auch Investoren präsentieren, die wiederum die Chance haben durch Investments an dem Erfolg des Jungunternehmens teilzuhaben.

Der 1. FC Köln hat sein Accelerator-Programm mit der Plattform Hype Sports Innovation zusammen gestartet. Der Zweitligist erhofft sich so einen Zugang zu Innovationen, „um die eigene digitale Entwicklung voranzubringen“, wie Philipp Liesenfeld berichtet, der beim 1. FC Köln für das Start-up-Programm und das Thema Business Development verantwortlich ist.

Die Bewerbungsphase für das Programm läuft bereits. Sport-Tech-Start-ups können sich bis Anfang Oktober bewerben. Zunächst werden der 1. FC Köln und Hype Sports Innovation 25 Start-ups auswählen, die dann an zwei Tagen ihre Geschäftsmodelle vorstellen können.

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Unter diesen Gründern suchen die Organisatoren zehn bis zwölf Jungunternehmen aus, die an dem viermonatigen Programm teilnehmen werden. Gastdozenten stehen ihnen bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen zur Seite. Zu diesen gehören unter anderem Führungskräfte des europäischen Fußballverbandes UEFA, der US-amerikanischen Footballliga NFL und des Soft- und Hardwareherstellers Microsoft.

Außerdem bietet sich für die Start-ups laut Aussage Liesenfelds die Möglichkeit, ihr Produkt beim 1. FC Köln zu testen. „Durch uns erhalten die Gründer einen direkten Zugang zu einem professionellen Leistungsbetrieb mit Trainern, Analysten, Athletik-Coaches sowie zum Scouting und zum Stadion“, sagt Liesenfeld. Der Zweitligist aus der Domstadt wiederum will durch das Programm „exklusiven Zugang zu Innovationen im Sport“ erhalten.

Das gleiche Ziel verfolgt auch Eintracht Frankfurt mit seiner Start-up-Strategie. Um die wirtschaftlichen Digitalaktivitäten auszubauen, ist der Verein im Dezember des vergangenen Jahres eine Partnerschaft mit dem Frankfurter Start-up-Hub TechQuartier eingegangen.

Im April dieses Jahres haben die beiden bereits das Mini-Accelerator-Programm „Money meets Idea – SportsTech“ veranstaltet. Aus europaweit 70 Bewerbungen wählten der Bundesligist und das TechQuartier 15 Start-ups aus, die an dem einwöchigen Programm teilnahmen.

Durch das Programm will die Eintracht nach Informationen von Timm Jäger, des Referenten des Vorstands, in einer sehr frühen Phase Zugriff auf neue, innovative Geschäftsmodelle haben. Mittlerweile prüft der Verein nach Informationen von Jäger mit einigen der finalen Start-ups die Zusammenarbeit. Um auch in Zukunft weiterhin Kontakt zu der Start-up-Szene zu haben, wird Eintracht Frankfurt gemeinsam mit dem TechQuartier Anfang 2019 das Accelerator-Programm ein weiteres Mal ausrichten. Auf lange Sicht kann sich der Frankfurter Bundesligist ebenso wie der 1. FC Köln eine Beteiligung an einem Start-up vorstellen.

Auch der VfL Wolfsburg setzt auf eine Verbindung zu einem Accelerator-Programm, um bei dem Thema Digitalisierung und Sport auf dem aktuellen Stand zu bleiben. German Schulz, Leiter Markenmanagement des Erstligisten, gehört zu den Mentoren des Lead Sports Accelerators, einem Start-up-Programm der Enkel des Adidas-Gründers Adi Dassler.

Andere Fußballvereine vertrauen auf eigene kleine Gesprächsrunden, um sich mit Start-ups auszutauschen, neue Geschäftsmodelle und Unternehmen kennenzulernen. Bayer 04 Leverkusen veranstaltet beispielsweise sogenannte „Kaminabende“, an denen der Verein Akteure aus der Start-up Szene zusammenbringt.

Einige Vereine halten ihre Zusammenarbeit geheim

Auch Hertha BSC Berlin setzt auf Gesprächsrunden und hat bereits 2016 ein „Digital Board“ gegründet, in dem unter anderem auch erfahrene Vertreter der Berliner Start-up-Szene sitzen. Das „Digital Board“ trifft sich laut Informationen des Geschäftsleitungsmitglied Paul Keuter regelmäßig. Ziel ist es „erfolgreiche Führungserfahrung aus der Digitalszene zu bündeln, um uns zum einen bei dem Ausbau unserer digitalen Geschäftsmodelle beraten zu lassen“, erläutert Keuter, „und zum anderen uns noch enger mit der Berliner Gründerszene zu vernetzen.“

Zusätzlich organisiert die Hertha zu ausgewählten Heimspielen Veranstaltungen, zu denen der Fußballverein Start-ups und Führungskräfte der Stadt einlädt. In Zukunft schließt Hertha BSC Berlin „nicht aus, als Business Angel zu fungieren“, wie Keuter sagt, also ähnlich wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Köln sich auf lange Sicht finanziell an einem Unternehmen zu beteiligen. Ein Business Angel unterstützt Start-ups aber nicht nur finanziell, sondern auch mit Knowhow und Kontakten.

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Andere Fußballvereine nehmen hingegen ganz klassisch die Dienstleistungen von Start-ups in Anspruch. Der 1. FC Nürnberg nutzt beispielsweise die Dienste von Vald Performance, einem Sporttechnologieunternehmen, und STATSports, das ein Analysesystem für Spieler auf Basis von GPS-Daten anbietet.

Der „Club“ ist vor allem darauf aus, mehr Daten zu generieren und diese mit den eigenen SAP-Lösungen weiterzuverarbeiten. Auf diese Weise will der Erstligaaufsteiger vor allem seine vielen Jungspieler voranbringen. Denn auf diese setzt der Verein. In der vergangenen Zweitligasaison war der Club deutschlandweit der Verein mit den zweitmeisten Spielerminuten von im eigenen Verein ausgebildeten Spielern. Mit ausführlicheren Daten lassen sich die mentalen und körperlichen Belastungen besser abschätzen und so eventuellen Überlastungen gegensteuern.

Aber nicht alle Vereine sind so auskunftsfreudig wie der 1. FC Nürnberg. Einige Fußballklubs wollen Details zu Kooperationen nicht bekannt geben, um sich von Konkurrenten nicht in die Karten schauen zu lassen. Der FC Schalke 04 arbeitet beispielsweise bereits seit längerem unter anderem in den Bereichen Digitalisierung und Konzernentwicklung mit Start-ups zusammen. Weitere Angaben möchte der Verein nicht machen, „da es sich teilweise um Projekte handelt, die noch nicht bekannt werden sollen“, so eine Sprecherin.

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