Deutsche Bank: Marcus Chromik wird neuer Risikochef
Frankfurt. Die Deutsche Bank tauscht ihren Risikovorstand aus: Marcus Chromik, langjähriger Risikovorstand der Commerzbank und zuletzt Verwaltungsratsmitglied der Unicredit, soll bei dem Geldhaus Olivier Vigneron ersetzen. Das teilte die Deutsche Bank am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Zuerst hatte die „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet.
Chromik übernimmt den neuen Posten am 20. Mai 2025. Dann läuft der Vertrag seines Vorgängers Vigneron aus, der erst 2022 zur Deutschen Bank gewechselt war. Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts dankte Vigneron für „den großen Einsatz“, mit dem er „die Weiterentwicklung der Risiko-Funktion der Bank“ gesteuert habe.
Vigneron habe die Bank kürzlich darüber informiert, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle, heißt es in der Mitteilung. Innerhalb der Bank hatte es allerdings auch Kritik an dem Franzosen gegeben, denn im laufenden Jahr musste die Bank zweimal ihre Prognose für die Risikovorsorge erhöhen.
Das gilt als ungewöhnlich, denn in der Vergangenheit hatte die Bank zwar immer wieder Rechtsrisiken und andere operationelle Risiken falsch eingeschätzt. Bei Kreditrisiken verschätzte sich das Institut aber eher selten.
Vorstandschef Christian Sewing bezeichnete Chromik in einer internen Mitteilung der Bank als „erstklassigen Nachfolger“ für Vigneron. „In seinen acht Jahren als Risikovorstand der Commerzbank hat er sich einen hervorragenden Ruf weit über den deutschen Bankenmarkt hinaus erworben“, so Sewing in dem Memo, das dem Handelsblatt vorliegt.
Dass Chromik auch im Ausland bekannt ist, hatte im Frühjahr seine Berufung in den Verwaltungsrat der italienischen Großbank Unicredit gezeigt. Der 52-Jährige genießt auch bei Bankenaufsehern großes Ansehen. Den Verwaltungsrat von Unicredit hatte Chromik am Mittwoch verlassen, wie die Großbank mitgeteilt hatte.
Nach dem Einstieg der Mailänder bei der Commerzbank hatte Chromiks Mitgliedschaft im Verwaltungsrat für Diskussionen gesorgt. Im Commerzbank-Aufsichtsrat gab es kritische Nachfragen zu Chromiks Rolle, wie Insider dem Handelsblatt sagten. Die Commerzbank-Spitze betonte jedoch, es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten.
Bei Chromiks Ausscheiden sei keine Wettbewerbsklausel vereinbart worden, die ihm ein Engagement bei Unicredit untersagt hätte. Die Commerzbank hatte ihren damaligen Risikochef ohnehin nur ungern ziehen lassen. Als sein Vertrag Ende 2023 auslief, hätte das Institut diesen gerne verlängert. Doch Chromik lehnte ab. Zwei Amtszeiten seien für US-Präsidenten und Risikovorstände genug, sagte er intern.
Nach seinem Abschied bei der Commerzbank hatte Chromik im kleinen Kreis betont, dass er eigentlich keinen Vollzeitjob als Vorstand eines Unternehmens mehr anstrebe. Nun ließ er sich aber offenbar umstimmen. „Es ist mir eine große Ehre, dem Vorstand der Deutschen Bank beizutreten, eines der führenden Finanzinstitute in Europa und einer der wenigen wirklich globalen Banken“, ließ er sich zitieren.
Chromik ist gebürtiger Kieler und leidenschaftlicher Handballfan. Er selbst hat nie gespielt, die Spiele seiner Kinder verfolgt er dafür umso leidenschaftlicher. Auch dem Fußball ist er nicht abgeneigt und pilgert als Wahlfrankfurter immer wieder zu Heimspielen von Eintracht Frankfurt.
Das Stadion trägt passenderweise den Namen seines künftigen Arbeitgebers: Deutsche-Bank-Park. Anreisen kann Chromik dabei mit dem Fahrrad. Im Gegensatz zu vielen anderen Bankvorständen wohnt er nämlich nicht im Taunus, sondern im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.