1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Mittelstand
  4. Familienunternehmer
  5. Applike: So expandiert Deutschlands zweitgrößte Ausgründung in den USA

ApplikeSo expandiert Deutschlands zweitgrößte Ausgründung in den USA

Das Hamburger Start-up Applike will mit neuen Partnerschaften in Amerika seinen Umsatz verdoppeln. Die Bertelsmann-Beteiligung profitiert vor allem von einer neuen Kooperation.Michael Scheppe 14.05.2024 - 08:37 Uhr
Carlo Szelinsky (l.) und Jonas Thiemann: Die Expansion in die USA soll den Umsatz verdoppeln. Foto: Applike Group

Düsseldorf. Jonas Thiemann hat kein geringeres Ziel, als den Umsatz von aktuell über 100 Millionen Euro in diesem Jahr zu verdoppeln. Was den Co-Gründer des Hamburger Start-ups Applike so zuversichtlich stimmt: die Expansion in die USA.

Applike entwickelt und vermarktet Smartphone-Spiele und kümmert sich um Technologien, mit denen Werbung die Nutzer zielgerichteter erreichen soll.

Das Start-up hat Anfang 2023 in Boston ein Vertriebsbüro eröffnet – und seither mehrere Partnerschaften abgeschlossen. Der wichtigste Deal gelang mit Fetch, erfuhr das Handelsblatt. Fetch ist vergleichbar mit dem Bonusprogramm Payback. Mit der Fetch-App können Kunden Kassenzettel einscannen, dafür erhalten sie Punkte und Rabatte für weitere Einkäufe.

Für Applike ist die Partnerschaft ein Millionendeal: Nutzer können nun über die Fetch-App Spiele wie Candy Crush installieren. Je erfolgreicher und länger Kunden spielen, desto mehr Rabatte bekommen sie. Applike unterstützt Unternehmen etwa dabei, Apps zu monetarisieren – und verdient daran mit. Zudem bekommen die Hamburger bei jeder Spielinstallation in der Fetch-App Geld ausgezahlt.

Fetch nützt die Zusammenarbeit, weil deren Kunden die App durch das zusätzliche Spieleangebot häufiger nutzen. Das wirke sich sogar positiv auf das Kerngeschäft aus, erzählt Thiemann. Spiele-Nutzer würden 15 Prozent mehr Punkte sammeln als andere Kunden, zeigten die Erfahrungen der vergangenen Monate.

Applike: Neue Partnerschaften sind eine „Win-win-win-Situation“

Applike ist die zweitgrößte deutsche Unternehmensausgründung nach dem Internethändler About You, der ein Spin-off, eine Ausgründung, der Otto Group ist. Die Firma entstand 2015 unter dem Dach des früheren Hamburger Verlags Gruner+Jahr, mittlerweile gehört sie zur Konzernmutter Bertelsmann. Das Familienunternehmen hält 80 Prozent der Anteile, Thiemann, 33, und sein Co-Gründer Carlo Szelinsky, 38, jeweils zehn Prozent.

Markenberater Fabian Gärtner bewertet eine Kooperation, wie Applike sie mit Fetch eingegangen ist, als „Win-win-win-Situation“. Der Experte der Markenidentitätsberatung Spall macht Marke aus Nürnberg sagt:

  • „Erstens steigt die Nutzungsdauer der Plattformen und damit deren Chance, sich am Markt durchzusetzen und zum präferierten Anbieter zu werden.“
  • Zweitens könne Applike leicht skalierbare Gewinne generieren.
  • Drittens hätten Werbetreibende in Zusammenarbeit mit Applike die Möglichkeit, gezielt Werbung an passende Nutzer auszuspielen.

Allerdings sei der Erfolg von Firmen wie Applike stark an den Erfolg der Kooperationspartner gekoppelt. Zudem hätten Nutzer nur begrenzt Zeit zur Verfügung. „Je mehr Plattformen eigene Spiele integrieren, desto mehr Angebot trifft auf den Nutzer“, sagt Gärtner.

Hierzulande hat Applike eine ähnliche Kooperation seit Jahren mit dem Bonusprogramm Deutschlandcard, das ebenfalls zu Bertelsmann gehört. Kunden können Punkte etwa für Einkäufe bei Ebay, Douglas oder Media Markt sammeln.

Applike-Chef Thiemann sagt: „In Amerika können wir unser ähnliches Produkt nun einer noch größeren Nutzerschaft zur Verfügung stellen.“  Mit elf Millionen aktiven App-Nutzern monatlich hat Fetch eine deutlich höhere Reichweite. Zudem sind viele Amerikaner bereit, mehr Geld für Smartphone-Spiele auszugeben als Kunden in Deutschland.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viel schneller geht, wenn Amerikaner mit Amerikanern Geschäfte machen.
Jonas Thiemann
Co-Gründer Applike

Als Vorteil erweist sich auch das neue Vertriebsbüro in Boston. Applike hatte zwar schon vorher Kunden in Amerika. Doch die Präsenz vor Ort erleichterte den Aufbau neuer Partnerschaften. Chef des Büros in Boston ist Thomas Yannopoulos. Er baute zuvor etwa das US-Geschäft des Berliner Werbetechnologie-Spezialisten Remerge auf.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viel schneller geht, wenn Amerikaner mit Amerikanern Geschäfte machen“, sagt Thiemann. Die zehn Beschäftigten vor Ort sind für den Vertrieb zuständig, die Entwicklungsarbeit wird in Deutschland gemacht.

US-Expansion

„Dass dein Produkt 20 Jahre hält, interessiert in den USA niemanden“

Applike entschied sich für den Standort an der US-Ostküste, weil die Zeitverschiebung zu Deutschland relativ gering ist. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit der Zentrale.

Bis Ende 2025 will Applike die Zahl der Beschäftigten in den USA auf 30 Mitarbeiter verdreifachen. Thiemann strebt weitere Partnerschaften etwa mit Apps von Essenslieferanten oder Fintechs an. Ähnlich wie Bonusprogramm-Apps nutzen Verbraucher solche Anwendungen nur selten in der Woche. Durch die Spiele sollen diese einen Anreiz bekommen, die App häufiger zu nutzen.

Applike-Büro in Hamburg: Das Start-up will neue Regionen erschließen. Foto: Applike

Allerdings hänge der Nutzen von der Zielgruppe der Apps ab, sagt Markenberater Gärtner: „Bei Plattformen mit einem jungen, Gaming-affinen Publikum kann dies gut funktionieren und die Wahrnehmung der Plattform positiv beeinflussen.“ Passe Gaming aber nicht zur Marke, könnten solche Zusatzangebote auch schädlich für die Marke sein.

Wachstum durch Expansion

Applike ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen – vor allem, weil es über neue Firmen weitere Geschäftsfelder erschlossen hat. Zur Gruppe gehören mittlerweile fünf. Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Spielen auf Smartphones oder helfen App-Betreibern, ihre Marketingprozesse automatisiert zu steuern. Applike verdient sein Geld durch Vermarkung, Lizenzgebühren oder App-Installationen.

300
Mitarbeiter
hat Applike mittlerweile.

Mit den fünf neuen Firmen stieg auch die Zahl der Mitarbeiter auf 300, das sind 70 mehr als vor einem Jahr. Sein Wachstum finanzierte das Start-up aus dem eigenen Cashflow und wirtschaftete dabei nach eigenen Angaben stets profitabel. Das Geschäft mit Spiele-Apps gilt als sehr profitabel, Applike spricht von deutlich zweistelligen Ergebnismargen.

Weitere neue Firmen sind vorerst nicht geplant, stattdessen zeugt die globale Expansion von einer neuen Wachstumsstrategie. „Wir haben durch unsere US-Expansion gelernt, dass unsere Technologie sehr gut ist und wir nicht zu vorsichtig vorgehen müssen“, sagt Thiemann.

Den nächsten Schritt wollen die Hamburger in Asien machen. Dabei gibt es Analogien zum Vorgehen in den USA: Seit Anfang April arbeitet in Eileen Keng die erste lokale Mitarbeiterin in dem Büro in Singapur. In den kommenden zwölf Monaten soll die Zahl der Beschäftigten dort auf zehn aufgestockt werden.

In Asien erlöst Applike weniger als fünf Prozent seines Gesamtumsatzes – doch der Anteil des Kontinents am globalen App-Markt liegt bei einem Drittel bis 40 Prozent. Entsprechend sind die Wachstumshoffnungen.

Verwandte Themen
USA
Software

Für das Start-up ist Amerika derzeit der mit Abstand wichtigste Markt, er steht für drei Viertel der Umsätze. In Deutschland erwirtschaftet es nur ein Zehntel der Erlöse. Dennoch will Thiemann langfristig am Heimatstandort an der Hamburger Außenalster festhalten. „In Deutschland hat unsere technologische DNA und unsere Kultur ihre Heimat.“

Erstpublikation: 13.05.2024, 13:27 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt