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Giny Boer und Birgit Kretschmer Wechsel an der Spitze von C&A – Ikea-Managerin soll das Europageschäft führen

C&A stellt die Führung weiblicher auf: Mit Giny Boer rückt zum ersten Mal eine Frau an die Spitze, Birgit Kretschmer wird neue Finanzchefin. 
17.08.2020 - 17:39 Uhr Kommentieren
Der Modehändler stellt das Spitzenmangement neu auf. Quelle: dpa
C&A Filiale in Düsseldorf

Der Modehändler stellt das Spitzenmangement neu auf.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In den rund 2000 Filialen von C&A arbeiten überwiegend Frauen. An die Spitze des 1841 gegründeten Familienunternehmens haben es in all den Jahrzehnten jedoch nur sehr wenige Frauen geschafft. Nun werden aber gleich drei Schlüsselpositionen mit Frauen besetzt. Am Montagmorgen teilte die C&A AG mit, dass künftig die operative Führung des Europageschäfts in den Händen von Giny Boer liegen wird.

Die erfahrene Managerin kommt von Ikea und wird bereits Mitte September neben Edward Brenninkmeijer erste Erfahrungen sammeln, bevor sie ihm als Chefin des Europageschäfts nachfolgt. Brenninkmeijer wird dann als normales Mitglied in den Verwaltungsrat der C&A AG einziehen.

Boer zur Seite wird ab Januar 2021 auch Birgit Kretschmer stehen. Sie folgt auf Ralf Senden als Finanzchefin für C&A Europe. Senden verlässt das Unternehmen. Zurzeit ist die Finanzexpertin beim Sportartikelhersteller Adidas tätig, aktuell als Senior Vice President für Corporate & Supply Chain Finance weltweit.

Und die Liste lässt sich noch verlängern. Nicht nur in die operative Führung, sondern auch in den Verwaltungsrat der Dachgesellschaft C&A AG wird mit Maëlys Castella nun eine Frau einziehen. Castella ist Aufsichtsrätin des börsennotierten französischen Herstellers von Feuerzeugen, Einwegrasierern und Kugelschreibern BIC.

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    Dort ist sie Mitglied des Prüfungsausschusses und des Vergütungsausschusses. Sie war zuvor Finanzchefin beim Chemiekonzern Akzo Nobel. Damit werden Führung und Aufsicht des traditionsreichen Familienunternehmens nicht nur weiblicher, sondern auch internationaler.

    Größtes Investitionsprogramm der letzten zehn Jahre

    In der operativen Führung des Europageschäfts wird aber auch ein Familienmitglied bleiben. Eric Andrew Brenninkmeijer wird die neu geschaffene Position des Länderverantwortlichen bekleiden. Er wird damit die Oberaufsicht über alle 1400 europäischen Geschäfte innehaben, zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Deutschlandchef.

    Allan Leighton, Verwaltungsratschef der C&A AG, sagte dem Handelsblatt, dass man das Geschäft in den vergangenen anderthalb Jahren stabilisiert habe und unter der Führung von Edward Brenninkmeijer eine Plattform für Wachstum geschaffen habe. Wie ernst er es meint, zeigt sich auch darin, dass nun das „größte Investitionsprogramm der letzten zehn Jahre“ gestartet wird.

    Man habe „genug Cashflow, um die Investition zu finanzieren“. Und man befinde sich in der komfortablen Situation, dass das Unternehmen keine Schulden in der Bilanz habe. In Zeiten, in denen viele Unternehmen Soforthilfe und -kredite beantragen, um die Folgen der Pandemie tragen zu können, ist das viel wert.

    Tatsächlich war auch C&A mit seinen 1400 Filialen in Europa und weiteren rund 600 außerhalb des Kontinents wie die gesamte Modebranche mit voller Wucht von der Coronakrise getroffen worden. Die Läger waren voll, der Abverkauf nicht möglich – und die Krise des Branchenriesen brachte vor allem auch die Lieferanten in Existenznöte.

    Direkt am Anfang des Lockdowns hierzulande hatte sich C&A an die Lieferanten in Bangladesch gewandt. „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen (...), die unsere Partnerschaft auf die Probe stellen“, hatte C&A mitgeteilt. Und nach Informationen des Schweizer Magazins „Beobachter“ soll der Textilhändler dann auch Aufträge in dreistelliger Millionen-Dollar-Höhe storniert haben.

    Es habe aber Gespräche gegeben und inzwischen, so heißt es bei C&A, seien 97 Prozent der vor dem Lockdown bestellten Waren geliefert und von C&A bezahlt worden. Derzeit werde auch wieder bestellt, auch wenn das Geschäft wie überall natürlich nicht auf Vorjahresniveau laufe.

    Probleme im stationären Handel

    C&A hat aber nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Probleme. Das Onlinegeschäft liegt derzeit noch unter zehn Prozent des gesamten Umsatzes, wie Leighton zugibt – es wachse aber, und das Familienunternehmen wolle es in den nächsten Jahren „stark ausbauen“. Früh dran ist C&A damit also nicht, und die C&A-Kunden sind weniger an Onlinehandel gewöhnt als die Kunden der Konkurrenten von Zalando, Zara oder H&M.

    Und so mutet es etwas verwegen an, wenn Leighton sagt: „Wir schneiden nach dem Herunterfahren besser ab als viele unserer Wettbewerber und besser als erwartet.“ Auf die Schnelle wollen sich Experten nicht zu C&A äußern, das Unternehmen ist nach wie vor sehr verschwiegen. Umsatzzahlen gibt es allenfalls aus dem Jahr 2018 und die auch nur aus Deutschland.

    Danach hat der Umsatz hierzulande mit rund 450 Filialen bei 2,32 Milliarden Euro gelegen. Branchenbeobachter sehen im stationären Modehandel nach wie vor Probleme: Die Geschäfte seien im Schnitt leerer als vor der Coronakrise. Und die Maskenpflicht störe einerseits das Geschäft, aber einen zweiten Lockdown wolle die gesamte Branche unbedingt verhindern.

    Interessant ist daher noch eine weitere Aussage von Leighton: Neben der Tatsache, dass C&A sehr unabhängig von der Cofra Holding handele, würde man nicht mehr versuchen, andere Einzelhandelskonzepte zu kopieren. „Wir kehren zu unseren Wurzeln zurück. Wir haben jetzt nach vielen Jahren endlich die Produkte in unseren Läden, die unsere Verbraucher wirklich kaufen wollen“, sagte Leighton. Man analysiere permanent das Filialportfolio. „Wir werden Geschäfte schließen, aber auch neue Geschäfte eröffnen.“

    Vor drei Jahren hatte C&A den früheren Rewe-Chef Alain Capparos geholt, doch vor anderthalb Jahren hat er das Unternehmen nach einem Herzinfarkt wieder verlassen. Nach wie vor ist aber unklar, ob das der wirkliche Grund für seinen Abgang ist. Bezieht man diese Personalie in die Betrachtung mit ein, so hat Edward Brennink‧meijer offenbar seine Aufgabe erfüllt. Er wird künftig im Verwaltungsrat sitzen, einen CEO wird es in der Dachgesellschaft C&A AG nicht mehr geben.

    Nachhaltigkeit auch in Zukunft wichtig

    Die Strukturen bei C&A sind auch nicht ganz einfach. Die Dachgesellschaft C&A AG ist im Grunde der Verwaltungsrat der beiden operativen Gesellschaften C&A Europe und C&A China.
    In Europa jedenfalls wird sich offenbar einiges verändern mit den neuen weiblichen Vorständen und der neuen Aufsichtsrätin. Die künftige Chefin von C&A Europe, Giny Boer, hat beim schwedischen Möbelhaus Ikea, ebenfalls einem Familienunternehmen, mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet.

    1999 hatte sie dort ihre Karriere als stellvertretende Filialleiterin in den Niederlanden begonnen. Zuletzt war sie General Manager Retail für die Region Süd- und Osteuropa und führte mehr als 50.000 Mitarbeiter in 13 Ländern. Zuvor war sie in verschiedenen Führungspositionen bei Ikea in Österreich und Italien tätig und leitete die Vertriebsaktivitäten des Unternehmens in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien.

    Die zukünftige Finanzvorständin Kretschmer kann auf eine langjährige Erfahrung bei Adidas verweisen. Auch sie war europaweit für den Sportartikelhersteller tätig. Derzeit ist sie Senior Vice President für Corporate & Supply Chain Finance weltweit. Zuvor war sie bei Adidas als Head of PMO für Global E-Commerce, als Chief Financial Officer Market Europe sowie als Verantwortliche für M&A aktiv.

    Allan Leighton gibt sich zuversichtlich ob der neuen Personalien in einer veränderten Einzelhandelslandschaft. Die Vorgänger Edward Brenninkmeijer und Ralf Senden hätten das Unternehmen geschickt durch die Coronakrise geführt. Das neue C&A-Management sei nun perfekt aufgestellt, „um die ehrgeizigen Omnichannel-Wachstumspläne des Unternehmens voranzutreiben“.

    Die künftige neue Führungsriege machte bereits in ersten Statements klar, dass auch das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. So lässt sich die künftige Europachefin Boer zitieren, dass sie nicht nur froh sei, bei dieser Ikone zu arbeiten, sondern es auch so zu tun, dass dies die Zukunft „unseres Planeten und unserer Gemeinschaft schützt“.

    Mehr: Hunderte Textilfabriken sind in ihrer Existenz gefährdet.

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