Luxushotelier Werner Hamacher: Der Herbergsvater
Vorliebe für prachtvolle Hotels.
Foto: PrivatKöln. Werner Hamacher strotzt vor Kraft und ein bisschen auch vor Übermut. Angetrieben vom steten Erfolg als Unternehmer hat er sich nun auch noch der Hotellerie verschrieben. Gerade lässt der groß gewachsene und bullige Kölner mit dem vollen grauen Haar im schon leicht vorgerückten Alter von 64 Jahren sein fünftes Luxushotel bauen – auf Mallorca.
Nun ist es ja nicht so, dass es dort an mit vielerlei Sternen dekorierten Behausungen fehlen würde. Und das Tourismusgeschäft kommt, auch wegen der auf digitalem Wege via Expedia, Booking.com und Konsorten zu erreichenden auskömmlichen Auslastungszahlen, heutzutage einer besonderen Wissenschaft innerhalb der Betriebswirtschaftslehre gleich. „Ja“, sagt Hamacher, „aber das ist trotzdem alles gar nicht so schwer. Ich stelle mir immer nur einfach vor, was ich als Gast von meinem Hotel erwarten würde.“
Wie jetzt, so einfach ist das? Man ahnt schon vor Beantwortung der Frage, dass das alles etwas komplexer ist. Aber es passt zu Hamachers zurückgenommenem Wesen, dass er sich – trotz seiner Körpergröße – im Gespräch lieber ein bisschen kleiner als zu groß machen will. Dabei ist das Projekt, das er gerade mit Anstrengung und hoher Konzentration vorantreibt, ein in jeder Hinsicht prachtvolles. Auf einer Anhöhe nahe der romantisch verspielten Kleinstadt Arta im Nordosten Mallorcas, mit freiem Blick auf die Bucht von Alcudia, entsteht auf wahrlich weitläufigem Grund (drei Millionen Quadratmeter) ein Wellness- und Golfhotel mit 75 Zimmern sowie 13 Landhäusern zur Vermietung und zum Verkauf. Zentrales Element der Carrossa genannten Anlage ist ein 300 Jahre altes Herrenhaus, das Hamacher in ein modernes Luxushotel um- und ausbaut, in eine, wie er sagt, „Symbiose aus Tradition und Moderne“ mit künftig 70 bis 80 Mitarbeitern. 20 Millionen Euro investiert er in das Hotel, das im Frühjahr 2018 eröffnet werden soll. Und natürlich nach Möglichkeit vom ersten Tage an schwarze Zahlen liefern möge.
Hilfe von Frau und Söhnen
Denn wer glaubt, Hamachers Umtriebigkeit im Hotelwesen würde nach einem erfüllten Berufsleben nun einer Art Hobby entsprechen, der irrt gewaltig. Schon aus dem simplen wie gut nachvollziehbaren Grunde, dass es eine nächste Generation in der Sippe der Hamachers gibt, die das Werk des Vaters auf Dauer gewinnbringend weiterführen möchte. Dazu hat es sich wunderbar ergeben, dass die Söhne Alexander, 35, und Peter, 33, studierte Betriebswirte sind. Der Ältere ist Finanzfachmann und hat bei Deloitte gelernt und gearbeitet. Und der Jüngere hat einen Master-Studiengang an der Cornell University absolviert, einer führenden Hochschulen für Hospitality Management. Auch Ehefrau und Mutter Karin arbeitet mit und koordiniert die gesamte Innenausstattung der vielfach mit hellem Holz verkleideten und großer Kunst verzierten Häuser.
Aufgaben für alle in dem kleinen, aber feinen Familienbetrieb, der juristisch offiziell unter dem Namen Hamacher Privathotel Services GmbH firmiert, gibt es also reichlich. Denn da sind neben einer ersten Finca auf Mallorca vor allem bereits drei Luxushotels in Österreich, in die allesamt jeweils über zehn Millionen Euro an Investitionsmitteln geflossen sind. Alle liegen auf der Südseite der Alpen und besitzen einen eigenen Golfplatz. Ein hochrangiger Einkaufsmanager des Reisekonzerns Tui, der nicht genannt werden möchte, weil er womöglich in Zukunft hart mit den Hamachers um Konditionen verhandeln muss, sagt anerkennend: „Ich habe die Entwicklung der Hamacher-Hotels über die Jahre verfolgt. Da wird vieles sehr richtig gemacht, besonders im Vertrieb.“
Bislang war das Sport- und Kurhotel in Ofterschwang der Platzhirsch unter den Ferienhotels. Doch das Haus musste belegungsbedingte Umsatzeinbußen hinnehmen und landet deshalb mit einem Netto-Erlös von 38, 6 Millionen Euro in 2016 nur auf Platz zehn im Ranking der „Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung“. Sie erfasst seit 32 Jahren die Ergebnisse der umsatzstärksten Einzelhotels in Deutschland. Die Daten beruhen hauptsächlich auf Eigenangaben der Hoteliers sowie auf Marktdaten und Fakten aus den im Bundesanzeiger veröffentlichten Lage- und Geschäftsberichten. Häuser, die im Vorjahr im Ranking erschienen sind, aber in diesem Jahr keine Angaben machten, wurden auf Basis der errechneten Durchschnittswerte der teilnehmenden Häuser geschätzt.
Foto: PressefotoAls neues Ferienhotel hat es in diesem Jahr der Ferienpark Weissenhäuser Strand in die Top Ten geschafft: Das Haus arbeitete sich von Rang elf auf Platz neun vor. Das Hotel erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 8,9 Prozent und damit einen Netto-Umsatz von 39 Millionen Euro.
Foto: ScreenshotEine halbe Million Euro mehr Umsatz (39,5 Millionen Euro) als der Ferienpark Weissenhäuser Strand hat 2016 das The Westin Grand München verzeichnet. Das Hotel kann pro Nacht in 627 Zimmern bis zu 800 Gäste beherbergen. Im Durchschnitt sind der Zeitung zufolge etwa drei Viertel aller Betten belegt. Die Auslastung aller Hotels steigt im Mittel.
Foto: PREinen Rang aufwärts in den Top Ten geht es diesmal für das Hilton Berlin: Das Luxushotel hat seinen Netto-Erlös in der Hauptstadt im Vergleich zu 2015 im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent auf 39,9 Millionen Euro gesteigert. Damit liegt es leicht unter dem hotelübergreifenden Durchschnitt: Das vergangene Jahr schlossen die Top-200-Hoteliers mit einem Umsatzplus von 4,4 Prozent ab.
Foto: PRDas größte Minus unter den zehn umsatzstärksten deutschen Hotels hat im vergangenen Jahr das Kempinski Hotel Vier Jahreszeiten in München verzeichnet: Der Erlös sank um satte elf Prozent auf 43,5 Millionen Euro. Trotz insgesamt guter Zahlen in der Branche beobachtet die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ eine getrübte Stimmung: „Terroranschläge, Probleme in den arabischen Golfstaaten und das nach wie vor angespannte Verhältnis zu Russland hinterließen in einigen Hotels in Deutschland durchaus negative Spuren.“
Foto: PRDank eines Umsatzwachstums von 3,4 Prozent in 2016 ist das Hotel Intercontinental in Berlin mit einem Netto-Erlös von 45 Millionen Euro von Rang sechs auf Platz fünf geklettert. Der Jahresnetto-Umsatz pro Zimmer betrug mehr als 80.600 Euro.
Foto: PREinen Rang aufwärts geht es ebenfalls für das Hotel in der Mainmetropole: Es steigerte seinen Erlös 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf 49,5 Millionen Euro.
Foto: PRDas Nobelhotel in Berlin hat seine Position aus dem Vorjahr gehalten: Trotz eines Umsatzwachstums von 3,8 Prozent auf 55 Millionen Euro in 2016 belegt es diesmal wieder den dritten Platz.
Foto: PRDer Bayerische Hof muss den Titel des umsatzstärksten Hotels in Deutschland diesmal der Konkurrenz überlassen. Er büßte im vergangenen Jahr etwa 5,6 Prozent seines Vorjahresumsatzes ein und verzeichnete daher nur noch einen Netto-Erlös von 62,8 Millionen Euro. Die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ ist der Ansicht, dass die Einbußen aber nicht ausschließlich auf die Performance des Hotels zurückzuführen sind. „Aufgrund der Anschläge in Würzburg, Ansbach und am Olympia-Einkaufszentrum verzeichneten viele Hotels im Großraum München rückläufige Übernachtungszahlen.“
Foto: dpaMit einem starken Umsatzplus von 14,2 Prozent und einem Netto-Erlös von 70,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr hat das Estrel Berlin den langjährigen Sieger Bayerischer Hof hinter sich gelassen. Diese Entwicklung ist für die Fachzeitung wenig überraschend, denn Mitte 2015 ging die Convention Hall II an den Start, wodurch sich die Veranstaltungsfläche des Berliner Hotelgiganten nahezu verdoppelte. In 1125 Zimmer können mittlerweile bis zu 2250 Gäste übernachten.
Foto: PressefotoWas denn genau? Hamacher schnürt für seine Kundschaft mit Vorliebe Pakete aus den schönen Dingen des Lebens. Da gibt es zum Wellnesswochenende samt Abschlagermäßigung fürs Golfen wahlweise Tanz- oder Kochkurse mit Trainern der Spitzenklasse, oder er stellt einen Porsche 911 Cabrio zur Tagesausfahrt durch Österreichs Berge oder entlang der mallorquinischen Küste bereit. Zu diesem Zweck hat er übrigens gerade 14 neue Sportwagen bestellt. Hamacher sagt: „Die Nachfrage nach diesen Angeboten ist riesig, vor allem unter den Frauen.“ Entsprechend lobt ein Fachmagazin Hamacher für seine „ungewöhnlichen Ideen“ und den „frischen Wind“ in der Branche. Beim Betrieb der einzelnen Häuser verlässt sich der gelobte Herbergsvater indes voll und ganz auf Fachleute aus der Branche, die er auch schon mal in den Geschäftsführungsetagen der Konkurrenz abwirbt. Die kaufmännische Gesamtsteuerung nimmt er mit seinen Söhnen von Köln aus vor, genau wie die Entwicklung von neuen Projekten wie gerade auf Mallorca.
Nur noch Realwirtschaft
Da profitiert Hamacher von den frühen Erfahrungen seines Berufslebens. Mit Mitte 20 gründete er seine erste Firma namens Plankopie, die sich mit dem Verkauf und Service von Fotokopierern für Großkunden wie den Deutschen Herold (heute Zürich Versicherung) in Bonn oder das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln-Wahn beschäftigte. Das Geschäft mit Minolta und anderen damals namhaften Anbietern florierte derart, dass er schnell 300 Mitarbeiter beschäftigte und die Firma nach und nach an einen der großen Kopiererhersteller verkaufte. Mit dem Geld gründete er flugs ein zweites Unternehmen, die GOP Global Office Products AG, einen Dienstleistungsbetrieb, der Kunden, die ein Büro eröffnen wollen und weder Technik noch Möbel besitzen, alles abnimmt: von der Anschaffung eines Schreibtischstuhls, PC-Monitors oder eines Videokonferenzsystems. Und Hamacher investierte parallel dazu in Büroimmobilien. In Köln und Umgebung kaufte er Grundstücke, entwarf und entwickelte die passenden Gewerbeimmobilien, betrieb diese oft eine Weile selbst und veräußerte sie, zumeist mit tüchtigem Aufpreis. Hamacher sagt: „Ob Sie jetzt einen Verwaltungsneubau planen oder ein Hotel – da gibt es viele Gemeinsamkeiten.“
Es scheint zu stimmen. Die Umsätze summieren sich über die Gruppe inzwischen auf geschätzte 30 Millionen Euro, „wovon 18 Millionen Euro auf die vier bestehenden Hotels entfallen“, sagt Hamacher und deutet an, dass sich Einnahmen wie Gewinne schwungvoll und dauerhaft Richtung Norden entwickelten. Was auch einen speziellen Grund haben könnte, so der gelernte Industriekaufmann: „Ich mache nur noch Geschäfte, die ich selbst kontrollieren kann.“ Und erzählt eine Anekdote, wie er einmal binnen Stunden zwei Millionen Euro mit Commerzbank-Aktien verlor. „Ich saß damals in meiner Ferienwohnung in Belgien, wollte ein paar Tage ausspannen, als die von mir zunächst unbemerkte Nachricht kam, dass es in Moskau einen Putschversuch gegen Michail Gorbatschow gibt.“ Das drückte die Kurse massiv, Hamacher saß auf Verlusten in Millionenhöhe und sagt: „Seither mache ich keine Aktiengeschäfte mehr, nur noch Realwirtschaft.“