Robert Friedmann: Würth-Chef will mit 24-Stunden-Filiale neue Käufer anlocken
Deutliche Gewinnsteigerung.
Foto: picture alliance / Marijan MuratDüsseldorf. Robert Friedmann steht jetzt schon seit 14 Jahren an der Spitze des Schrauben-Handelskonzerns Würth. Die Frage, ob demnächst eine Vertragsverlängerung ansteht, lächelt er weg. Bei Würth gebe es zwar Laufzeiten in den Verträgen, aber das sei ein Thema, mit dem sich niemand im Haus wirklich beschäftige.
Die meisten in der Führungscrew sind teilweise deutlich über 20 Jahre im Unternehmen. Nur wer sich in dem vertriebsorientierten Konzern über Jahre bewährt, schafft es nach oben – und so, wie es aussieht, bleibt auch dort.
Ungewöhnlich für ein Handelsunternehmen, Friedmann setzt derzeit mehr auf eigene Produktion und Innovationen als je zuvor. In Vöhringen eröffnete Würth jetzt die erste 24-Stunden-Filiale, in der sich Kunden an sechs Tagen in der Woche rund um die Uhr mit Befestigungsmaterial, Werkzeug und Arbeitskleidung eindecken können. Zugang haben die Kunden per App, und abgerechnet wird über RFID-Codes.
Und der traditionsreiche Schraubenhändler wagt sich auch an anderer Stelle in neue Bereiche. Würth hat zusammen mit dem Fraunhofer Institut dehnbare Stretch-Leiterplatten aus Polyurethan entwickelt.
Das bis 30 Grad waschbare Material kann nicht nur in intelligente Arbeitskleidung eingenäht werden, sondern auch in der Medizin beispielsweise bei der Überwachung der Lebensfunktionen von Säuglingen eingesetzt werden. Ob die neuen Felder künftig den Umsatz beflügeln werden, ist noch offen. Aber die Initiative steht für die Erneuerung des Traditionsunternehmens.
Hinzu kommt: Der Familienkonzern kann sich solche Ausflüge leisten. Das Betriebsergebnis stieg im vergangenen Jahr um 26,8 Prozent auf 780 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 7,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro zu, sagte Friedmann bei der Vorlage der Jahreszahlen am Dienstag. Kein Wunder, dass sich der Manager keine Gedanken über Vertragsverlängerungen machen muss.