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Sportmodelabel Bulgarien statt Fernost: Die Lifestyle-Marke Maloja setzt auf ein eigenes Werk

In der Modebranche ist Auftragsfertigung in Asien die Regel. Doch es mangelt an Kontrolle, die Lieferzeiten sind lang. Der Mittelständler Maloja geht einen anderen Weg.
14.10.2020 - 14:37 Uhr Kommentieren
Das angesagte Sportmodelabel wächst trotz Corona ungestüm. Den Nachschub an Shirts, Shorts und hochtechnischen Jacken decken die Eigentümer nun verstärkt selbst in Bulgarien. Quelle: Maloja
Maloja-Gründer Klaus Haas (l.) und Peter Räuber

Das angesagte Sportmodelabel wächst trotz Corona ungestüm. Den Nachschub an Shirts, Shorts und hochtechnischen Jacken decken die Eigentümer nun verstärkt selbst in Bulgarien.

(Foto: Maloja)

Rimsting Das Jahr ist noch lange nicht vorüber. Klaus Haas, 55, ist mit 2020 aber jetzt schon hochzufrieden. Um rund 15 Prozent werde der Umsatz voraussichtlich klettern, sagt der Chef und Co-Gründer des Sportmodelabels Maloja. Ein Plus, das der Unternehmer angesichts der Corona-Pandemie nicht unbedingt erwarten durfte. Schließlich waren viele Sportläden im Frühjahr wochenlang geschlossen.

Haas und sein Partner Peter Räuber, 58, haben Glück im Unglück: Sie bieten genau die Kollektionen an, die seit Monaten reißenden Absatz finden: modische Sportklamotten für Radler, für Kletterer, für Outdoor-Begeisterte und Läufer. Die Leute rüsten sich für die Freizeit in der Heimat aus. Räuber: „In den letzten Monaten haben viele Leute die Natur für sich entdeckt.“

Die beiden Unternehmer aus Oberbayern sind fest überzeugt, dass es weiter aufwärtsgeht – und haben deshalb mitten in der Krise in ein Textilwerk in Bulgarien investiert. In den vergangenen sechs Jahren hatten Haas und Räuber die Fabrik gemeinsam mit dem deutschen Textilfachmann Reinhard Knecht aufgebaut. Nach dem Tod des Partners 2018 stießen die Erben ihren Anteil an dem Werk nun ab.

Maloja gehöre jetzt „einem der führenden Hersteller Europas im funktionalen Bereich“, sagt Haas. Die 270 Mitarbeiter von Viomoda in Plovdiv produzieren hochtechnische Regenbekleidung, wattierte Jacken oder auch Radtrikots.

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    Die meisten Sportfirmen beziehen ihre Ware von Lieferanten in Asien. Dort sind die Kosten niedrig, die Ware muss jedoch Monate im Voraus bestellt werden. Mit der Fertigung in Bulgarien sei die Marke viel flexibler, erklären die Eigentümer. „Außerdem ist das leichter zu kontrollieren“, betont Produktionsleiter Sven Köhler.

    Das 45-köpfige Team arbeitet in einem behutsam ausgebauten Bauernhof in Rimsting. Quelle: Maloja
    Maloja-Zentrale am Chiemsee

    Das 45-köpfige Team arbeitet in einem behutsam ausgebauten Bauernhof in Rimsting.

    (Foto: Maloja)

    Gleichwohl, eine eigene Fertigung zu unterhalten ist risikoreich. Sollte das Geschäft einmal nicht so gut laufen, stehen die teuren Maschinen ungenutzt herum. Daher beliefert Maloja aus seinem Werk auch fremde Anbieter, etwa das österreichische Outdoor-Label Martini. „Wir bekommen sehr viele Anfragen von anderen Marken“, erläutert Haas.

    Der Name Maloja führt ein wenig in die Irre: Die Firma ist keineswegs im gleichnamigen Engadiner Bergdorf angesiedelt. Haas und Räuber haben ihr Unternehmen nur deshalb so genannt, weil sie von der abgelegenen, rauen Gegend in Graubünden so begeistert sind.

    Das 45-köpfige Team arbeitet in einem behutsam ausgebauten Bauernhof in Rimsting, einen Steinwurf vom Chiemsee entfernt. Vor der Terrasse grasen die Kühe, der Blick reicht weit über den Ausflugsberg Kampenwand bis hinein ins Tiroler Inntal. Das ungewöhnliche Domizil ist kein Zufall: Der Bauer war einer der Geldgeber der ersten Stunde.

    Ein idealer Ort für Biker, Langläufer und Skifahrer

    Wenn es einen idealen Ort gibt, um Sportkleidung zu entwerfen, dann diesen. Für Mountainbiker, Langläufer und Skitourengeher ist die Gegend ein Paradies. Aber auch Skifahrer oder Jogger kommen auf ihre Kosten. Vor 16 Jahren haben der Unternehmensberater Haas und der in der Sportbranche erfahrene Peter Räuber begonnen, ihre Freizeitmarke aufzubauen.

    Mit lifestyleorientierter Radbekleidung fingen sie an, ein paar Jahre nach der Gründung stiegen sie auch in den Wintersport ein. Das Besondere: Die Produkte lassen sich für mehr als nur eine Sportart nutzen. Und mit ihren vielen frischen Farben fallen die Kleider in den Sportgeschäften auf. Im Frühjahr und Herbst bringen die bergbegeisterten Unternehmer jeweils eine 300 Teile umfassende Kollektion in die Geschäfte, jedes Jahr zu einem neuen Motto.

    Die Kollektion reicht dabei vom 600 Euro teuren Dirndl bis zu Rennanzügen für das amerikanische Biathlon-Nationalteam. Auf gut 25 Millionen Euro Umsatz dürfte das Unternehmen in diesem Jahr kommen, schätzt Haas. Wenig im Vergleich zu Sportkonzernen wie Adidas oder Puma, die Milliarden umsetzen.

    Mit dem Design aber ist Maloja sogar Puma-Chef Björn Gulden aufgefallen, einem begeisterten Langläufer. Frauen in Maloja-Ausrüstung erkenne man sofort auf der Loipe, meint der Norweger anerkennend. Ein wenig neidisch dürfte der Topmanager bei den Preisen von Maloja werden: Ein T-Shirt ist kaum unter 40 Euro erhältlich, und die Skijacke kostet schon einmal 600 Euro.

    Das bayerische Sportmodelabel besitzt jetzt eine eigene Fabrik in Bulgarien. Dort produziert der Mittelständler auch für andere Marken. Quelle: Maloja
    Sportmodelabel Maloja

    Das bayerische Sportmodelabel besitzt jetzt eine eigene Fabrik in Bulgarien. Dort produziert der Mittelständler auch für andere Marken.

    (Foto: Maloja)

    So gut wie Maloja geht es allerdings nicht allen Sportmarken. So mancher Hersteller spürt, dass die Ladenbesitzer knapp bei Kasse sind. „Die Händler planen für den nächsten Winter deutlich konservativer als sonst“, sagt Markus Hupach, Geschäftsführer des Sporthändlerverbunds Sport 2000.

    Viele Kaufleute leiden nach wie vor unter dem schwierigen Frühjahr mit den vielen Beschränkungen. Vor allem die Ladeninhaber tun sich schwer, die nicht oder nur wenig übers Internet verkaufen. Daher haben sie jetzt erst einmal weniger geordert, als sie das in einem normalen Jahr getan hätten.

    Dazu kommt: „Es steht ein großes Fragezeichen hinter dem Alpin-Skifahren“, meint Stefan Herzog, Präsident des Verbands Deutscher Sportfachhandel. Niemand weiß, ob die Skigebiete im kommenden Winter wie geplant öffnen können – und wie viele Sportler überhaupt bereit sind, Skiurlaub in Corona-Zeiten zu verbringen. Das dürfte vor allem Bekleidungsmarken wie Schöffel treffen, die überwiegend von Pistenskifahrern leben.

    Maloja könnte hingegen davon profitieren, dass die Leute häufiger die Tourenskier oder Schneeschuhe anschnallen. „Individualsportarten werden wichtiger“, sagt Herzog. Damit nicht genug der Herausforderungen für die Sportartikelfirmen. Einige Hersteller haben offenbar Probleme mit dem Nachschub aus Fernost. „Es wird nicht alles geliefert, was bestellt wurde“, erklärt der Verbandschef.

    Maloja beteuert, alle Händler rechtzeitig zu beliefern. Aus dem eigenen Werk kommt dabei knapp ein Viertel aller Artikel. Die meisten anderen Kleidungsstücke stammen aus europäischen Werken, insbesondere aus Portugal.

    Um ihre Jobs brauchen sich die Mitarbeiter in den Fabriken offenbar trotz Corona keine Sorgen zu machen. Fürs nächste Frühjahr und den Sommer hätten die Händler deutlich mehr bestellt als bei der vergangenen Orderrunde. Der Bedarf scheint groß, wenn die acht eigenen Stores als Maßstab dienen. Die seien nach Ende des Sommers komplett ausverkauft gewesen, erklärt Haas.

    „Soul in the woods“ ist das Thema der Modemacher Haas und Räuber fürs nächste Jahr. Die Fotos für den neuen Katalog haben sie unweit ihrer Zentrale im Nationalpark in Berchtesgaden aufgenommen. In diesen unruhigen Zeiten war das die sicherere Option. Selbst das abgeschiedene Maloja in der Schweiz könnte ja über Nacht zum Risikogebiet werden, mit allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten bei der Rückreise nach Bayern.

    Mehr: Erfolgreich in der Nische: Spezialisierung zahlt sich für Sporthändler aus

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