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Bilanzcheck Die Rekordjagd von Adidas ist vorbei

Die Pandemie hat den deutschen Sportkonzern ins Mark getroffen. Trotzdem ist genügend Geld da, um eine längere Flaute zu überstehen.
10.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
„Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, betont der gebürtige Däne. Quelle: dpa
Adidas-Chef Kasper Rorsted

„Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, betont der gebürtige Däne.

(Foto: dpa)

München Vom Überflieger zum Überlebenskämpfer: Adidas-Chef Kasper Rorsted blieben dieses Frühjahr nur wenige Tage, um sich komplett umzustellen. Als sich das Coronavirus Mitte März in der westlichen Welt rasant verbreitete, ging die Rekordjagd des Konzernherrn abrupt zu Ende. Stattdessen schaltete der 58-Jährige in den Krisenmodus.

Ein Blick in den Halbjahresbericht zeigt: Die Folgen der Pandemie haben Europas größtem Sportkonzern schwer zugesetzt. Die Aktionäre müssen sich aber keine Sorgen um den Fortbestand des Unternehmens machen. Denn Rorsted hat vorgesorgt, um auch eine längere Flaute zu überstehen.

Als der Ex-Chef von Henkel am vergangenen Donnerstag die jüngsten Quartalszahlen präsentierte, da hatte er eine beruhigende Botschaft. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, betonte der gebürtige Däne gleich zweimal.

Womöglich wird Rorsted das Bild auch am Dienstag auf der Hauptversammlung bemühen. Erstmals lädt Adidas seine Anteilseigner nicht persönlich ein. Das Aktionärstreffen findet rein virtuell statt. Ein zuversichtlicher Ausblick dürfte die Eigentümer freuen. Schließlich müssen sie nicht nur auf die fränkischen Bratwürste verzichten, sondern auch auf die Dividende.

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    Das erste Halbjahr indes ist ganz und gar nicht so verlaufen, wie sich das Rorsted vorgestellt hatte. Der Umsatz ist um gut ein Viertel auf rund 8,3 Milliarden Euro eingebrochen. Das lag vor allem daran, dass im April und Mai zeitweise drei Viertel aller Läden der Marke dicht waren – und die der unabhängigen Sportgeschäfte auch. Damit hat sich Adidas nicht ganz so gut geschlagen wie der Lokalrivale Puma. Die Erlöse des kleineren Wettbewerbers gingen um lediglich 16 Prozent zurück.

    Die Beschränkungen überall auf der Welt haben dazu geführt, dass die Sportartikelhersteller auf Massen von Shirts, Shorts und Schuhen sitzen geblieben sind. So weist Adidas zum 30. Juni Vorräte im Wert von 5,2 Milliarden Euro aus, das ist knapp die Hälfte mehr als zum selben Zeitraum voriges Jahr.

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    Das wird den Konzern noch lange belasten. Denn einen großen Teil dieser Ware muss die Marke mit den drei Streifen in den nächsten Monaten zu reduzierten Preisen in seinen knapp 1100 Factory-Outlets losschlagen. Allerdings verspricht Finanzchef Harm Ohlmeyer, dass die Bestände bis Jahresende auf einem normalen Niveau sein werden. „Wir haben jetzt den Höhepunkt erreicht“, sagte der Manager.

    Ein Teil der überschüssigen Produkte wird Adidas aber erst nächstes Jahr los, wenn überhaupt: die Trikots, mit denen die Nationalmannschaften im Juni zur Fußball-EM auflaufen wollten. Wegen Corona wurde das Event verschoben. Die Trikots sollen in die Läden kommen, wenn das Turnier 2021 wie geplant stattfindet. Wenn nicht, ist die Ramschkiste der letzte Ausweg.

    Sparen wo es geht

    Auch bei den Vorräten hat Puma allerdings in den ersten sechs Monaten des Jahres besser gewirtschaftet. Die Marke mit dem Raubtierlogo weist zum Stichtag 30. Juni lediglich um 21 Prozent höhere Bestände aus.
    Wegen des Umsatzeinbruchs ist Adidas tief in die roten Zahlen geschlittert. Der Verlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen belief sich im ersten Halbjahr auf 286 Millionen Euro.

    Vergangenes Jahr hatte Rorsted zu diesem Zeitpunkt fast 1,1 Milliarden Euro Gewinn verbucht. Mit einer operativen Marge von 13,3 Prozent war der Konzern damals hochprofitabel und auf Augenhöhe mit Weltmarktführer Nike, dem Vorbild, wenn es um die Rendite geht.

    Dabei hat Rorsted schon gespart, wo auch immer es geht. So hat er knapp 200 Millionen Euro weniger ins Marketing gesteckt als im Vorjahr. Auch für IT-Projekte sei weniger ausgegeben worden, so Finanzvorstand Ohlmeyer.

    Dass Rorsted eine Vollbremsung hinlegen würde, war bis März kaum vorstellbar. Denn die Ausgangslage für 2020 war glänzend. Im vergangenen Jahr noch hatte sich Adidas in vielerlei Hinsicht verbessert. So kletterte der Umsatz um acht Prozent auf 23,6 Milliarden Euro. Ein neuer Rekord. Die operative Marge stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent. Unterm Strich blieben gut 1,9 Milliarden übrig, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

    Seine selbst gesetzten Ziele hatte Rorsted damit erreicht. Wäre Corona nicht dazwischengekommen, hätte Finanzchef Ohlmeyer nach der Hauptversammlung im Mai 800 Millionen Euro als Dividende ausgeschüttet, 100 Millionen mehr als 2019. Zudem hatte er geplant, Aktien für eine Milliarde Euro zurückzukaufen. Dazu wird es erst einmal nicht kommen.

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    Damit nicht genug: Hätte sich Corona auf China beschränkt, für Adidas wären wohl auch 2020 neue Bestmarken drin gewesen. Noch wenige Tage bevor in der westlichen Welt fast alle Läden schlossen, hatte Rorsted ein glänzendes Geschäft prognostiziert. Der Däne kündigte ein Umsatzplus von bis zu acht Prozent an, einen Gewinnanstieg von bis zu 13 Prozent und eine deutlich höhere operative Marge. Und das, obwohl zu jenem Zeitpunkt das Geschäft im wichtigen chinesischen Markt schon wochenlang stillstand.

    Stattdessen sicherte sich Rorsted gleich zu Beginn der Coronakrise Kredite über drei Milliarden Euro. 2,4 Milliarden davon stammen von der staatseigenen Förderbank KfW. Bis jetzt ist es nicht so schlimm gekommen, wie Rorsted befürchtete. Nur 500 Millionen Euro habe Adidas bislang abgerufen, sagte Ohlmeyer. Zum 30. Juni wies Adidas flüssige Mittel von rund zwei Milliarden Euro aus. Das ist zwar ein Fünftel weniger als im Vorjahr, aber gleichwohl ein solides Polster.

    Abzüglich aller Schulden hatte der Konzern Ende Juni 2019 noch 329 Millionen Euro auf dem Konto. Dieses Jahr zum 30.6. beliefen sich die Nettofinanzverbindlichkeiten auf 792 Millionen Euro. Das ist nicht so bedrohlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Ende 2015 lag der Konzern mit 420 Millionen Euro im Minus, und das ganz ohne Krise. Allerdings musste Adidas einen hohen Mittelabfluss aus betrieblicher Tätigkeit im ersten Halbjahr von 824 Millionen Euro hinnehmen.

    In der Krise scheint das Schlimmste überstanden

    Adidas könnte heute finanziell wesentlich besser dastehen: 2018 hatte Ohlmeyer eigene Aktien für eine Milliarde zurückgekauft, vergangenes Jahr für 800 Millionen. In den beiden Jahren vor Corona verteilte er zudem 1,2 Milliarden als Dividende. Alles in allem entspricht das drei Milliarden Euro und damit der Summe, die sich Adidas bei der KfW und Geschäftsbanken dieses Frühjahr als Kredit gesichert hat.

    Weder am Aktienrückkaufprogramm noch an den Ausschüttungen ist vor Corona Kritik laut geworden. Politiker und Konsumenten stellten Adidas erst dann an den Pranger, als der Konzern im April verkündete, die Miete für seine Läden zurückzuhalten. Eine Entscheidung, die Rorsted schnell revidierte und für die er sich entschuldigte.

    Die Ratingagenturen sehen Adidas trotz der tiefroten Zahlen positiv. Standard & Poor’s und Moody’s haben das Unternehmen in den letzten Monaten unter die Lupe genommen. Von beiden Firmen haben die Franken erstmals Investment-Grade-Ratings erhalten. Standard & Poor’s erteilte Adidas die Bewertung „A+“ mit stabilem Ausblick. Moody’s bewertete das Unternehmen mit „A2“ mit stabilem Ausblick. Mit diesen Ratings sei Adidas eines der am besten bewerteten Unternehmen sowohl in Deutschland als auch in der Sportartikelbranche, so der Konzern.

    So wie es derzeit aussieht, hat Adidas das Schlimmste in der Coronakrise hinter sich. „Wir erwarten eine signifikante Erholung im dritten Quartal“, sagte Rorsted vergangene Woche. Er gehe davon aus, dass der Umsatz im dritten Quartal deutlich steige, aber um fünf bis neun Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen werde. Das Betriebsergebnis soll zwischen 600 Millionen und 700 Millionen Euro betragen. Das entspricht einer Verbesserung von etwa einer Milliarde Euro im Vergleich zum zweiten Quartal.

    Das setze voraus, dass es keine weiteren umfangreichen Beschränkungen gebe und das Kundenaufkommen im stationären Einzelhandel kontinuierlich weiter zunehme. Eine Prognose für das gesamte Jahr wollte Rorsted nicht geben.

    Wie es langfristig weitergeht mit ihrem Unternehmen, sollen die Anteilseigner im März erfahren. Dann will Rorsted den nächsten Fünfjahresplan präsentieren. Wer das Vorhaben umsetzen wird, steht aber schon fest: Gerade erst hat der Aufsichtsrat den Vertrag des Unternehmenslenkers vorzeitig bis 2026 verlängert.

    Mehr: Adidas verliert ein Drittel vom Umsatz

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