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Thyssen-Krupp Wie die entmachteten Krupp-Nachfahren um das Vermächtnis der Familie kämpfen

Der Niedergang von Thyssen-Krupp beschleunigt sich. Nun fordern die Krupp-Nachfahren die Offenlegung der streng geheimen Stiftungssatzung – doch die Aufsicht winkt ab.
20.10.2020 - 11:24 Uhr 2 Kommentare
Von links: Eckbert von Bohlen und Halbach, Diana Friz, Friedrich von Bohlen und Halbach. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Krupp-Nachfahren

Von links: Eckbert von Bohlen und Halbach, Diana Friz, Friedrich von Bohlen und Halbach.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Frankfurt Wenn Friedrich von Bohlen und Halbach in diesen Wochen über mikroökonomische Themen spricht, dann bewegen den 57-Jährigen zwei Unternehmen ganz besonders: Zum Einen Thyssen-Krupp, gehört Bohlen doch zu den direkten Nachfahren der Essener Industriellenfamilie Krupp. Und zum Anderen Curevac, jene Tübinger Biotech-Firma aus dem Portfolio des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, dessen Beteiligungsgesellschaft Dievini durch Bohlen als Geschäftsführer geleitet wird.

Curevacs Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 läuft bisher derart erfolgversprechend, dass die Börse das Unternehmen mittlerweile mit mehr als 8,1 Milliarden Euro bewertet. Im Vergleich dazu fristet Thyssen-Krupp, einst stolzes Mitglied im Dax, ein geradezu trostloses Dasein: Nachdem sich der Konzern im Zuge einer jahrelangen Krise kürzlich von seiner zukunftsträchtigsten Sparte getrennt hat, bringt es der Konzern gerade noch auf ein Drittel des Börsenwerts von Curevac.

Und doch liegt Thyssen-Krupp dem Manager am Herzen. „Es schmerzt mich und die anderen Familienmitglieder mitanzusehen, wie hier über Generationen aufgebaute Werke und Werte vernichtet werden“, sagt von Bohlen dem Handelsblatt.

Gemeinsam mit seinen Verwandten wirft Bohlen der gemeinnützigen Stiftung, die den Nachlass der Krupps seit 1967 unabhängig von der Familie verwaltet, schwere Fehler vor – und fordert das Stiftungskuratorium auf, endlich die Satzung der Stiftung und ihre finanzielle Situation offenzulegen. Mit rund 20 Prozent ist die Stiftung immer noch größter Aktionär des Thyssen-Krupp-Konzerns.

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    Es ist das jüngste Kapitel in einem Streit, der vor fast 40 Jahren entbrannte, als die Nachfahren der Krupps sich erstmals um Mitspracherechte in dem äußerst verschwiegenen Gremium bemühten. Denn als Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Friedrich von Bohlens Onkel, das Unternehmen nach seinem Tod der gleichnamigen Stiftung vermachte, blieb die Familie außen vor.

    Kuratoriumsvorsitzender wurde der frühere Krupp-Generalbevollmächtigte Berthold Beitz, der die Stiftung bis zu seinem Tod 2013 als Alleinherrscher regierte. Ihm macht die Familie schwere Vorwürfe. So fallen etwa die milliardenschweren Fehlinvestitionen in defizitäre Stahlwerke in Brasilien und in den USA Mitte der 2000er-Jahre in Beitz Amtszeit. 

    Heute steht die ehemalige Rektorin der Technischen Universität Dortmund, Ursula Gather, an der Spitze der Stiftung – und Thyssen-Krupp nach der jahrelangen Krise und zahlreichen Managementfehlern vor den Scherben einer 200-jährigen Geschichte.

    Irgendwann könnte das auch für die Stiftung gelten: Noch zwei Jahre ohne Dividende halte die Stiftung das derzeitige Förderaufkommen durch, aber wohl nicht länger, sagte Gather vor einigen Wochen in einem Interview.

    „Es schmerzt mich und die anderen Familienmitglieder mitanzusehen, wie hier über Generationen aufgebaute Werke und Werte vernichtet werden“ Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
    Krupp-Nachfahr Friedrich von Bohlen und Halbach

    „Es schmerzt mich und die anderen Familienmitglieder mitanzusehen, wie hier über Generationen aufgebaute Werke und Werte vernichtet werden“

    (Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

    Tatsächlich ist Thyssen-Krupp in der jetzigen Lage nicht dividendenfähig – und wird es wohl auch ohne externe Hilfe die nächsten zwei Jahre nicht sein. Nach dem Verkauf der profitablen Aufzugsparte muss sich der Konzern wohl von zahlreichen weiteren Unternehmensteilen trennen. Zur Disposition steht dabei neben dem Anlagenbau und Teilen der Autozulieferung auch die Stahlsparte, der historische Kern des Unternehmens.

    Gerade erst hat der britische Konkurrent Liberty ein Gebot für die Sparte angekündigt. Unterdessen protestieren die Beschäftigten unter der lautstarken Führung der IG Metall vor dem Düsseldorfer Landtag und verlangen, den Konzern mit Staatshilfe aufzufangen. 

    Grafik

    Von den Turbulenzen im Konzern sind nahezu drei Viertel der weltweit einst 160.000 Mitarbeiter betroffen. Vor allem die Stahlkocher, die nach dem Abgang des Aufzugsgeschäfts mit 27.000 Mitarbeitern die größte Belegschaft stellen, fürchten um ihre Zukunft.

    Hinzu kommt: Die Coronakrise hat die Sanierungspläne des Vorstands zunichtegemacht, nun sucht die Konzernführung nach einem Partner. Als „Abgrund“ beschreibt die IG Metall die vorliegenden Perspektiven.

    Für die desolate Lage machen die entmachteten Nachfahren auch die Stiftung verantwortlich. „Sie hat es versäumt, ihren treuhänderischen Auftrag als Verwalterin des Krupp’schen Erbes zu erfüllen“, kritisieren Friedrich von Bohlen und Halbach, sein Cousin Eckbert von Bohlen und Halbach sowie seine Cousine Diana Friz.

    Die Familie verlangt auch deshalb Einsicht und Offenlegung der Stiftungssatzung, „um zu beurteilen, ob die Stiftung im Sinne des Stifters ihre Arbeit rechtens ausführt“, sagt Eckbert von Bohlen.

    Der Streit zwischen den Krupp-Nachfahren und Stiftung reicht fast 40 Jahre zurück. Quelle: dpa
    Villa Hügel

    Der Streit zwischen den Krupp-Nachfahren und Stiftung reicht fast 40 Jahre zurück.

    (Foto: dpa)

    Auf Anfrage erklärt die Stiftung, dass sie eben keinen treuhänderischen Auftrag verfolgt. „Die Stiftung verwaltet kein Treuhandvermögen, sondern eigenes Vermögen, das ihr von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach testamentarisch vermacht wurde“, sagte Stiftungsvorstand Volker Troche. „Dabei hält sie sich an den Auftrag, wie er in der Satzung festgelegt ist.“

    Das Verhältnis zwischen Familie und Kuratorium ist zerrüttet

    Doch die Krupp-Nachfahren wollten es genauer wissen – und wandten sich mit ihrem Anliegen auch an die Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf. Denn das Verhältnis zu Gather und großen Teilen des Kuratoriums beschreibt die Familie als zerrüttet.

    Zwar habe es nach einem Interview, das die Familie vor zwei Jahren dem Handelsblatt anlässlich der damaligen Führungskrise gab, zeitweise Signale der Annäherung gegeben, berichtet Diana Friz. „Doch zu einer Aussprache ist es nie gekommen.“

    Auch bei der Düsseldorfer Bezirksregierung kam die Familie bislang nicht weiter. In einem sechsseitigen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, versichert die Behörde, sie könne das Anliegen zwar „gut nachvollziehen". Dennoch bestehe seitens der Familie „kein Anspruch auf Überprüfung der stiftungsrechtlichen Vorgänge“, geschweige denn auf die Herausgabe der Stiftungssatzung.

    Ähnlich sieht das die Stiftung selbst. „Sosehr wir die persönliche Situation der Familie nachvollziehen können: Der Stifter hat bei der Stiftungsgründung entschieden, dass die Familie in der Stiftung nicht vertreten ist“, sagt Stiftungsvorstand Troche. „Deshalb gibt es für die Nachfahren bis heute auch kein Mitspracherecht oder Recht auf Herausgabe der Satzung.“

    Bei der Bezirksregierung sind die Krupp-Nachfahren abgeblitzt.
    Auszug des Schreibens der Stiftungsaufsicht

    Bei der Bezirksregierung sind die Krupp-Nachfahren abgeblitzt.

    Dabei ist es zwar nicht rechtlich verpflichtend, aber durchaus üblich, dass gemeinnützige und damit steuerbegünstigte Stiftungen ihre Satzung veröffentlichen. So bietet etwa die RAG-Stiftung, die ebenfalls in Essen residiert und für die Folgeschäden des dortigen Bergbaus aufkommt, ein entsprechendes Dokument im Internet zum Download an.

    Ähnlich halten es auch die Robert-Bosch-Stiftung, die Volkswagen-Stiftung oder die Bertelsmann-Stiftung, die allesamt sehr wahrscheinlich ein deutlich größeres Vermögen verwalten als die Krupp-Stiftung. 

    Doch die Satzung liegt verschlossen in einem Tresor des nordrhein-westfälischen Innenministeriums – und gilt seit Gründung der Krupp-Stiftung als bestgehütetes Geheimnis der Villa Hügel. Diana Friz meint: „Wir leben im 21. Jahrhundert. Da ist so etwas nicht mehr zeitgemäß.“

    Kritisch sehen die Nachfahren auch die Rolle von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): Der gehört qua Amt traditionell dem Stiftungskuratorium an – hat aber auch gleichzeitig die Aufsicht über die Bezirksregierungen, die ihrerseits die Stiftungen kontrollieren.

    Friedrich von Bohlen und Halbach fordert, dass die Aufsicht ihren Blick auf die Stiftung darlegt. „Wir wollen, dass die Stiftungsaufsicht öffentlich erklärt, wie sie die Wahrnehmung der Aufgaben der Stiftung aus Sicht der Satzung und des Testaments bewertet“, sagt der Manager. Sein Cousin Eckbert Bohlen fügt hinzu: „Und wir wollen wissen, wie in dieser Konstellation Corporate Governance gewährleistet ist.“

    Aufgeben will die Familie nicht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Friedrich von Bohlen und Halbach. Seine Cousine, sein Cousin und er würden den Fortgang des Unternehmens weiter im Detail verfolgen.

    Dabei stehen die Chancen, dass die drei ihr Ziel erreichen, nicht schlecht. So erklärt Stiftungsvorstand Troche, dass die Stiftung derzeit zwar keine Veröffentlichung ihrer Satzung plane. „Es ist aber durchaus denkbar, dass das in Zukunft geschieht.“

    Mehr: Liberty will Thyssen-Krupp Steel komplett übernehmen.

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    2 Kommentare zu "Thyssen-Krupp : Wie die entmachteten Krupp-Nachfahren um das Vermächtnis der Familie kämpfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Haben etwa die bisherigen Unternehmensleitungen und Stiftungsmitglieder sich die Taschen gefüllt, zu Lasten der Mitarbeiter und Standortes? Armin Laschet, vortreten, Bericht erstatten, volle Transparenz, sonst würde ich ihm wärmstes abraten CDU Chef zu werden zu wollen. Vielleicht haben er und auch Frau Kraft, sich am Niedergang von Thyssen- Krupp mitschuldige gemacht? Ich wünsche der Familie Krupp viel Erfolg!!!!!!!

    • Ich befürchte: Einblick in die Satzung bringt auch nichts mehr! Da ist an echten Werten nicht mehr viel vorhanden. Auch, wenn es schade um die Beschäftigten ist: für was soll das Land oder der Bund da noch Steuermittel hinterher werfen?

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