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GesundheitWarum Mittelständler beim Gesundheitsmanagement umdenken müssen

Noch nie gab es so viele Krankschreibungen wie in diesem Jahr. Firmen, die in Prävention investieren, profitieren langfristig. Der Einstieg ist oft einfacher, als viele Unternehmen glauben.Kathinka Burkhardt 07.11.2024 - 15:19 Uhr Artikel anhören
Stress am Arbeitsplatz: Die Gesundheit der Mitarbeiter ist zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor geworden. Foto: IMAGO/Cavan Images

Hamburg. Wer Michael Bode fragt, welches Problem seine Kunden derzeit umtreibt, bekommt schnell Antwort: „Digitaler Stress. Das ist ein Aspekt, der aktuell in den meisten Projekten angesprochen wird“, sagt der Geschäftsführer von VisionGesund, einem Beratungsunternehmen für betriebliches Gesundheitsmanagement in Köln.

Volle E-Mail-Fächer, virtuelle Konferenzen, permanente Erreichbarkeit – die digitalen Anwendungen der Arbeitswelt belasten Arbeitnehmer zunehmend. „Natürlich ist es möglich, auf diesen Technostress mit einem Impulsvortrag zu digitalem Detox zu reagieren“, sagt Bode. „Aber wer etwas Grundlegendes ändern und Mitarbeiter dauerhaft gesund halten will, muss nicht nur an das Verhalten, sondern an die Verhältnisse im Betrieb ran.“

Die Gesundheit von Beschäftigten ist je nach Branche und Beruf vielen Risiken ausgesetzt, von harter körperlicher Arbeit über Unfallgefahren, Schichtarbeit, Sitz- und Bildschirmzeiten bis hin zu psychischen Belastungen. Um die Gefahren zu minimieren, empfehlen Experten den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) mit Strukturen, aus denen ein dauerhaft gesunder Betrieb erwächst.

Um die gesetzlich vorgeschriebenen Bausteine Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Eingliederungshilfen kümmern sich die meisten Mittelständler, die freiwillige Gesundheitsförderung hingegen ignorieren viele.

52
Prozent
mehr Fehltage als noch vor zehn Jahren sind auf psychische Erkrankungen von Erwerbstätigen zurückzuführen. (Quelle: DAK)

„Gesundheit wird gerne als Zusatz oder eigenverantwortlicher Bereich der Angestellten betrachtet“, sagt Mustapha Sayed, Professor für Gesundheits- und Sozialmanagement an der FOM Hochschule und Head of Corporate Health bei der Barmer Krankenkasse. „Nach aktuellen Erkenntnissen fördert nur jedes zweite deutsche Unternehmen die Gesundheit der Mitarbeiter ganzheitlich“, sagt Sayed. „Je kleiner die Organisation, desto seltener ist eine strukturelle Gesundheitsförderung mit passenden Angeboten.“

Neben Finanzmitteln mangele es in manchen Unternehmen auch an Sensibilität für das Thema. „Dabei ist die Gesundheit der Belegschaft eine Grundvoraussetzung, um betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein.“ Schon kleine Schritte könnten häufig viel bewirken.

Noch nie war der Krankenstand in den Betrieben so hoch wie aktuell: Anfang Oktober meldete die AOK genauso viele Krankheitsfälle unter ihren erwerbstätigen Versicherten wie im gesamten Jahr 2023 – und die diesjährige Grippewelle kommt erst noch. „Gerade für mittelständische Betriebe sind die Fehlzeiten ein großes Problem, weil sie durch den Fachkräftemangel ohnehin wenig Spielraum beim Personal haben“, sagt Stefan Süß, Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Düsseldorf.

Während Atemwegs-, Bewegungs- und Muskelerkrankungen die häufigsten Gründe für Krankschreibungen sind, folgen dahinter bereits psychische Erkrankungen – Tendenz steigend. „Diese sind oft teure Krankheiten mit langen Fehlzeiten und der Gefahr, dass der betroffene Mitarbeiter gar nicht zurückkehrt“, sagt Süß.

Gesundheitsförderung kann sich sowohl auf die Mitarbeitergewinnung als auch auf die Fluktuation und das Arbeitgeberimage positiv auswirken. Der erste Schritt ist für viele Firmen der schwerste: „Die Führungsebene muss Gesundheit als eine Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg wahrnehmen“, sagt Barmer-Experte Sayed. „Das ist entscheidend.“

Orientierung finden Unternehmer auf den Arbeitgeber-Internetseiten der Krankenkassen. Oft jedoch fürchten Mittelständler, sich direkt große Projekte mit einer Vielzahl an Maßnahmen aufzuladen – eine Fehleinschätzung, sagt Özlem Deutschmann vom strategischen Gesundheitsmanagement der DAK. „Man kann mit kleinen Themen starten, Hauptsache, ein Anfang ist gemacht.“

Kostenlose Beratung

Das geht auch über eine simple E-Mail an die BGM-Koordinierungsstelle der Krankenversicherungen: Einige Eckdaten zum Betrieb, individuelle Fragen etwa zu ergonomischen Arbeitsplätzen oder Bildschirmzeiten, und schon gibt es eine kostenlose Beratung durch eine der zum Pool gehörenden Versicherungen. Daraus können etwa Screenings von Gesundheitswerten der Mitarbeiter oder ein Gesundheitstag im Betrieb resultieren.

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Einen alternativen Einstieg in das Thema bieten Onlineseminare. Von Gesundheits-Apps für die Belegschaft bis zur Ausbildung eigener Mitarbeiter zu BGM-Beratern ist alles möglich. Einzelmaßnahmen aus dem Präventivkatalog der Kassen werden im Umfang von 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuerlich gefördert.

Spezialisierte Beratungsfirmen wie VisionGesund, IAS oder UBGM bieten darüber hinaus viele Dienstleistungen zum Gesundheitsmanagement für Mittelständler an. Die Kosten variieren je nach Projektumfang und Betriebsgröße, lohnten sich aber auf jeden Fall, so VisionGesund-Chef Bode: „Es zahlt sich aus anzufangen, bevor man unter hohem Krankenstand und seinen Folgen leidet.“ Wer zu spät beginne, für den werde es stets teurer als nötig.

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