1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Mittelstand
  4. Informationstechnik: So kommen Unternehmen leichter an Digitalisierungszuschüsse

InformationstechnikSo kommen Unternehmen leichter an Digitalisierungszuschüsse

Der Staat fördert die Digitalisierung großzügig. Doch viele Unternehmen scheitern an Anträgen und Bürokratie. IT-Dienstleister werden zum entscheidenden Türöffner.Andreas Schulte 19.01.2026 - 11:45 Uhr Artikel anhören
Ohne externe Hilfe bleiben viele Digitalisierungs-Fördermittel ungenutzt: IT-Dienstleister unterstützen Unternehmen bei Konzept und Antrag. Foto: Getty Images

Köln. Die Firma Rattex aus Solingen bekämpft Schädlinge – dank staatlicher Förderung auch solche, die via Internet die Firmen-IT bedrohen. Als im Jahr 2023 der neue IT-Dienstleister von Rattex das Firmennetzwerk ausbaute, empfahl er dem Unternehmen zugleich, die Cyberresilienz mithilfe einer staatlichen Förderung aus dem Programm „MID – Digitale Sicherheit“ zu verbessern.

Die Spezialisten entwickelten ein Konzept für mehr Cybersicherheit, das die Anforderungen des Förderprogramms erfüllte. Einige Wochen nach dem Antrag ging der positive Förderbescheid bei Rattex ein. Der Staat übernahm 80 Prozent der Kosten für die Umsetzung des Sicherheitskonzepts, das auch Mitarbeiterschulungen umfasste.

„Unser IT-Dienstleister hat uns erst auf die Idee der Förderung gebracht“, sagt Benjamin Meyer, COO von Rattex. Mehr noch: „Das Know-how des Dienstleisters bei der Erstellung des Sicherheitskonzepts und bei der Beantragung hat uns den Zuschuss gesichert“, lobt Meyer. „Aus eigener Kraft wäre dies deutlich aufwendiger geworden.“

Interview

Wildberger erwartet Milliarden-Entlastungen für Bürger und Unternehmen durch Bürokratieabbau

Der COO von Rattex ist zugleich der Digitalisierungsbeauftragte des Unternehmens. „Wenn es keine klare Verantwortung im Unternehmen für die Digitalisierung gibt, sind Förderanträge und die zugehörigen Konzepte deutlich schwerer umzusetzen“, sagt Meyer. „Nach unserer Erfahrung ist es sehr hilfreich, hierbei einen erfahrenen Partner an der Seite zu wissen.“

Die Unterstützung durch einen spezialisierten IT-Dienstleister – das dürfte für viele Mittelständler ein entscheidender Schlüssel sein für das erfolgreiche Beantragen von Fördermitteln. Oft scheitern Unternehmen beim Ansinnen, sich im Alleingang durch Antragsformulare und Bestimmungen zu wühlen. Manche lehnen schon den Versuch dankend ab.

„Gerade für die Digitalisierung gibt es zwar sehr viele Förderprogramme“, sagt Duran Sarikaya, Geschäftsführer der Düsseldorfer Consultingfirma Epsa, die einen Schwerpunkt auf Fördermittelberatung legt. Doch nur 30 Prozent der Unternehmen in Deutschland kennen und nutzen die wirtschaftlichen Fördermöglichkeiten des Staates. Dies hat eine aktuelle und repräsentative Studie von Epsa ergeben. Die Beratungsfirma hat 524 Unternehmen verschiedener Größenordnungen in Deutschland befragt. „Unternehmen sind zunächst mit der Vielfalt der Programme überfordert“, sagt Sarikaya. Laut Espa-Studie empfinden nur neun Prozent der Unternehmen den Zugang zu Fördermitteln als gut zugänglich.

Datenbank des Bundes

Tatsächlich ist das Angebot weit verzweigt. Allein die Förderdatenbank des Bundes (www.foerderdatenbank.de) listet derzeit unter dem Suchbegriff „Digitalisierung“ 487 Angebote. Darunter finden sich zum Beispiel Qualifizierungen, zinsbegünstigte Kredite, Zuschüsse oder Beratungen. Fördergeber sind die EU, der Bund und die Länder. Manches Programm besteht aus mehreren Bausteinen, etwa speziell für Künstliche Intelligenz (KI) oder Cybersicherheit.

Dabei ist die Förderdatenbank des Bundes nur eines von vielen Onlineportalen. Hinzu kommen solche von Ländern, Kommunen und privaten Anbietern. „Viele Programme ploppen fast aus dem Nichts auf“, sagt Sarikaya. „Kaum ein Unternehmen hat dauerhaft die Ressourcen, um zu überblicken, welche Förderung infrage kommt und am Ende auch geeignet ist.“

Sarikaya plädiert dafür, die vielen Portale allmählich zu ersetzen. „Wünschenswert wäre ein einziges zentrales Portal, vergleichbar mit dem Elsterportal für die Steuererklärung.“ Dies sei keine Utopie, sondern langfristig möglich, wenn sich Bund, Länder und Kommunen darauf verständigen würden. „Wir könnten doppelt so viele bewilligte Investitionen bei der Hälfte des derzeitigen bürokratischen Aufwands haben“, schätzt Sarikaya.

Tatsächlich begegnen viele Unternehmen dem breiten Angebot mit Skepsis und glauben, die Förderung lohne den Aufwand nicht. Auf die Frage, welche Hürden das Unternehmen hindern, Fördermittel zu beantragen, geben in der Epsa-Studie 38 Prozent den hohen bürokratischen Aufwand an. Als weitere Hemmnisse folgen mit 27 Prozent komplexe Nachweispflichten und mit 24 Prozent eine lange Bearbeitungsdauer. Mehrfachantworten waren bei dieser Frage möglich. „Und wer bereits einmal mit einem Antrag gescheitert ist, verzichtet anschließend darauf“, sagt Sarikaya.

Wir könnten doppelt so viele bewilligte 
Förderungen haben, bei der Hälfte des 
Aufwands.
Duran Sarikaya
Epsa

Viele Anträge und auch die Überprüfungen seien zu kleinteilig. „Oft muss man jede einzelne Programmierstunde für 80 Euro angeben und abrechnen. Hier würde ich mir mehr Vertrauen der Fördergeber wünschen. In anderen Ländern funktioniert das“, sagt Sarikaya.

Der Experte sieht Möglichkeiten für Verbesserungen allerdings auch bei den Unternehmen. „Grundsätzlich herrscht eine große Angst, bei einem Antrag etwas falsch zu machen und daher von den Prüfstellen Rückforderungen zu erhalten.“ Dies führe dazu, dass Förderbeträge nicht in Gänze beantragt würden. „Oft sind es nur 70 Prozent, die Unternehmen mit einem Antrag abfordern.“

Digitalunternehmen indes haben konkrete Vorstellungen für staatliche Förderungen. Knapp die Hälfte der IT-Unternehmen (46 Prozent) spricht sich für eine stärkere Förderung von Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Quantencomputing aus. Das hat eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands IT-Mittelstand (BITMi) ergeben. Die Förderdatenbank des Bundes listet aktuell 35 KI-Projekte und zehn Programme für Quantencomputing.

Dass Programme nicht komplett abgerufen werden, weiß auch Kerstin Weidner. „Vieles bleibt liegen“, sagt die Digitalisierungsexpertin der IHK Nord Westfalen in Münster. Häufig sprächen Unternehmen mit nur vagen Vorstellungen über eine Förderung bei ihr vor. „Doch nur die Internetseite eines Programms zu studieren, reicht nicht“, sagt sie. „Zu jedem Programm müssen Unternehmen die mehrseitigen Förderrichtlinien durcharbeiten, um ihre Berechtigung zu überprüfen.“ Gerade Kleinunternehmen fehlten dazu meist das Know-how und die Zeit. Großunternehmen seien besser aufgestellt. „Sie benötigen unsere Beratung weniger.“

Verwandte Themen
Deutschland
Digitalisierung

Anträge mit Frustpotenzial

Während kleine und mittlere Unternehmen eher an Digitalisierungszuschüssen interessiert sind, zielen größere Unternehmen bevorzugt auf zinsgünstige Kredite ab. „Für kleine Unternehmen sind Kredite oft mit zu viel Aufwand verbunden“, sagt Weidner. „Neben manchmal komplizierten Antragstellungen sind schwer verständliche Kreditregularien zu bewältigen.“ Die IHK berät Unternehmen daher gemeinsam mit Banken zu öffentlichen Fördermitteln und Finanzierungsthemen. Auch Losverfahren bei beliebten Programmen entpuppen sich als Hemmnis, sagt die Expertin. „Die Aussicht auf Erfolg ist dabei zu vage. Wegen der Planungsunsicherheit verzichten viele gleich zu Beginn auf einen Antrag.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt