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Krohne-Chef Rademacher-Dubbick„Wir haben uns ein paar Tricks gegen Ideendiebe ausgedacht“

Für den Chef des Messtechnik-Herstellers Krohne gehören Kunst und Innovation zusammen. Im Gespräch erklärt er, was die nächste Generation außer einem Sinn für Ästhetik mitbringen muss und was er gegen dreiste Kopien tut.Jakob Blume und David Sauer, Nena Schink 28.08.2017 - 13:05 Uhr Artikel anhören

Der Geschäftsführer von Krohne im Hauptquartier des Konzerns in Duisburg.

Foto: Dominik Asbach für Handelsblatt

Abstrakte Gemälde auf den Fluren, Kunsthandwerk in den Besprechungsräumen, Designerstühle in der Lobby: Der kürzlich eröffnete Duisburger Firmensitz des Messtechnikherstellers Krohne ähnelt einer Galerie. Hier entwickeln Ingenieure Sensoren, die Alarm schlagen, wenn Pipelines zu explodieren drohen. Hier entstehen Messapparaturen für Ölplattformen, Wasserwerke und Chemieanlagen. Geschäftsführer Michael Rademacher-Dubbick begrüßt uns im neuen Konferenzraum. Azurblauer Anzug, kariertes Hemd, orangefarbene Krawatte. Er spricht bedächtig über sein Lebenswerk. Vor ihm ein riesiger Flat Screen, hinter ihm eine Kanu-Plastik aus dunklem Holz.

Herr Rademacher-Dubbick, wir sind beeindruckt: So viel Kunst sieht man selten in einer Unternehmenszentrale.
Ja, über die Jahre ist ganz schön was zusammengekommen. Kunst und Innovation haben in unserer Familie schon immer zusammengehört, das will ich fortführen. Als mein Vater das Unternehmen nach Kriegsende übernommen hat, hat er die aktive Malerei aufgegeben und angefangen, junge Künstler zu fördern. Böse Stimmen im Unternehmen sagen scherzhaft: „Ihr baut doch nur so kräftig neu, in China, Indien, England und hier in Duisburg, damit ihr noch mehr Kunst hängen könnt.“ Aber das stimmt natürlich nicht.

Sie haben in den vergangenen Jahren tatsächlich viel investiert. Derzeit bauen Sie eine neue Fertigung in den USA. Bereitet Ihnen Donald Trumps Politik keine Sorgen?
Wir sollten erst einmal abwarten. Natürlich schaue ich regelmäßig nach Amerika und beobachte, was da passiert. Und natürlich ist es verrückt, wenn sich auf einmal der chinesische Präsident für Freihandel einsetzen muss. Aber im Grunde bin ich entspannt. Unsere mit am besten laufenden Tochtergesellschaften sind ohnehin in China.

Auch da wächst die Wirtschaft nicht mehr so rasant wie noch vor ein paar Jahren.
Stimmt, und das spüren wir auch. Die chinesische Stahl- und Chemieindustrie ist eingeknickt, weil die Fabriken höhere Umweltauflagen erfüllen und Überkapazitäten abbauen müssen. Sobald die Chinesen aber weniger investieren, geht unser Umsatz zurück. Damit müssen wir klarkommen. Andererseits sind sechs Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr immer noch ordentlich. Wir sind seit den 80er-Jahren in China, ich war selbst viele Male vor Ort. Diese Erfahrung zahlt sich irgendwann aus.

Für viele Mittelständler ist China Fluch und Segen. Ein riesiger Absatzmarkt – und zugleich das Reich der Produktpiraten. Wie gehen Sie mit den Fälschern um?
Am Anfang konnten wir da kaum etwas machen. Wer nach China wollte, musste sich auf ein Joint Venture einlassen. Irgendwann tauchten dann Produkte auf, die unseren ziemlich ähnlich sahen: gleiche Form, gleiche Farbe, unser Silberblau.

Michael Rademacher-Dubbick – zur Person
Rademacher-Dubbick führt seit 1994 die Ludwig Krohne GmbH & Co. KG in vierter Generation. Der Geschäftsführer ist für Controlling und Personal verantwortlich.
1921 gründete Ludwig Krohne das Unternehmen für Messtechnik. Krohne mit Stammsitz Duisburg produziert in zwölf Ländern und vertreibt seine Produkte weltweit. 3.700 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr mehr als 484 Millionen Euro Umsatz.

Und das haben Sie einfach so hingenommen?
Wir versuchen, es als Kompliment zu sehen: Nur Marktführer werden kopiert. Trotzdem haben wir uns ein paar Tricks ausgedacht, mit denen wir den Ideendieben das Leben erschweren. Unsere Messgeräte bestehen aus zwei wesentlichen Teilen. Die schweren Teile, die wir direkt in die Rohre einbauen, fertigen wir in China. Hinzu kommt die Elektronik, die den Sensor auswertet und das Signal an das Leitsystem der Anlage des Kunden weitergibt.

Und die stellen Sie ausschließlich in der Zentrale in Duisburg her.
Genau. Von Duisburg aus verschicken wir die Elektronik dann ins Ausland. Das ist eine Art Kopierschutz, wenn Sie so wollen.

In vielen Branchen ist die Zeit des dreisten Kopierens längst vorbei – und die Chinesen wachsen zu ernsthaften Konkurrenten heran. Ist das eine Gefahr für Ihr China-Geschäft?
Unsere Kunden legen großen Wert auf Qualitätsware. Sie bauen unsere Messtechnik ein, weil sie sich bei Anforderungen an Explosionsschutz auf uns verlassen können.

In China kaufen immer mehr Unternehmen über die Online-Plattform Alibaba ein. Wie wichtig ist das Thema Onlinehandel für Sie?
Wir haben bereits Anfang der 2000er-Jahre einen Online-Produktkonfigurator entwickelt und einen Onlineshop eingerichtet. Bislang hat das noch keinen großen Erfolg gebracht. Viele Kunden lassen sich lieber persönlich beraten. Bei einigen Großkunden ist unser Konfigurator in ihre Einkaufssysteme integriert. Das läuft gut, darin sehe ich Potenzial.

Die Digitalisierung eines Unternehmens ist ein langwieriger Prozess, der auch die nächste Generation beschäftigen wird. Wie regeln Sie die Nachfolge?
Es gibt bei uns eine Familienverfassung, etwa 60 Seiten, darin haben wir alles festgeschrieben. Wir haben da lange dran gearbeitet, mittlerweile haben alle Familienmitglieder unterzeichnet. In dieser Verfassung steht unter anderem, wie wir die Nachfolge regeln: Wenn einer aus der Familie ins Unternehmen will, entscheidet darüber nicht die Familie, sondern unser Beirat. Und der ist vor allem mit externen Mitgliedern besetzt.

Externe entscheiden, wer aus der Familie in die Führungsriege aufsteigen darf?
Genau. Und wir haben in der Familienverfassung sogar festgelegt, dass Familienmitglieder mindestens die gleichen Voraussetzungen erfüllen müssen wie externe Bewerber: Sie brauchen eine entsprechende Ausbildung an der Universität, Erfahrung in einem anderen Unternehmen – und müssen natürlich ernsthaftes Interesse mitbringen, Leidenschaft, Ideen.

Fällt Ihnen da jemand ein?
Es gibt ein paar Kandidaten. Wir haben 13 Familienmitglieder aus der nächsten Generation, davon sind einige noch minderjährig, andere schon über 30. Ein paar geeignete schauen wir uns jetzt an – und schicken sie dann auf einen Parcours, auf dem sie sich beweisen müssen.

Ein Parcours?
Ja, die sollen erst einmal außerhalb unseres Unternehmens Erfahrung sammeln. Wir arbeiten eng mit anderen Familienunternehmen zusammen und planen ein Austauschprogramm für Nachwuchsführungskräfte.

Und dann folgt der Einstieg ins Management?
Wahrscheinlicher ist, dass der Nachfolger erst einmal eine Zweigstelle im Ausland übernimmt, sich da beweist, noch mal Erfahrung sammelt – und dann irgendwann nach Duisburg kommt.

Wie war das denn bei Ihnen selbst?
Ich hatte so eine Vorbereitung nicht. Man hat mich damals ins kalte Wasser geworfen und gesagt: Nun schwimm mal! Gut, dann bin ich geschwommen – und nicht untergegangen.

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Ein Faible für Kunst muss der Nachfolger bestimmt auch mitbringen.
Das liegt ohnehin in der Familie. Mein Bruder ist Künstler, mein Vater war Künstler, mein Großvater war Künstler. Und bei mir zu Hause werden gerade die Wände farbig gestrichen.

Herr Rademacher-Dubbick, vielen Dank für das Interview.

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