Wochenend-NewsletterScheidung bei Scholz und Lindner – aber wohin mit den Kindern?

Und wären neue Beziehungsformen die Lösung? Außerdem: Navid Kermani, die Fehler der Dax-Spitzenreiter und Milliardengeschäfte mit den Sternen – das Handelsblatt Wochenende.Charlotte Morré 08.11.2024 - 08:52 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

der jungen Generation wird ja gern vorgeworfen, zu sehr mit der eigenen Identität beschäftigt zu sein als mit den großen Fragen der Welt. Bindungsunfähig seien sie, fielen beim kleinsten Widerstand sofort um. Und die Sache mit der Privatsphäre, dass man nicht jeden Beziehungsquark auf Social Media posten sollte, hätten sie auch nicht verstanden.

Wenn das stimmt, dann ist unsere gerade zerfallende Bundesregierung im Herzen jünger als gedacht. Ich persönlich kann mich zumindest gerade nicht des Eindrucks erwehren, Zeugin vom Ende einer Ehe zu werden, deren Details vielleicht doch nur bedingt an die Öffentlichkeit gehört hätten.

Da ist zum Beispiel der Kanzler, der öffentlich über seinen ehemaligen Partner Christian Lindner sagt, dieser sei „kleinkariert“, „verantwortungslos“ und „egoistisch“. Dieser wiederum erwiderte öffentlich, Scholz’ Vorschläge seien „matt“ und „unambitioniert“. Leider geht es bei diesen Vorwürfen nicht um die Frage, ob ein Partner hinter dem Rücken des anderen heimlich einen Thermomix angeschafft hat. Sondern um die Zukunft unseres Landes.

Wie immer bei solchen Trennungen denkt offenbar niemand an die Kinder. Eigentlich ist es ja Konsens, dass man sich da als Eltern zumindest nach außen ein bisschen zusammenreißt. Bei dieser Trennung hingegen muss der Nachwuchs, also die Ministerinnen und Minister, innerhalb von wenigen Stunden öffentlich erklären, ob sie lieber bei Mama oder Papa aufwachsen wollen. Nur Volker Wissing versuchte, mit großer Vehemenz das Wechselmodell durchzusetzen. Vielleicht darf er bei Scholz mehr Playstation spielen?

Was bei der Trennung allerdings noch unklar ist: Was genau waren die Gründe? Hat man eh nie zusammengepasst? Dachte jemand mit Blick in die USA, der Opa dort sei vielleicht doch glücklicher mit einer anderen Partnerwahl? Und welche Rolle spielte die Tatsache, dass die Koalition ja irgendwie auch von Anfang an als „Throuple“ angelegt war, also als Beziehung mit drei Partnern? Robert Habeck gibt es ja auch noch.

Vielleicht könnte die Noch-Regierung hier von den jungen Menschen noch etwas lernen. Soweit ich weiß, ist bei deren modernen Beziehungsmodellen, egal ob Patchwork oder Polyamourös, eines wichtig: Konsens. Wer mit wem, wann und wo, auf welchem Kanal: Alles ist erlaubt. Insofern alle vorher zugestimmt haben. Dann ist es auch okay, wenn einer der Partner sich in Friedrich Merz verliebt.

Ich hoffe, wir sind im Konsens bei unseren zehn Textempfehlungen zum Wochenende.

Herzlichst

Ihre Charlotte Haunhorst

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