Wikileaks-Enthüllungen

Die Widersprüche der Hillary Clinton

Die Wikileaks-Veröffentlichung der gehackten E-Mails von Hillary Clinton belasten die Demokratin. Ihre Aussagen im Wahlkampf stehen teils im krassen Gegensatz zu anderen Auftritten. Ein Überblick ihrer Fehltritte.
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Hillary Clinton gerät immer wieder wegen ihrer E-Mails unter Druck. Jetzt sollen sich ihre privaten Aussagen gravierend von den im Wahlkampf getätigten Aussagen unterscheiden. Quelle: AFP
Keine klare Linie

Hillary Clinton gerät immer wieder wegen ihrer E-Mails unter Druck. Jetzt sollen sich ihre privaten Aussagen gravierend von den im Wahlkampf getätigten Aussagen unterscheiden.

(Foto: AFP)

WashingtonHinter verschlossenen Türen hat Hillary Clinton einen versöhnlicheren Ton gegenüber der Wall Street angenommen als im Wahlkampf. Vor der Bekanntgabe ihrer Präsidentschaftskandidatur 2015 wirkt Clinton in bezahlten Reden an Finanzunternehmen und Interessengruppen wie eine eingeweihte Insiderin. Sie scheint dazu bereit, hinter den Kulissen Abkommen zu schließen und der Wall Street eine zentrale Rolle bei der Ausarbeitung finanzieller Regulierungen zu gewähren. Das geht aus Auszügen gehackter E-Mails hervor, die der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt wurden.

Im Vergleich dazu hat Clinton bei öffentlichen Aussagen während des Präsidentschaftswahlkampfs die Rhetorik einer Kämpferin gegen die Oberschicht angenommen. Sie forderte höhere Steuern für Reiche und schärfere Regeln für die Wall Street. Sie zeigte Empathie für die finanziellen Lasten gewöhnlicher Amerikaner.

Die Kluft zwischen den privaten und öffentlichen Aussagen der Politikerin trägt zur Erklärung dafür bei, weshalb Wähler ein relativ hohes Misstrauen ihr gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Im Privaten vermittelte Clinton dem Publikum bei Finanzunternehmen wie Goldman Sachs eine Philosophie, die in mancherlei Hinsicht mit der progressiven Vision nicht zu vereinbaren ist, die sie im Wahlkampf artikuliert hat.

Wall Street

In der Öffentlichkeit vertritt Clinton eine harte Linie gegenüber der Wall Street. Sie ist dagegen, die regulierenden Reformen zu schwächen, die nach der Finanzkrise 2008 verabschiedet wurden. Sie hat davor gewarnt, dass republikanische Abgeordnete und der Präsidentschaftskandidat Donald Trump die strengeren Regeln abschaffen wollten, die unter einem Gesetz namens Dodd-Frank aus dem Jahr 2010 eingeführt wurden.

Die Regeln aus diesem Gesetz sollten ausgeweitet und für Großbanken verschärft werden, forderte Clinton im Sommer in einer Rede im US-Staat North Carolina. Sie drohte auch mit einem Veto, sollten Versuche gestartet werden, diese Regeln aufzuheben.

Doch gibt es trotz solcher Erklärungen weiter Bedenken, Clinton stehe großen Banken und Investmentfonds zu nahe. Der Finanzsektor ist eine wichtige Quelle von Wahlkampfspenden für die ehemalige Außenministerin, Senatorin und First Lady.

In einer bezahlten Rede für ein Symposium von Goldman Sachs legte Clinton 2013 nahe, dass die Finanzindustrie eine dominante Rolle dabei spielen sollte, ihre eigenen Regeln zu entwickeln. „Regulierungen haben nichts Magisches“, sagte Clinton laut den gehackten E-Mails. „Zu viel ist schlecht, zu wenig ist schlecht.“ „Wie gelangt man zum goldenen Schlüssel, wie finden wir heraus, was funktioniert?“, fragte Clinton. „Und die Leute, die die Industrie besser als irgendjemand kennen, sind die Leute, die in der Industrie arbeiten.“

Viele Experten sind sich einig, dass die Finanzindustrie eine Stimme bei der Erarbeitung von Regulierungen haben sollte, damit neue Regeln effektiv sind und Sicherheit bieten, ohne dass das Wirtschaftswachstum darunter zu leiden hat. Allerdings fiel Clintons Betonung in ihrer privaten Rede deutlich netter gegenüber dem Finanzsektor aus, als einigen Industriebeobachtern lieb ist.

Millionenvermögen mit Reden und Vorträgen
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  • USA - Das korrupteste Land der Welt
    Ich bin sehr froh darüber, dass es Deutschland noch vereinzelte Nachrichtenquellen gibt, die nicht komplett von den NeoLiberalen US Medien gesteuert zu sein scheinen. Danke hierfür! Was aktuell in den USA abläuft, ist einmalig in der westlichen Nachkriegsgeschichte. Mit aller Macht versuchen die durch Special Interest gesteuerten Mainstreammedien wie CNN, NBC, Washington Post, NYT und Co. die durch Korruption und Lügen triefende Kanditatin H. Clinton über die Ziellinie zu hieven. Krampfhaft werden, im Verhältnis zu Ihren zahlreichen, strafbaren Handlungen irrelevante, Nebenschauplätze eröffnet, und mit einer nie dagewesenen Gewalt durch die Gazetten und Sender gespült. "Trump spricht vulgär über Frauen"...Ziel: Die nächsten 4 Wochen bloß nicht die Wikileaks Affäre zu dem werden zu lassen, was sie eigentlich ist: Der größte Skandal, den es vermutlich in den letzten 60Jahren in den USA gegeben hat und dem Untergang von Clinton. Falls Trump doch gewinnen würde, wäre ein Großteil der politischen Elite, der Medien aber auch der im Spinnennetz verwobenen Militär/Industriekomplex massiv gefährdet. Es würden zahlreiche Blutsauger, die seit Jahrzehnten durch illegale Machenschaften getrieben, die Bürger USA und die westliche Welt aushöhlen, ins Gefängnis wandern. Dies wäre die ultimative Befreiung, nur leider wird es wohl nicht dazu kommen.

  • Legal, Illegal, Scheißegal: "legal and nonlegal strategies"

    A) das nicht plötzlich der Schwanz mit dem Hunde wedelt, ist schon klar. Mit dem Geld, welches über die Finanz"produkte" der Wall-Street eingenommen wird, wird schließlich ein Großteil des US-Handelsbilanzdefizits finanziert. Substanziell wertlose Schuldscheine gegen importierte Ware. Die US-Führung wird sich nicht selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzt.

    B) einen sehr viel tieferen Einblick über die Grundeinstellung dieser Lady vermittelt eine ganz andere Email: "An SP memo on possible legal and nonlegal strategies re Wikileaks"

    "Dem Portal True Pundit zufolge, das sich auf eine anonyme Quelle beruft, fragte Hillary Clinton bei einem Brainstorming zum Umgang mit der Wikileaks zugespielten US-Diplomatenpost 2010, ob man Julian Assange nicht einfach "drohnen" könne? Der Quelle zufolge lachten die anderen Teilnehmer auf diese Bemerkung hin erst, verstummten dann aber, weil die damalige Außenministerin angespannt und aufgebracht anfügte, immerhin sei Assange ja ein "relativ weiches Ziel"
    http://www.heise.de/tp/artikel/49/49597/1.html

    Auch die Nachricht über die Pfählung Muammar al-Gaddafi scheint für diese Dame eher erheiternd als schockierend zu sein...

  • Die Befragung des General Dempsey erfolgte am 22 Juli 2016. Das Nuland Telefonat gibt es auf You-Tube.
    Nach der einwöchigen Feuerpause Anfang September haben die Amerikaner Stellungen der syrischen Armee bombardiert mit Meldung vom 18. Sept.

    "The U.S. military said it halted a series of airstrikes Saturday in eastern Syria after Russia warned the United States that it mistakenly struck and killed Syrian military forces.
    The Russian Defense Ministry said 62 Syrians were killed in the strike, and the Syrian government said the coalition airstrike allowed the Islamic State to advance around Deir el-Zour province where the attack took place."

    Kein Journalist im ganzen Westen interessiert dies, auch wenn es ein offizieller Akt bei den UN ist.
    Wenn daraufhin die Russen ihre Bombardements wieder aufnehmen, dann ist die Weltprese empört.

    Europa hätte es in der Hand, Frieden zu schaffen, einfach indem es sich von den USA in der Nahostpolitik distanziert. Aber dies wird nicht geschehen, im Gegenteil.


  • Die Amis waren schon immer die Guten.Ob beim Atombombenabwurf auf Japan, den Koreakrieg in den 50 ziger Jahren, den Vietnamkrieg in den 60 ziger Jahren und nicht zuletzt den Irakkrieg, immer waren die anderen schuld, was für eine friedliebende Nation.

  • @Herr Marc Hofmann, 11.10.2016, 14:01 Uhr:

    „Was wollt ihr den haben....die Hillary ist doch bei euch Deutschen und Amerikanischen Hauptmedien die beliebteste und fähigste Präsidentin der USA...“

    Wir - die meisten von uns jedenfalls - wollen weder Clinton (die zur Not aber auf jeden Fall schon eher) noch Trump (der hat sich aber ohnehin wegen hinlänglich bewiesener kompletter Inkompetenz und Ignoranz in Verbindung mit einem für den Umgang mit gefährlichen Waffen nicht nur absolut ungeeigneten, sondern extrem gefährlichen Charakter als nicht wählbar disqualifiziert).

    Sondern endlich eine Demokratie, die diesen Namen auch verdient und endlich unsere wohl wichtigste technische Errungenschaft der letzten Jahrzehnte sinnvoll einsetzt (jedenfalls weitaus sinnvoller als bisher)!!!

    Allerdings werden wir (also alle zivilen Mitglieder der Weltgemeinschaft) uns da schon selbst drum kümmern müssen, da das in Kreisen von Politik, Militär (und der Mächtigen in der Welt der Wirtschaft und Finanzen) naturgemäß anders gesehen wird.

    Wer daran zweifelt, dass es sich bei einer ganzen Reihe unserer politischen „Führer“ in Wahrheit um eine Bande von skrupellosen Schwerstkriminellen handelt, sollte sich dringend mal folgende Reportage, die gestern Abend ausgestrahlt wurde, ansehen: http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Putins-leere-Kassen/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=38229020

  • Mit Clinton ist der Krieg vorprogrammiert.
    Das sehe ich auch so. Wie werden medial verblendet.
    In Aleppo sind nur die Russen die Bösen und bombardieren Zivilisten. Dass sich eine andere Kriegspartei in Ost-Aleppo befindet und Zufahrtsstrassen und West-Aleppo auch beschiesst, das wird nicht einmal erwähnt. Es sollen auch ca. 5000 "Ausbilder" der US-Armee zusammen mit Nusra und den "gemässigten Rebellen" kämpfen.
    Schon die Wortwahl "gemässigte Rebellen" und "Ausbilder" zeigt doch, genauso wie beim "arabischen Frühling", wie verdummt man heute von der Presse wird.

    Und damit dies so weiter geht, benötigt man CLINTON. Die US-Regierung soll doch mal aufzeigen, wohin die 600 bis 700 Mrd Militärausgaben jährlich gehen. Damit lassen sich schon einige gemässigte Söldner in anderen Ländern kaufen. Und ja, mit Clinton gibt es Krieg.

    Wir sind knapp davor. Die Amies müssen nur eine NoFlyZone ausrufen, dann sind die USA und Russland offizielle Kriegsgegner. Dies ist zumindest die offizielle Version von 4 Sterne General Dempsey, der dem Comitee erstmal erklären musste, warum keine NoFlyZone ausgerufen wird, abgesehen davon, dass die Russen im Moment die absolute Lufthoheit haben

    Chairman of the Joint Chiefs of Staff Gen. Martin Dempsey told a Senate committee that the Obama administration is considering the use of military force in Syria.
    Gen. Dempsey warned "the decision to use force is ... no less than an act of war," adding that the U.S. "must anticipate and be prepared for the unintended consequences of our action. ... Deeper involvement is hard to avoid."

    Nicht Trump ist die Gefahr, sondern Clinton, hinter der das bekannte Wallstreet Establishment steht.

    Man muss Trump nicht mögen, er ist bestimmt kein Sympatieträger aber er ist vermutlich weit weniger gefährlich als Clinton, die doch aus demselben Lager kommt wie die Victoria Nuland, Assistant Secretary of State for European and Eurasian Affairs mit ihrem brühmten Telefonat zur Ukraiinekrise: "Ooh, fuck the EU"

  • Hillary Clinton ist eine willfährige Marionette derjenigen, die "HINTER DEN KULISSEN stehen" (Benjamin Disraeli, ehemaliger britischer Premierminister) und dieses Marionetten-Dasein wird auskömmlich honoriert. Bei Trump erscheint es nicht gesichert, ob er nach der Wahl zum Präsidenten als Marionette funktioniert. Deshalb das Mobbing in den westlichen Medien gegen Trump und die gekünstelte "Aufregung" über dessen Sex-Äußerungen. Allerdings wird man sicherlich sehr stark an der Demontage seiner Finanzen "arbeiten", um Gefügigkeit zu erreichen.

  • Versteh den Hype um die US-Präsidentenwahl gar nicht. Schon gar nicht die Anti-Trump-Propaganda unserer Medien.Wir dürfen doch gar nicht mitwählen. Also was soll die Dauer-Verhetzung von Trump bei uns? Egal, wer jetzt US-Präsident wird: Deutschland ist Kriegsbeute, wird so behandelt, und fertig.

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Was wollt ihr den haben....die Hillary ist doch bei euch Deutschen und Amerikanischen Hauptmedien die beliebteste und fähigste Präsidentin der USA...die kann sich wahrscheinlich einen Krieg mit Russland leisten und die deutschen Medien würden dieser Dame immer noch zujubeln und huldigen...hauptsache der Trump ist weiterhin der Böse!

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