About You-Chef Tarek Müller
„Bei Mode sind wir besser als Zalando oder Amazon“

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„Noch sind wir im Investitionsmodus“

Machen Sie noch mehr in diese Richtung?
Gerade haben wir unsere neue mobile App gelauncht. Bislang war das nicht unbedingt das, worauf wir am stolzesten waren – um es diplomatisch auszudrücken. Dabei werden mobile Anwendungen immer wichtiger. Ab sofort können wir unseren Kunden auch auf dem Smartphone inspirative und personalisierte Empfehlungen geben. Hier sehen wir großes Wachstumspotenzial, denn darüber schaffen wir es, dass Menschen täglich auf unsere Angebote schauen statt nur dann, wenn sie etwas Neues brauchen.

Zalando testet derzeit in Berlin die Lieferung noch am selben Tag. Können Sie als kleinerer Konkurrent da mithalten?
Das steht bei uns überhaupt nicht auf der Agenda. Ich glaube, das ist nur für einen verschwindend geringen Teil unserer Kunden relevant. Unsere Kunden erhalten ihre Bestellung innerhalb von zwei Werktagen, ich denke das reicht den allermeisten.

Collins ist bewusst nicht auf dem Campus der Otto-Gruppe gegründet worden. Bewährt sich das?
Ja, definitiv.

Was sind die Vorteile?
Wir können unabhängig agieren und eine eigene Start-up-Kultur entwickeln, die nicht unbedingt in eine über die Jahre gewachsene Konzernkultur passen würde. Zugleich sind wir nur 20 Minuten von der Zentrale entfernt, so dass der Austausch gut funktioniert.

Wie lange braucht Collins solch eine spezielle Start-up-Kultur?
Das ist schwer zu sagen. Irgendwann wird natürlich Profitabilität wichtiger als Wachstum. Aber dafür haben wir noch drei bis fünf Jahre Zeit. Noch sind wir im Investitionsmodus. Zugleich werden wir jetzt schon effizienter: So geben wir etwa pro Neukunde immer weniger Geld aus. Dennoch wollen wir uns unsere Hands-on-Kultur auch über die Wachstumsphase hinaus bewahren.

Otto-Chef Hans-Otto Schrader behauptet, Collins sei die letzte Chance, einen großen Mode-Spieler im E-Commerce zu etablieren, danach sei der Markt voll.
Das mag stimmen. Vor einem Jahr waren wir noch ein junges, cooles aber kleines Projekt, heute sind wir ein ernstzunehmendes Unternehmen, auch für unsere Lieferanten. Wir sehen aber auch eine Konsolidierung in der Branche. Mehrere kleinere Anbieter sind bereits gestrauchelt. Ich wüsste nicht, welche Nische man jetzt noch besetzen sollte.

Die Branche redet sowieso derzeit lieber von Multichannel, also die Verknüpfung von Online-Handel und Läden. Reicht es langfristig aus, ein reiner Online-Player zu sein?
Tatsächlich haben wir gerade die Eröffnung unseres ersten eigenen Ladens für unsere zweite Marke Edited angekündigt. Er eröffnet am 22. Oktober im Hamburger Schanzenviertel, wo wir übrigens auch schon bei fünf kleineren Boutiquen mit unserer Eigenmarke „Edited the label“ vertreten sind. Stationär betrachten wir vor allem als Marketing-Kanal: So gewinnen wir Neukunden dazu, die dann Online kaufen. Das ist so ähnlich wie bei MyMüsli: Die zeigen auch in eigenen Läden, was man online bestellen kann und was für Produkte den Kunden erwarten.

Planen Sie auch neue Angebote unter dem Collins-Dach?
Erstmal ist nichts geplant. Zum einen ergänzen sich unsere beiden Shops sehr gut, Edited ist ein vertikales Konzept, mit dem wir eine Mode-affine Nische bedienen, und About You ist eine Mode-Plattform für den Massenmarkt. Zum anderen konzentrieren wir uns momentan voll auf den Ausbau von About You. Gerade sind wir in Österreich und der Schweiz gestartet. Weitere Länder in Kontinentaleuropa sind vorstellbar, sobald wir uns in der deutschsprachigen Region gut eingespielt haben.

Brauchen Sie dafür weitere Investoren?
Nein, wir sind mit der Otto-Gruppe als alleinigem Eigner gut aufgestellt.

Merken Sie, dass die Otto-Gruppe um schwarze Zahlen für das laufende Geschäftsjahr kämpft – nach einem deutlichen Verlust im vergangenen Jahr?
Ich bekomme natürlich mit, dass Profitabilität auf Gruppenebene wichtig ist. Das gilt aber nicht für jede einzelne Beteiligung – und für die Start-ups schon gar nicht. Auf uns und unsere Finanzierung hat das daher keinen Einfluss. Außerdem hat die Otto Group ein sehr positives erstes Halbjahr gehabt.

Kommentare zu " About You-Chef Tarek Müller: „Bei Mode sind wir besser als Zalando oder Amazon“"

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  • Jetzt bin ich gaaanz sachlich und habe eine Anmerkung.
    Es könnte sehr gut möglich sein, dass bei anderen Artikel die Freigabe der Kommentarfunktion richtig gut ankommen würde.

  • Wann wird ihre Redaktion dann mal sachlich und unabhängig und nicht voreingenommen und abhängig.

  • Amazon war schon immer besser als Amazon (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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