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Manroland wird zerschlagenMassenentlassungen bereits am Monatsende

Im Werk Plauen des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland gibt es bald Massenentlassungen. Mehr als 500 Arbeitsplätze werden gestrichen. Für das Werk Offenbach ist weiter eine Landesbürgschaft im Gespräch. 19.01.2012 - 11:21 Uhr Artikel anhören

Vielen Mitarbeitern von Manroland in Plauen droht die Entlassung.

Foto: dapd

Dresden/Augsburg. Beim Druckmaschinenhersteller Manroland gibt es in Plauen (Vogtland) Massenentlassungen. Bereits zum Monatsende werden 527 Arbeitsplätze im Werk gestrichen, wie der IG-Metall-Bezirksbevollmächtigte Stefan Kademann am Donnerstag sagte. Nur 296 Arbeiter, darunter 43 Auszubildende, würden in Plauen weiter beschäftigt.

Angesichts der Zahlen zeigte sich Kademann geschockt. „Wir hatten gehofft, dass wir deutlich besser aus der Situation raus kommen“, sagte er. Derzeit sind 823 Menschen bei Manroland in Plauen beschäftigt, davon 104 in Altersteilzeit. Sie sind ebenfalls von der Insolvenz betroffen.

Der Kampf um Manroland
Zwei Bieter wollten Manroland zumindest in Teilen übernehmen. Auf der einen Seite stand die Lübecker Possehl-Gruppe, auf der anderen der US-Investor Platinum Equity, ein Beteiligungsunternehmen.
Während Possehl vor allem am Standortort Augsburg mit seiner Rollendruckfertigung interessiert ist, will Platinum Berichten zufolge das komplette Unternehmen übernehmen.
Die Possehl-Gruppe, die jetzt zum Zuge kam, ist ein Konzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen - vom Straßenbau über die Herstellung von Kuvertier- und Textilmaschinen bis hin zu Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen. Der Konzern erzielte 2011 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.
Weltweit werden rund 9300 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte davon in Deutschland. Zukäufe in allen Bereichen gehören zur Strategie des Mischkonzerns.
Platinum Equity mit Sitz in den USA ist eine Beteiligungsgesellschaft und hält Anteile an vielen verschiedenen Firmen in ganz unterschiedlichen Branchen. In Deutschland kaufte Platinum 2010 etwa den insolventen Fürther Granulatehersteller ECKA.
Anders als Possehl wollte sich Platinum im Vorfeld nicht dazu äußern, ob und in welchem Umfang für Manroland geboten wird. Seit 1995 hat Platinum mehr als 120 Übernahmen getätigt. Beteiligungsunternehmen kaufen Firmen, um sie etwa nach einer Sanierung weiter zu verkaufen.

Am Mittwoch hatte der Gläubigerausschuss beschlossen, den insolventen Druckmaschinenhersteller zu zerschlagen. Rund 2200 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg. Am härtesten trifft es den Standort Offenbach, wo nach Angaben von Insolvenzverwalter Werner Schneider rund 1000 Stellen gestrichen werden. Erst am Dienstag hatte der Konkurrent und Weltmarktführer Heidelberger Druck angekündigt, 2000 Stellen abzubauen. Die Landesregierung in Hessen zeigte sich prinzipiell offen für eine Landesbürgschaft zur Rettung des Offenbacher Werkes.

Zwei Monate nach der Pleite von Manroland verkündete Schneider am Mittwoch ein Konzept für den Erhalt aller drei deutschen Standorte - allerdings mit nur noch 2500 statt bisher 4700 Beschäftigten: Der Gläubigerausschuss votierte für die Zerschlagung des Konzerns und den Verkauf des größten Werks Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe. Das Familienunternehmen sicherte zugleich langfristige Lieferbeziehungen mit dem Werk im sächsischen Plauen zu, das vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt wird. Diese Lösung stelle eine Auslastung sicher, und eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei in Aussicht, erklärte Schneider.

Das Werk in Offenbach soll ebenfalls vom Management zusammen mit dem Insolvenzverwalter übernommen und saniert werden. Sobald ein anderer Investor gefunden ist - im Gespräch sind Chinesen - will Schneider aussteigen. Diese Lösung habe eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsaussichten, brauche zur Finanzierung aber eine Bürgschaft der hessischen Landesregierung, sagte Schneider. „Im Grunde genommen beginnt jetzt für Offenbach die zweite Runde“, sagte er. „Wir haben nicht alle Zeit der Welt, aber eine gewisse Basis.“

Für den Standort Offenbach ist eine Landesbürgschaft im Gespräch.

Foto: dapd

Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte am Mittwochabend in Frankfurt, „die Landesregierung ist gesprächsbereit, alle Möglichkeiten zu untersuchen und zu unterstützten, um Arbeitsplätze am Standort Offenbach zu erhalten.“ Er fügte hinzu: „Wir führen Gespräche mit dem Insolvenzverwalter. Uns ist zugesagt worden, uns das Konzept vorzulegen, das heute im Gläubigerbeirat diskutiert wurde. Daraufhin werden wir überprüfen und Gespräche führen, ob die Möglichkeit besteht, eine Landesbürgschaft zu gewähren. Dazu brauchen wir jetzt aber nähere Unterlagen.“ „Die Hängepartie geht weiter“, sagte die örtliche IG Metall-Bevollmächtigte Marita Weber. „Die Beschäftigten bei Manroland in Offenbach sind enttäuscht, dass die Rettung von Manroland nicht ihren Standort umfasst“.

In Augsburg sollen von rund 2200 nur noch 1500 Stellen übrig bleiben, in Offenbach von 1760 noch 750. Die bisherigen Manroland-Eigentümer Allianz und MAN haben bereits 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt.

Die IG Metall trägt die Lösung im Kern mit. Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef von Manroland ist, sagte: „Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden.“ Für die vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter müssten Brücken in eine neue Beschäftigung gebaut werden. Hier seien die Politik und die regionalen Unternehmen gefordert.

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Manroland schreibt seit Jahren rote Zahlen und hatte Ende November Insolvenz angemeldet. Wie die gesamte Branche leidet das Unternehmen unter dem Internetboom und dem zunehmenden Preiskampf. Possehl setzte sich im Gläubigerausschuss gegen den US-Investor Platinum Equity durch, der Manroland komplett kaufen wollte. Platinum habe aber kein Beschäftigungskonzept gehabt, sagte Schneider. Auch die IG Metall hatte eine langfristige Lösung mit dem US-Finanzinvestor bezweifelt. Bei Possehl setzen die Gewerkschafter auf ein langfristiges industrielles Interesse.

Die Possehl-Gruppe ist ein Mischkonzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen. Sie machte im vergangenen Jahr rund rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 9300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.

dapd, dpa
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