Weltmarktführer aus Heiligenhaus Kiekert und der Knarziator

Der Spezialist für Autotürschlösser in Heiligenhaus bei Essen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Heute gehört das Unternehmen den Chinesen und will doch ein deutscher Champion bleiben.
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Das ein Autotürschloss satt und hochwertig klingt, ist kein Zufall. Im speziell entwickelten und gefertigten Testständen werden die Prototypen extremen Tests unterzogen. Quelle: Kiekert AG

Das ein Autotürschloss satt und hochwertig klingt, ist kein Zufall. Im speziell entwickelten und gefertigten Testständen werden die Prototypen extremen Tests unterzogen.

(Foto: Kiekert AG)

DüsseldorfThorsten Bendel streicht zärtlich über die schwarz lackierte Autotür. Ein Griff ist nur angedeutet. Den braucht der Leiter der Produktentwicklung für Europa beim Autotürschloss-Hersteller Kiekert auch nicht, denn das Schloss weiß auch so, dass die Beifahrertür sich jetzt öffnen soll.

Dass das Geräusch satt und hochwertig klingt, ist kein Zufall. Ebenso wenig, dass die Tür, nachdem Bendel sie wieder leicht geschlossen hat, sich fest ansaugt und nun wirklich wieder fest geschlossen ist.

Ein Feature für Technikverliebte? Nein, in Heiligenhaus arbeiten bodenständige Entwickler, die sich in China genauso zurechtfinden wie in Amerika und in Europa, aber auch noch wissen, was Autofahrern das Leben leichter macht. So denkt das Kiekert-Testfahrzeug für die Fahrer mit. Zum Beispiel, wenn sie gerade mit großem Grill oder langen Holzlatten aus dem Baumarkt kommen. Dann klappt es mit einem Knopfdruck die einzelnen Rückbänke automatisch um.

Kiekert-Schlösser stecken in jedem fünften Pkw weltweit. Und seit der neue Eigentümer Lingyun nun selbst aus China kommt, setzen auch immer mehr Fahrzeughersteller im Reich der Mitte auf Schlösser, die im Bergischen Land entwickelt wurden. Fast 1.000 Mitarbeiter arbeiten in Heiligenhaus, rund die Hälfte in der Produktion. Das größte Werk von Kiekert steht allerdings in Tschechien, das kleinste wird gerade in Russland eröffnet.

Insgesamt arbeiten 5.000 Menschen an neun Standorten in sechs Produktionswerken, fünf Entwicklungszentren und Vertriebseinheiten rund um den Globus. Doch das liebevoll „Knarziator“ genannte Testgerät steht im beschaulichen Heiligenhaus. Es simuliert Fahrzeugbewegungen und nimmt den Körperschall auf.

Dort werden auch die anderen selbst entwickelten Testanlagen betrieben, die prüfen, ob Schlösser vor Staub und Wasser in allen Aggregatzuständen geschützt sind. Allein vier von 200 Ingenieuren dort kümmern sich um die Akustik. Wenn die Außengeräusche beim Fahren immer weniger werden - und dank der Elektromobilität künftig auch die Motorgeräusche - , müssen schließlich auch die Schlösser und Verriegelungen immer leiser werden.

„Damals waren wir finanziell angeschlagen“
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