Geldanlage: Luxus geht immer? Warum die Analysten der UBS vorsichtig sind
Frankfurt. Die Analysten der schweizerischen Großbank UBS werden vorsichtiger in ihrer Einschätzung zu den europäischen Luxusaktien. In den vergangenen Jahren seit 2016 habe der Sektor im Schnitt ein Umsatzwachstum von zehn Prozent erzielt, unter anderem wegen höherer Preise. Jetzt werde das makroökonomische Umfeld aber schwieriger, deshalb rechnet man für 2024 nur noch mit einem Umsatzplus von sechs Prozent.
Strukturell sei die Luxusbranche weiterhin gut positioniert für langfristiges Wachstum, auf kurze Sicht sei man jetzt aber vorsichtiger bezüglich der Titel. Im ersten Quartal des kommenden Jahres rechnen die Experten nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent.
Große Abhängigkeit vom chinesischen Markt
Zur Einschätzung des Marktes heißt es, 60 Prozent des Umsatzwachstums würden von der chinesischen Binnennachfrage abhängen. Wichtige Einflussfaktoren für die Luxusaktien seien 2024 unter anderem erste Anzeichen für eine Erholung des Konsums in den USA, die Preisentwicklung nach der Periode hoher Inflationsraten sowie mögliche Wechselkurseffekte.
Für den gesamten Sektor erwarten die UBS-Experten einen Rückgang der Ebit-Gewinnmarge um 40 Basispunkte auf durchschnittlich 25,6 Prozent. Sollte sich das Wirtschaftswachstum aber stärker verlangsamen als angenommen, dann werde sich auch der Druck auf die Gewinnspanne verstärken.
Auch bei der Investmentbank Stifel heißt es, die Stimmung der Investoren für das Luxussegment sei eher negativ, was aber keine echte Überraschung sei. Schließlich hätten Unternehmen zuletzt ihre Gewinnerwartungen zurückgeschraubt, und die Konzerne hätten sich vorsichtig zur aktuellen Geschäftslage geäußert.
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Für einige Unternehmen haben die Stifel-Analysten ihre Einschätzungen angepasst. Bei der Burberry Group wurden die Gewinnschätzungen für 2024/2025 gekürzt, und das Kursziel wurde von 2400 Pence auf 1950 Pence, also 19,50 Pfund, nach unten genommen. Bei der Tod’s Group wurde ebenfalls eine Gewinnrevision für 2023/2024 vorgenommen, das Kursziel lautet jetzt auf 34 Euro gegenüber bisher 36 Euro.
Für Flavio Cereda, Investment-Manager für Luxury Equities bei GAM Investments, bleibt der Luxussektor eines der dynamischsten und widerstandsfähigsten Segmente der Welt. Er habe immer wieder Herausforderungen und Krisen gemeistert und sei gestärkt und profitabler daraus hervorgegangen.
Marken kämpfen um die Generation Z
LVMH, Hermès und Kering seien drei Beispiele für gegensätzliche Entwicklungen im Luxusbereich. LVMH und Hermès hätten beide von 2019 bis heute ein bemerkenswertes Wachstum erzielt, dank der guten Positionierung ihrer Marken. Kering hingegen habe sich seit einiger Zeit unterdurchschnittlich entwickelt, was vor allem auf die unzureichende Leistung der Marke Gucci zurückzuführen sei, die 2021 rund 80 Prozent des Gewinns ausgemacht habe.
Für Cereda kommt es in Zukunft auf die „Medals-Strategie“ an, die für Musik, Unterhaltung, Digitales, Kunst, Lifestyle und Sport stehe. Marken könnten ihre Reichweite erweitern und mit den Verbrauchern auf verschiedene Weise interagieren, beispielsweise durch Sponsoring von Konzerten, Partnerschaften mit Sportlern oder Unterstützung von Künstlern. Indem sie sich auf diese Aktivitäten konzentrierten, erreichten sie neue, jüngere Kunden.
Die Generation Z werde bald der größte Käufer von Luxusgütern sein, aber sie müsse erst einmal auf die Marke aufmerksam werden. Die „Medals-Strategie“ erhöhe ihr Bewusstsein, ihre Interaktion und ihr Engagement für Luxus in einem frühen Stadium.
„Der Margenboom, den wir in den letzten drei Jahren erlebt haben, ist so gut wie vorbei“, heißt es in der GAM-Analyse. Jetzt gelte es, den Umsatz zu steigern und den Marktanteil weiter zu erhöhen, um die Margen zu halten. Die stärkeren Marken wie Louis Vuitton, Dior, Hermès und Chanel könnten stärker vom Wachstum im Luxussektor profitieren, da sie in Bezug auf Qualität, Markenidentität, Kundenerlebnis und Innovation im Vorteil seien.